Turnier in Brasilien  Parreira nennt WM-Organisation einen "schlechten Witz"

Nun kommt die Kritik auch aus dem innersten Fußballkreis Brasiliens: WM-Legende Carlos Alberto Parreira schimpft über die Politiker und Organisatoren des Turniers in seinem Land. Man habe die Chance verpasst, "der Welt ein anderes Brasilien zu zeigen".
Brasilien-Kenner und Ex-Trainer Parreira: "Chance verpasst"

Brasilien-Kenner und Ex-Trainer Parreira: "Chance verpasst"

Foto: Martin Meissner/ AP

Hamburg - Brasiliens WM-Legende Carlos Alberto Parreira hat die Fehlplanung und mangelnden Investitionen seines Landes in die Infrastruktur für die Fußball-Weltmeisterschaft scharf kritisiert. "Wir haben eine Chance verpasst, der Welt ein anderes Brasilien zu zeigen", sagte der Technische Koordinator der Seleção dem Radiosender CBN.

Vor allem der schleichende Ausbau der wichtigsten Flughäfen ist für den 70-Jährigen ein Unding. "Es gibt noch Ausschreibungen für März, drei Monate vor der WM. Das ist ein schlechter Witz. Man hat uns die WM vor sieben Jahren gegeben, und erst jetzt werden Bauten für die Flughäfen vergeben?", schimpfte der Weltmeister-Coach von 1994: "Ein totales Versäumnis."

Parreira, der 1970 als Konditionstrainer Brasiliens sein WM-Debüt gab, weiß, dass die Welt während des Turniers auf seine Heimat blickt: "Die Fans brauchen Flughäfen, Sicherheit, Komfort, Transport. Alle haben davon gesprochen, dass dieses Turnier ein Vermächtnis hinterlassen werde. Vielleicht für 2016, 2018 oder 2020. Aber bei dieser WM wird nichts fertig sein", sagte er.

Auch die Massenkundgebungen, die beim Confed Cup im vergangenen Sommer das ganze Land erfassten und am Samstag vor allem in São Paulo erneut in Gewalt endeten, machen Parreira Sorgen: "Wenn die Spieler sich damit beschäftigen, verlieren sie den Blick aufs Wesentliche. Konzentrieren wir uns darauf, den Titel zu gewinnen. Alles andere ist Sache der Behörden."

psk/sid