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Borussia Mönchengladbach Mehr Ecken, mehr Kanten, mehr Testosteron

Borussia Mönchengladbach hat das Rheinderby gegen Köln für sich entschieden. Auch, weil sie wieder einen Spezialisten für Monstergrätschen an der Außenlinie haben.

Peter Stöger griff sich entsetzt an die rote Mütze, als Denis Zakaria nach 22 Minuten direkt vor seiner Trainerbank angerauscht kam und Leonardo Bittencourt umsenste. Mit Anlauf sprang der Schweizer in die Beine des filigranen Kölners, traf sauber den Ball - und relativ unsauber die Beine seines Gegenspielers.

Über die Gelbe Karte, die Zakaria dafür sah, wurde am Ende des ebenso intensiven wie niveauvollen rheinischen Derbys (1:0 für Gladbach) kontrovers diskutiert. Ball gespielt? Klar. Von hinten? Ja, schon. Zu brutal? Vielleicht. In jedem Fall illustrierte dieser wilde Akt der Entschlossenheit die ganze Derbyintensität. Und sie beflügelt die Hoffnungen der Mönchengladbacher auf eine Erfolgssaison.

Denn ein zentraler Vorsatz von Sportdirektor Max Eberl lautete in diesem Transfersommer ja, den Kader mit mehr Ecken und Kanten, mit mehr Testosteron auszustatten. Zu brav, zu ruhig war das Team im Vorjahr gewesen, lautete eine der zentralen Erkenntnisse aus dem Krisenjahr.

"Er kann eine Mannschaft mitreißen"

Eine Konsequenz dieser Analyse war die Verpflichtung von Denis Zakaria, der für zwölf Millionen Euro von Young Boys Bern in die Bundesliga kam. Und der erste Ligaauftritt des 20-Jährigen taugte nicht nur wegen der imposanten Grätsche als Indiz, dass die Sache mit dem erhöhten Bösewichtfaktor klappen könnte.

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Zakaria "hat gezeigt, was wir uns erwartet haben", sagte Eberl, nachdem die Borussia den knappen Erfolg nach einer hochspannenden Schlussphase über die Zeit gerettet hatte. "Er spielt aggressiv, ist unglaublich schnell, ein guter Balleroberer und kann eine Mannschaft mitreißen."

Als der gelobte 1,91-Meter-Mann dann jedoch im Gang vor den Kabinen auftauchte, wirkte er überhaupt nicht mehr furchteinflößend. Eher wie ein unbekümmerter Abiturient nach einer Prüfung, von der er wusste, dass er sie bestanden hatte. "Es war ein sehr schwieriges Spiel, wir mussten heute geduldig sein, aber vor allem in der ersten Halbzeit haben wir sehr gut gespielt", sagte Zakaria mit sanftem französischen Akzent.

Vergleiche mit Granit Xhaka

Der neue Mittelfeldspieler stammt aus einer schweizerisch-kongolesischen Diplomatenfamilie, trägt keine offen sichtbaren Tattoos und ist in Mönchengladbach bisher auch noch nicht mit vorlauten Sprüchen in Erscheinung getreten. Und dennoch fällt immer ganz schnell der Name Granit Xhaka, wenn über Zakaria gesprochen wird.

Beide kommen aus der Schweiz, beide bewegen sich in ähnlichen Räumen auf dem Platz, beide haben diese scheinbar angeborene Präsenz und eine enorme körperliche Wucht. Und Xhaka ist der Spieler, den sie in Mönchengladbach vermissen wie keinen anderen Profi der jüngeren Vergangenheit.

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"Ich hüte mich vor Vergleichen, doch in dem Fall sind sie nicht zu verhindern", hat Eberl irgendwann in der Sommerpause gesagt, und zugleich gewarnt: "Ich erinnere gern daran, wie schwer für Xhaka die ersten 18 Monate bei uns waren." Aber Zakaria wird sich womöglich schneller integrieren, denn nach den bisherigen Eindrücken ist er nicht so ein Grenzgänger, sondern ein Typ mit einer anderen Chance-Risiko-Abwägung.

Auch Matthias Ginter überzeugt

Kein einziger Fehlpass unterlief dem Talent, was für einen Debütanten auf der komplexen Position im Mittelfeldzentrum ein Sensationswert ist und auf ein eine sehr gewissenhafte Grundhaltung schließen lässt. Sollte diese Zuverlässigkeit zu einem dauerhaften Merkmal werden, könnten es noch viele Gegner schwer haben, Tore gegen Mönchengladbach zu schießen.

Die Defensive war das Prunkstück der Borussia an diesem Tag, an dem sich der 1. FC Köln ebenfalls über "eine ordentliche Leistung" freuen durfte, wie Trainer Peter Stöger erklärte. Aber die Gäste fanden kaum Lücken im Abwehrkonstrukt von Borussia Mönchengladbach, wo mit Nico Elvedi auch der gefeierte Torschütze Präzisionsarbeit verrichtete. Und wo mit Matthias Ginter der zweite Neuzugang sehr überzeugend agierte. Ginter kam für 17 Millionen Euro aus Dortmund, strahlte eine bemerkenswerte Ruhe aus und spielte viele kluge Bälle ins Mittelfeld.

Dieser gute Auftakt sei "nicht selbstverständlich, auch weil die Mannschaft hinten neu zusammengestellt ist", sagte Ginter. Wobei in diesem Gladbacher Sommer wieder kein Neuanfang vollzogen werden musste. Ginter und Zakaria ersetzen die abgewanderten Andreas Christensen und Mo Dahoud, ansonsten ist alles so geblieben, wie es war. Außer natürlich, dass im Gladbacher Mittelfeld wieder ein Spezialist für Monstergrätschen an der Außenlinie unterwegs ist.

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