Mönchengladbacher Remis gegen Celtic Müder Dritter

Borussia Mönchengladbach hat mit einem Unentschieden gegen Celtic die Chance aufs Achtelfinale in der Champions League verspielt. Den Frust ließen die Verantwortlichen am Bundesliga-Spielplan ab.
Gladbachs Tobias Strobl

Gladbachs Tobias Strobl

Foto: PATRIK STOLLARZ/ AFP

Manchmal ist es recht angenehm, einen Bösewicht ausfindig zu machen, auf den man kräftig schimpfen kann nach einem frustrierenden Erlebnis. Mit dem 1:1 (1:0) gegen Celtic Glasgow hat Borussia Mönchengladbach nur noch eine verschwindend kleine Chance, das Achtelfinale der Champions League zu erreichen, und eigentlich gab es reichlich Anlass zur Selbstkritik.

Die Mönchengladbacher hatten wunderbare Chancen verschwendet, dem Gegner einen Elfmeter geschenkt und sich durch eine Rote Karte selbst geschwächt. Ein Ventil für ihre Wut fanden sie aber erst, als es um ein ganz anderes Thema ging: die Gestaltung des Bundesliga-Spielplans.

Schon in der vorigen Woche hatten sie am Dienstag im Pokal gespielt und anschließend die Freitagspartie der Bundesliga bestritten. "Wir haben ja kaum Spiele, da kann man ja direkt am Freitag wieder spielen", sagte Trainer André Schubert ironisch. "Das ist einfach sehr ärgerlich, ich weiß nicht, wer sich dabei welche Gedanken gemacht hat". Auch Sportdirektor Max Eberl schimpfte angesichts des bedeutsamen Duells bei Hertha BSC am Freitag: "Bei den Bayern würde sowas nie passieren, bei uns passiert es aber schon."

kicker.tv

Tatsächlich ist es merkwürdig, dass die Borussias aus Mönchengladbach und Dortmund in Champions League-Wochen jeweils einmal den folgenden Bundesligaspieltag eröffnen, der Rekordmeister seine drei Freitagspartien der Hinrunde jedoch ohne Belastung unter der Woche zugeteilt bekam. Mit der Enttäuschung gegen Celtic hat diese Spielansetzung aber natürlich nichts zu tun. Und um einen Skandal handelt es sich auch nicht.

Die empfindliche Reaktion auf die Spielansetzung zeigt vielmehr, wie ausgezehrt die Borussia-Profis sich fühlen müssen. Vielspielern wie André Hahn, Oscar Wendt, Lars Stindl oder Julian Korb fehlt die Frische, und das spielte wohl eine zentrale Rolle in der Schlüsselszene des Abends.

In der 75. Minute antizipierte der schon vorher unkonzentriert und überspielt wirkende Korb einen Steilpass der Schotten falsch und ließ sich in der Folge im Strafraum zu einem Foul an Moussa Dembélé verleiten. Der Gefoulte traf selbst zum 1:1, und auch hier haderten die Mönchengladbacher mit dem Einfluss höherer Mächte. "Das war ein Elfmeter, aber keine Rote Karte", lautete Christoph Kramers Bewertung des Schiedsrichterpfiffs, und es wurde mal wieder eifrig über die im Sommer vorgenommene Abschwächung der Dreifachbestrafung (Rote Karte, Elfmeter, Sperre) diskutiert.

Vor dem Ausgleich zahlreiche Chancen vergeben

Tatsächlich werden Spieler nicht mehr automatisch mit einem Platzverweis bestraft, wenn sie im Strafraum eine klare Torchance durch ein Foul verhindern. Eine Gelbe Karte reiche in solchen Fällen aus, heißt es im aktualisierten Regeltext: "Es sei denn, das Vergehen ist Halten, Ziehen oder Stossen oder der fehlbare Spieler versuchte nicht, den Ball zu spielen, oder hatte keine Möglichkeit, den Ball zu spielen". Korb hat gehalten, gezogen, und ein Versuch, den Ball zu erreichen, war nicht erkennbar; dem Schiedsrichter blieb demnach nur die Option Platzverweis.

Mindestens ebenso wie mit dem Schiedsrichter haderte Schubert daher mit Korbs Vergehen. Weil der Winkel für Dembélé schon recht spitz war, sei "gar keine größere Bedrängung nötig" gewesen, sagte der Trainer, "wir haben ja auch noch einen Keeper". Doch zu solch einem klaren Gedanken war der müde Gladbacher Rechtsverteidiger nicht fähig. Und das war höchst ärgerlich, denn die Borussia war nach zähem Beginn gerade ganz gut im Spiel. Stindl war das 1:0 gelungen (32. Minute), die Trägheit der ersten Hälfte war abgeschüttelt, das Team fand viele Lücken in der Celtic-Defensive und erspielte sich vier, fünf wunderbare Chancen. Die beste vergab Hahn, der nur das Lattenkreuz traf (65.). "Der Moment ist nicht auf unserer Seite", sagte Eberl.

Das Achtelfinale? Scheint unerreichbar

Der Mangel an Effizienz vor dem gegnerischen Tor bleibt auch nach der Rückkehr der lange verletzten Angreifer Thorgan Hazard und Raffael ein Hauptproblem dieses zähen Gladbacher Herbstes. In den vier Bundesligapartien des Monats Oktober waren sie ja sieg- und torlos geblieben, nun reichte der eine Treffer wieder nicht für drei Punkte. Allerdings ist auch der eine Punkt sehr kostbar, denn Celtic muss nun entweder den FC Barcelona schlagen oder bei Manchester City gewinnen, um die Gladbacher noch vom dritten Platz zu verdrängen.

Der Traum vom Achtelfinale ist mit dem frühen Gegentor jedoch zu einer unerreichbaren Fantasie geworden. Selbst mit Siegen gegen Manchester und in Barcelona müsste die Borussia hoffen, dass auch Glasgow gegen einen der Giganten aus der Gruppe punktet. Aber Platz drei, der zur Teilnahme an der K.-o.-Phase der Europa-League berechtigt, war ja von Beginn an das große Ziel. Und der zumindest ist zum Greifen nah.

Borussia Mönchengladbach - Celtic Glasgow 1:1 (1:0)
1:0 Stindl (32.)
1:1 Dembélé (76., Foulelfmeter)
Mönchengladbach: Sommer - Korb, Strobl (77. Jantschke), Vestergaard, Elvedi - Kramer - Johnson, Stindl (81. Raffael), Wendt - Hazard (69. Herrmann), Hahn
Celtic: Gordon - Gamboa (85. Henderson), Lustig, Sviatchenko, Izaguirre - Brown, Armstrong - Forrest (60. Roberts), Rogic (69. McGregor), Sinclair - Dembélé
Schiedsrichter: De Sousa (Portugal)
Zuschauer: 46.283 (ausverkauft)
Rote Karte: Korb nach einer Notbremse (75.) / -
Gelbe Karten: Herrmann, Kramer (3.) / Izaguirre

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