Gladbachs neuer Trainer Marco Rose Nach vorne

Er will nicht nur Balljagd, sondern auch Ballbesitz: Mönchengladbachs neuer Trainer Marco Rose ist der Hoffnungsträger der Borussia. Hier erklärt er, wie er sich das Spiel seiner Mannschaft vorstellt.

Marco Rose im Trainingslager am Tegernsee
Matthias Balk/ DPA

Marco Rose im Trainingslager am Tegernsee


Zum achten Mal hintereinander war Borussia Mönchengladbach am Tegernsee zu Gast. Am Ortseingang von Rottach-Egern hing ein Plakat. "Gemeinsam nach vorne", stand darauf geschrieben, es folgte ein Ausrufezeichen. So lautete das Motto für das Trainingslager des Bundesligisten.

Im Treppenhaus zur Tiefgarage des noblen Quartiers direkt am Ufer hängen die Dankesschreiben des Klubs an das Hotel. Auf jedem ist die Unterschrift des Sportdirektors Max Eberl zu finden. Bei den Trainern ist es ein wenig abwechslungsreicher. Marco Rose ist der vierte in der Tegernseer Ära.

Rose übernahm von Dieter Hecking, der den Klub auf den fünften Platz in der Bundesliga und damit in die Europa League führte. "Nach vorne", wie auf dem Plakat zu lesen war, hieße nun also streng genommen Champions League.

"Einfach spannend"

"Von dem neuen Trainer erwarten die Leute, dass der Fußball sich ein Stück weit ändert und im Optimalfall noch erfolgreicher wird", sagt Rose dem SPIEGEL. Er könne versuchen, diese Erwartungshaltung ein bisschen zu dämpfen. Aber das sei schwierig und habe zur Folge, "dass einem schnell Ambitionslosigkeit vorgeworfen wird".

Rose wurde vor 42 Jahren in Leipzig geboren und war unter anderem für den FSV Mainz 05 in der Bundesliga aktiv. Als Trainer wurde er mit Red Bull Salzburg zweimal österreichischer Meister und erfüllte die Sehnsucht des Klubs, in der Champions League starten zu dürfen. Noch bevor dies feststand, gab er den Gladbachern die Zusage.

Auch die TSG Hoffenheim, der VfL Wolfsburg und der FC Schalke 04 sollen an ihm interessiert gewesen sein. "Die Überzeugung, dass Gladbach die richtige Entscheidung war, ist jetzt schon komplett da", sagt Rose. "Einfach spannend und eine große Verantwortung" sei die Herausforderung bei dem "großen Verein mit der großen Geschichte und der großen Fanbasis".

"Er hat eine sehr geile und klare Ansprache"

Bis zu 1000 Anhänger waren teilweise auf den Sportplatz des FC Rottach-Egern gekommen, um die Arbeit des neuen Trainers zu sehen, der sagt: "Ich setze sehr auf Aktivität in allen Spielphasen." Die gnadenlose Balljagd, für die Ralf Rangnick und noch mehr Roger Schmidt stehen, ist nur ein Element seines Stils. "Das ist nicht das Komplettpaket", sagt Rose: "Wir wollen auch den kontrollierten Ballbesitz, aber eben nicht dabei einschlafen."

Die Spieler scheint er mit seinem Ansatz zu erreichen. "Mein Eindruck vom Trainer ist noch besser als der, den ich durch die Medien entwickelt hatte. Er hat eine sehr geile und klare Ansprache, ist sehr umgänglich, fair und ehrlich in der Kommunikation", sagte Mittelfeldspieler Christoph Kramer dem SPIEGEL: "Dass er eine sehr gute Idee von Fußball hat, war in den bisherigen drei Wochen der Vorbereitung schon zu sehen."

Max Eberl stellte fest: "Die Mannschaft saugt die Anweisungen auf." Wie die Spieler versuchten, mit "höchster Bereitschaft und höchstem Engagement das umsetzen, ist außergewöhnlich", sagte der Sportdirektor. Aber auch: "Marco Rose ist ganz gewiss kein Zauberer."

Extrem hohes Vorwärtsverteidigen

Dem Trainer wird es auch ein bisschen mulmig, wenn er den Hype um seine Person mitbekommt. Er weiß, dass es wenig Sinn macht, sich energisch dagegen zu wehren. Er wehrt sich allerdings dagegen, Dieter Hecking in einem schlechten Licht stehen zu lassen. Auch wenn Rose es mied, den Namen seines Vorgängers explizit zu erwähnen, nimmt er ihn in Schutz.

Es habe in der Vorsaison "viele gute Dinge gegeben, die wir übernehmen können", sagt Rose. Manche Elemente seines Stils seien aber halt anders, was nicht zwingend heißen müsse, dass sie besser seien. "Ein großer Teilbereich, der neu ist für die Jungs: das hohe Verteidigen, das extrem hohe Vorwärtsverteidigen", sagte Rose. Diese Taktik verlange nach "mehr Laufbereitschaft, mehr Sprints".

Wahrscheinlich werden die Gladbacher auch 2020 im Sommer wieder nach Rottach-Egern kommen. Was er dann als Erfolg für die bevorstehende Saison verkaufen würde, ist eine Frage, die Marco Rose missfällt: "Ich will nichts verkaufen. Ich bin kein Verkäufer." Er sei "ein kompletter Realist".



insgesamt 12 Beiträge
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brandmauerwest77 22.07.2019
1. Auch
die neuen Trainer kochen meist nur mit Wasser. Man wird sehen was daraus wird. Es gibt soviel Faktoren im Fußball, wo der Trainer keinen Einfluss hat, aber oft über Sieg und Niederlage entscheiden, wo sich der Trainer hinterher die Haare rauft, weil er komplett machtlos dagegen war. Kein Glück und dann kommt auch noch Pech dazu. Das ist Fussball.
argonaut-10 22.07.2019
2. Trotzdem
Fussball hat sich dramatisch verändert, was Schnelligkeit und die Anzahl möglicher Konzepte betrifft. Wenn dann noch die Chemie stimmt, kann eine Mannschaft viel bewegen. So, wie es sich konzeptionell anhört, wird es spannend die kommende Saison.
telarien 22.07.2019
3. Es kann nur besser werden
Die Borussia hat unter Hecking Stillstand hinter sich, Spieler wurden nicht besser. Die starke Hinrunde der letzten Saison hätte fast das Elend verlängert. Mit Jan Sommer hat man einen spielenden Torwart. Aber es kann doch nicht das Ziel sein, ihn sooft wie möglich anzuspielen! Das war Ballbesitz ohne jeden Raumgewinn. Der Tabellenplatz ist mir egal, wenn Rose hier Fußball spielen lässt, wie ihn Gastmannschaften wie Hoffenheim oder Leipzig in Gladbach gezeigt haben, dann will ich zufrieden sein. Die Punkte kommen dann sowieso.
srbler 22.07.2019
4. versuchen zu dämpfen?
versteh ich nicht, er wurde ja wohl nicht für platz 5 oder so geholt, das hat hecking ja auch geliefert, da muß jetzt mehr kommen- bin gespannt , ob der heiß begehrte das jetzt toppen wird
srbler 22.07.2019
5. er wurde geholt
um gladbach neu zu erfinden,habe ich so den eindruck, da is dämpfen mal nicht so orginell, meiner meinung nach ist alles unter platz 5 nicht prall, okay wenn sie jetzt das ziel meisterschaft in 2 - 3 jahren in gladbach konzipiert haben , wäre die kommende saison das übergangsjahr
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