Brasilien-Länderspiel Motivationshilfe im Stadtzentrum

Mit einem Treffen bei Berliner Olympioniken hat das DFB-Team die Vorbereitungen auf das Testländerspiel gegen Brasilien aufgenommen. Am Samstagmorgen versammelte Bundestrainer Jürgen Klinsmann den 20-köpfigen Kader zudem zu einem 90-minütigen Programm aus Sprint-, Sprungkraft- und Geschicklichkeitsübungen.


Teammanager Oliver Bierhoff: "Gewisse Verpflichtungen"
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Teammanager Oliver Bierhoff: "Gewisse Verpflichtungen"

Berlin - "Für uns sind das zusätzliche Informationen, woran die Spieler arbeiten müssen", erklärte Teammanager Oliver Bierhoff nach den schon im Vorfeld viel diskutierten Testreihen, die zum Teil von amerikanischen Spezialisten des Trainingszentrums Athletes Performance geleitet wurden. "Wir werden herausziehen, was nützlich für uns ist", fügte Klinsmann hinzu.

Vier Tage vor der WM-Final-Revanche gegen die Brasilianer am Mittwoch (20.45 Uhr/live im SPIEGEL-ONLINE-Ticker) im Berliner Olympiastadion eröffnete Bierhoff zudem den Kampf um höhere Sympathiewerte für die DFB-Auswahl, die nicht zuletzt durch die schwachen Auftritte und die Abschottung bei der EM in Portugal in den Keller gerutscht sind. Der ehemalige Kapitän möchte nicht nur eine neue "Offenheit" bei den Nationalspielern erreichen, sondern zugleich das Bewusstsein stärken, dass sie als Vertreter ihres Landes auch "gewisse Verpflichtungen" haben.

Stadtbummel zwischen den Trainingseinheiten

Dass dies eine langfristige Aufgabe ist, verdeutlichten schon die ersten Stunden in Berlin: Das Mannschaftshotel am Potsdamer Platz wurde für Fußball-Anhänger abgeriegelt. Nur eine von sechs Trainingseinheiten ist für Fans geöffnet. Für den Samstag hatte die sportliche Leitung dann die Olympioniken Robert Bartko, Patrick Weissinger und Tibor Weißenborn zu einem gemeinsamen Essen im Hyatt-Hotel im Herzen der Hauptstadt eingeladen. "Ich hoffe auf die eine oder andere Initialzündung für unsere Spieler. Dass sie erkennen, diese Athleten sind keine Amateure und leisten unter anderen Bedingungen in ihren Sportarten enorm viel", erläutert Bierhoff.

Im Gegensatz zu früheren Zeiten unter Völler sind die Spieler dieses Mal im Herzen der Stadt untergebracht sind und zwischen den Trainingseinheiten auch mal einen Stadtbummel unternehmen sollen. "Bei fünf Tagen Vorbereitung ist es schön, wenn man als Spieler auch mal Abwechslung hat", erklärte Bierhoff, "aber die Spieler müssen Spaß und Arbeit unterscheiden können. Lockerheit bedeutet nicht Disziplinlosigkeit."

Schon vor dem ersten normalen Training am Nachmittag hatten die DFB-Spieler in drei Gruppen an vier Stationen Fitnesstests absolviert. Die klassischen Teile Sprint und Sprungkraft wurden von DFB-Internist Tim Meyer geleitet. Die anderen Tests (Flexibilität, Stabilität, Geschicklichkeit) deckten die von Klinsmann engagierten Experten mit Chef Mark Verstegen ab. Der größte Teil der Test-Reihen wurde noch am Samstag ausgewertet. Die gewonnen Daten sollen mit die Grundlage einer Datenbank für Michael Ballack und Kollegen sein.

"Professioneller Eindruck"

"Es war eine reibungslose Zusammenarbeit. Die amerikanischen Kollegen haben einen sehr professionellen Eindruck gemacht", erklärte DFB-Arzt Meyer zu den Tests der Amerikaner. "Für mich ist es eine Ehre, Deutschland zu unterstützen. Den Spielern muss klar sein, dass sie jetzt schon jeden Tag für das Ziel arbeiten müssen, Weltmeister zu werden", sagte Verstegen, der "Bild"-Zeitung.

Inwieweit die Ergebnisse, die nach Video-Auswertungen teilweise erst einige Zeit später vorliegen, Konsequenzen für das Training der Nationalspieler haben könnte, wollte Meyer noch nicht sagen. "Das werden wir nach der Auswertung sehen", so der Spezialist vom sportmedizinischen Institut der Universität Saarbrücken, der aber nicht mit größerem Einfluss der neuen Tests etwa auf Abläufe oder Training in der Bundesliga rechnet: "Da wollen wir mal die Kirche im Dorf lassen. Das waren neue Tests, da muss man ja nicht gleich alles revolutionieren."

Während Meyer in Bereichen der Sportdiagnostik durchaus bereit für neue Ideen ist, lässt er sich beim Thema Ernährung allerdings nicht hineinreden. "Das war kein Thema und das decken wir auch gut ab. Da will ich auch keine zusätzliche Beratung, das traue ich mir alleine zu", stellte der DFB-"Doc" klar. Verstegen und sein Team arbeiten mit einigen Spitzensportlern in den USA auch Ernährungspläne aus, setzen dabei unter anderem auf Nahrungsergänzungsmittel.



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