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Fotostrecke: Nur am Rande der Sensation

Foto: Michael Probst/ AP

Gladbach-Niederlage gegen Barcelona "Der Treffer geht auf meine Kappe"

Ein Torwartfehler brachte die Entscheidung: Mönchengladbach spielte gegen Barcelona stark, aber nicht stark genug. Dem Team fehlt die nötige Portion Größenwahn.

Es war eine Art Bußgang, den Yann Sommer auf sich nahm, als dieses erste Pflichtspiel zwischen Borussia Mönchengladbach und dem FC Barcelona beendet war. Fast eine Dreiviertelstunde lang wiederholte der arme Torhüter wieder und wieder, wie schuldig er doch sei an dieser schmerzhaften 1:2-Niederlage gegen den Weltklub aus Katalonien.

"Ich glaube, dass ich den Ball festhalten muss - der Treffer geht also auf meine Kappe", flüsterte er geradezu. Erst in diversen Sprachen vor unterschiedlichsten Kameras, dann in die Mikrofone der Radioreporter und irgendwann auch in die Blöcke der schreibenden Berichterstatter. Vermutlich ging es ihm danach ein bisschen besser.

Der Treffer, auf den sich Sommers Selbstkritik bezog, gehörte zu den Schlüsselszenen dieses Fußballspiels, an dessen Ende Borussia Mönchengladbach mal wieder ganz unten in der Champions-League-Tabelle angelangt ist. Sommer hatte einen Schuss von Luis Suárez vor die Füße von Gerard Piqué prallen lassen, der so das Siegtor für Barcelona schießen konnte (74.).

Mancher Experte gab Sommer sogar eine Mitschuld am 1:1 von Arda Turan (65.), als er mit dem Herauslaufen zögerte, "das passiert leider", sagte der Schweizer und schaute traurig. Er habe gespürt, dass eine Überraschung gegen den Favoriten an diesem Abend möglich war, "es hätte funktionieren können, aber das bringt uns jetzt leider nichts", sagte er.

Die Illusion, dass Barcelona schlagbar ist

Dennoch dankten die Gladbacher Fans ihrem Team mit einem freundlichen Applaus für einen Fußballabend, den Sportdirektor Max Eberl trotz Niederlage als "großartig" empfunden hatte. Das Spiel war tatsächlich höchst unterhaltsam gewesen. Die Borussia war ein perfekter Gegner, um dem globalen Publikum die Illusion zu vermitteln, dass der FC Barcelona auch für einen Außenseiter schlagbar ist.

Thorgan Hazard hatte den Bundesligisten sogar in Führung gebracht (34.), Neymar war an den Abwehrkünsten von Julian Korb verzweifelt, die Spanier spielten nicht fehlerfrei. Aber in der Gesamtbetrachtung war dieser Sieg vollkommen verdient. Denn den Gladbachern unterliefen zwei, drei Missgeschicke zu viel.

Natürlich war Barcelona ballsicherer, natürlich erspielte sich das Superstar-Ensemble gute Chancen, aber ihre Tore schossen sie auf der Grundlage von einfachen Gladbacher Fehlern. Vor dem 1:1 hatte Oscar Wendt vergeblich versucht, eine Abseitsfalle aufzubauen, statt seine günstige Position zu nutzen, um einfach einen Zweikampf gegen den Torschützen Arda zu führen. Und vier, fünf Kontersituationen spielten sie nicht präzise genug zu Ende.

Die Hintergründe der Niederlage sind leicht erkennbar: Die Mannschaft ist einerseits individuell einfach nicht so stark besetzt wie die Gegner, die ihr sowohl in diesem wie auch im vergangenen Jahr zugelost wurden. Und sie schafft es nicht, in so einem einzelnen Spiel mal über sich hinauszuwachsen. Deshalb gewinnt Mönchengladbach auch im zweiten Champions League-Jahr nur die Trostpreise: Viel Lob und Anerkennung, vielleicht noch eine Teilnahmeberechtigung für die K.o.-Phase der Europa League, wenn alles gut läuft, und ein paar neue Erfahrungen für den Reifeprozess. So wie auch im vergangenen Jahr.

Noch zu sehr das Gefühl: Dabeisein ist alles

Schon damals habe die Borussia vor heimischer Kulisse "nur brillante Spiele gemacht", rief Eberl nicht ohne Stolz in Erinnerung. Aber sie haben auch damals weder gegen Juventus noch gegen Manchester City gewonnen - eine stabile Haltung der Demut gehört zu den Geheimnissen des Mönchengladbacher Aufstiegs vom Krisenklub zum Spitzenverein, aber an Abenden wie diesen bräuchten sie vielleicht mal eine Portion Größenwahn.

Patrick Herrmann berichtete, alleine die Anwesenheit der Weltstars habe ihm "Gänsehautfeeling pur" verschafft, es sei zudem ein tolles Gefühl gewesen, dass "auf der Anzeigetafel stand, 1:0 gegen den FC Barcelona." Sie waren schon damit zufrieden, "Akzente zu setzen und mutig nach vorne zu spielen", wie Trainer André Schubert lobend hervorhob.

Der Kontrast zum Abend zuvor, als Borussia Dortmund 2:2 gegen Real Madrid gespielt hatte, war bemerkenswert. BVB-Trainer Thomas Tuchel hatte dort mit den kleinen Fehlern seines Teams gehadert, er war verärgert, konnte seine Unzufriedenheit kaum verbergen. Die Gladbacher dagegen sind immer noch glücklich, einfach nur dabei zu sein in der glitzernden Welt der Champions League.

kicker.tv
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