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Niederlage gegen Manchester City Gladbach hat ein Elfmeterproblem

Bitter für Borussia Mönchengladbach: Bei der 1:2-Niederlage gegen Manchester City zeigte sich, dass 60 starke Minuten in der Champions League nicht reichen. Das Team verursachte zudem den neunten Elfmeter im zehnten Spiel.

Patrick Herrmann wirkte wie ein staunender Tourist, der gerade ein atemberaubendes Naturschauspiel erlebt hat, als er vom Spielfeld schlenderte und einen kurzen Bericht von seinem Abenteuer formulierte. "Es fühlt sich trotzdem toll an, es war ein schönes Gefühl, das behält man in Erinnerung", sagte der Flügelspieler nach dem ersten Heimspiel der Gladbacher im wichtigsten europäischen Klubwettbewerb seit 37 Jahren, das sie am Ende unglücklich 1:2 gegen Manchester City verloren hatten. Herrmann wirkte erfüllt von den Eindrücken, die Niederlage schien er kaum zu spüren.

Und tatsächlich war die Atmosphäre intensiv gewesen und die Choreografie vor dem Spiel beeindruckend, die Menschen in Mönchengladbach hatten diese Partie mit einem würdevollen Rahmen versehen. Und die Mannschaft bot eine tolle Show. Wobei in Herrmanns Worten viel mehr lag als nur der frische Eindruck von einem einprägsamen Erlebnis.

Wie so viele Champions League-Debütanten hatten die Gladbacher sich erst am besonderen Zauber dieses Wettbewerbs berauscht, darüber am Ende jedoch den kühlen Kopf verloren. Und natürlich war es wieder ein Elfmeter, der den Bundesligisten aus den Träumen gerissen hatte.

In der 89. Minute hatte Fabian Johnson im eigenen Strafraum den Versuch unternommen, per Kopf zu klären, der Ball landete im Zentrum 18 Meter vor dem Tor bei Sergio Agüero. Der Argentinier dribbelte los, stolperte über Johnsons Bein und verwandelte den anschließenden Strafstoß zum 2:1. Schon in der frühesten Jugend lernen Fußballer, dass Defensivkopfbälle im eigenen Strafraum nach außen und nicht ins Zentrum geklärt werden sollten. Warum Johnson dieses Prinzip missachtete, vermochte am Ende niemand schlüssig zu erklären.

Es war ein kleiner Fehler, der nicht nur einen wertvollen Punkt kostete, sondern auch als Symptom einer großen Krankheit betrachtet werden kann, von der der Trainerwechsel die Gladbacher noch nicht befreit hat. In zehn Pflichtspielen haben sie bereits neun Elfmeter verursacht. Es handle sich um eine "Aufmerksamkeitsgeschichte", sagte André Schubert, der jenseits des Elfmeterproblems vieles verbessern konnte, seit er die Mannschaft als Interimstrainer übernommen hat. Auch an diesem Abend konnte das Publikum die Verwandlung bestaunen.

Vermeidbar, aber nicht unverdiente Niederlage

Gladbach tritt leidenschaftlicher und aggressiver auf als unter Lucien Favre: "Wir gehen auf den Platz und geben Gas, so wollen die Jungs spielen", sagte Schubert. Das Publikum war lange Zeit schwer beeindruckt von dieser aufregenden Spielweise, die aber mit einem Verlust an Kontrolle erkauft wird.

Im Video: Kevin De Bruyne zum Spielverlauf

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Allein der überragende Raffael hatte Chancen für drei, vier Tore, schloss aber oft zu hastig ab und verschoss auch noch einen Elfmeter (20.). Als Lars Stindl die starke Borussia dann tatsächlich in Führung gebracht hatte, saugten die Menschen genussvoll den Zauber auf, den die Champions League in ihren besten Momenten produziert. Jedenfalls bis Nicolás Otamendi das etwas glückliche 1:1 gelang (65.).

Nun zeigte sich auch eine finstere Seite dieses Wettbewerbs: Naivität und Unerfahrenheit werden hier mitunter sehr hart bestraft. 60, 70 gute Minuten reichen nicht, wenn in der Schlussphase die Kraft aufgebraucht ist. "Gegen Weltklassemannschaften muss man 90 Minuten lang wach sein", sagte Granit Xhaka. Was sich wie eine alte Floskel anhörte, beschrieb treffend den Hauptgrund für diese zwar vermeidbare aber nicht unverdiente Niederlage. Scheinbar brauchen deutsche Teams erst mal ein, zwei Jahre Erfahrung in der Königsklasse, um diese alte Erkenntnis wirklich zu verinnerlichen.

Gut gespielt und doch verloren, lautete jedenfalls schon oft das Fazit der Klubs, die zum ersten Mal oder nur sehr selten in der Champions League dabei sind. Der VfL Wolfsburg reiste nach dem 1:2 bei Manchester United am Mittwoch mit einem ähnlichen Gefühl in die Heimat, Borussia Dortmund schied im ersten Champions-League-Jahr unter Jürgen Klopp trotz guter Leistungen früh aus, und Schalke gelang im vorigen Jahrzehnt erst bei der dritten Teilnahme der Sprung ins Achtelfinale. Zwar behauptete Granit Xhaka, dass nach zwei Niederlagen aus zwei Spielen "noch lange nichts verloren" sei. Dass die Gladbacher die Vorrunde überstehen, ist nach dieser Niederlage aber ziemlich unwahrscheinlich.

Borussia Mönchengladbach - Manchester City 1:2 (0:0)
1:0 Stindl (54.)
1:1 Otamendi (65.)
1:2 Agüero (90., Foulelfmeter)
Mönchengladbach: Sommer - Korb (78. Traoré), Christensen, Dominguez, Wendt - Dahoud (84. Nordtveit), Xhaka - Herrmann (72. Hahn), Johnson - Raffael, Stindl
Manchester: Hart - Sagna, Demichelis, Otamendi, Kolarov - Touré (46. Fernando), Fernandinho - De Bruyne, Silva (65. Navas), Sterling (90.+4 Zabaleta) - Agüero
Schiedsrichter: Clement Turpin (Frankreich)
Zuschauer: 46.217 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Stindl (2), Korb, Dominguez - Otamendi
Besonderes Vorkommnis: Hart hält Foulelfmeter von Raffael (19.)

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