Gladbachs Pleite in der Europa League Den Trend nicht kaputtreden lassen

Bisher lief es für Borussia Mönchengladbach unter dem neuen Trainer Dieter Hecking. Da kommt so eine unglückliche Niederlage wie gegen Florenz zur Unzeit. Kritik wollte deshalb niemand aufkommen lassen.

Gladbachs Stürmer Josip Drmic
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Gladbachs Stürmer Josip Drmic

Aus Mönchengladbach berichtet


Max Eberl musste schmunzeln, als er ein Argument hervorkramte, das vor einigen Wochen noch wie ein absurder Witz geklungen hätte. "Wenn ich jetzt unsere letzten Statistiken nehme, dann haben wir auswärts besser gespielt und besser gepunktet als zu Hause", sagte der Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach nach der 0:1-Niederlage gegen den AC Florenz im Hinspiel der Europa-League-Zwischenrunde. So gesehen habe die Borussia im Rückspiel beste Chancen, doch noch ins Achtelfinale einzuziehen. Die Borussia als Auswärtsfavorit? Eine seltsame These. Immerhin handelt es sich um einen Klub, der im gesamten Kalenderjahr 2016 lediglich eine einzige Bundesligapartie in der Fremde gewonnen hat.

Doch die Gladbacher haben sich neu erfunden, seit André Schubert kurz vor Weihnachten entlassen wurde. Sie sind zu einem stabilen Konstrukt geworden, agieren nun als Mannschaft mit einem klaren System und Konstanz. Bis auf wenige Ausnahmen werden immer dieselben Spieler auf den immer gleichen Positionen aufgestellt. Die Sicherheit, die sich daraus ergeben hat, war auch gegen die Fiorentina zu erkennen. "Gegen eine Mannschaft wie Florenz sieben, acht große Chancen zu erspielen, da hat man erst mal viel richtig gemacht", sagte Hecking und erzählte, dass sich dieses 0:1 für ihn "nicht wie eine Niederlage" anfühle. Zu gut war die Leistung, und es sei ja erst die erste Hälfte des Duells absolviert.

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Europa League: Erste Niederlage für Hecking

Sie wollen sich das in den vergangenen Wochen erarbeitete Selbstvertrauen, dieses aufgehellte Grundgefühl auf keinen Fall von diesem seltsamen Fußballspiel beschädigen lassen, das so gut aussah und so schlecht ausgegangen ist. "Wir haben sie wirklich geknackt, wir haben es spielerisch gelöst", sagte Eberl, nur der krönende Torabschluss fehlte am Ende der vielen guten Spielzüge. Es war eine Niederlage, die sich eignete, mal wieder die Ungerechtigkeit des Fußballs zu beklagen.

Nach einer Viertelstunde war Patrick Herrmann ziemlich deutlich im Strafraum gefoult worden, den fälligen Elfmeter bekam er nicht. "Es ist ärgerlich, wenn da fünf oder sechs Leute stehen, und keiner sieht was", schimpfte Hecking in Anspielung auf die zusätzlichen Schiedsrichter, die in den europäischen Wettbewerben neben den Toren aufpassen. Außerdem traf Fabian Johnson kurz vor der Pause den Pfosten, und der Treffer der Italiener war ein Schauspiel von erlesener Seltenheit. Aus über 30 Metern zirkelte Federico Bernardeschi den Ball in den Winkel, präzise und wuchtig zugleich. "Ich konnte es kaum glauben", kommentierte Josip Drmic den spektakulären Schuss.

Es war einer dieser Abende, die dazu einladen, alle Schuld den Launen einer höheren Macht zuzuschieben, und Herrmann hatte sogar schon das passende Rezept für den nun erforderlichen Rückspielerfolg parat: "Wir müssen einfach nur die Leistung zeigen, die wir heute gezeigt haben". Beinahe konnte man bei all dem Optimismus vergessen, wer hier eigentlich verloren hatte, denn Kritik an der Verschwendung guter Torchancen, die wichtiger Bestandteil der Hinrundenkrise war, schien unerwünscht.

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Europa-League-Analyse: Wie Ibrahimovic bei einem 3:0-Sieg auf fünf Torbeteiligungen kam

Als Hecking gefragt wurde, ob das Team nach dieser Niederlage ähnliche Probleme wie im Herbst bekommen könne, reagierte er ziemlich ruppig. "Ich glaube nicht, dass diese Frage gestellt werden muss, die Mannschaft wird daran nicht kaputtgehen", sagte er. Das Spiel gegen RB Leipzig wird erste Hinweise darauf geben, wie nachhaltig die Borussia sich mit dem Trainerwechsel stabilisiert hat. Denn die Erfahrung einer Niederlage hat das Team in diesem Jahr noch nicht gemacht, und der Frust über den Verlauf des Abends wird bei aller Zuversicht ganz sicher noch kommen.

Schließlich bieten die Pokalwettbewerbe die Chance, noch etwas ganz Besonderes zu erreichen, immer wieder haben Spieler und Verantwortliche von dieser Option geschwärmt. Nun gegen eine Mannschaft auszuscheiden, die zumindest im Hinspiel eindeutig schwächer war, wäre ein großes Ärgernis, das

Spuren in der Gesamtstimmung hinterlassen könnte. Wobei auch Eberl solchen Überlegungen energisch widersprach. "Der Trend ist, dass die Mannschaft stabil ist, dass sie Torchancen erspielt, dass sie Laufstärke, Mentalität und Bereitschaft hat, all das sind positive Dinge, die man nach diesem Spiel weiter unterstreichen kann", sagte er.

Wenn sie im Rückspiel allerdings ähnlich konsequent spielen, wie sie im Nachgang dieser Niederlage argumentierten, haben sie gute Chancen aufs Weiterkommen.



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a.meyer79 17.02.2017
1. Kader
Gladbach scheitert am kleinen Kader. Wenn Leistungsträger fehlen reicht es nicht. Das ist völlig normal. Der Verein hat mehrere Jahe zweite Liga in den Knochen. Die Dinge dauern halt etwas.
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