Brasiliens Herausforderer Afrikas letzte Hoffnung

Ein ganzer Kontinent steht hinter Ghana. Die "Black Stars" sind als einziges Team Afrikas noch im Turnier vertreten und wollen unbedingt die nächste Runde erreichen. Gegner heute im Achtelfinale ist Titelverteidiger Brasilien – mit einem alten Bekannten auf der Trainerbank.

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Jubelnder Sulley Muntari (o.): "Ghana muss Respekt für Afrika verdienen"
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Jubelnder Sulley Muntari (o.): "Ghana muss Respekt für Afrika verdienen"

Hamburg – Der heutige brasilianische Trainer Carlos Alberto Parreira stieg 1967 als 24-Jähriger in Ghana ins Trainergeschäft ein. "Man nannte mich damals voller Respekt Professor, dabei war ich noch ein junger Mann", erinnert sich der Brasilianer. "Parreira hat dem ghanaischen Fußball die Windel gewechselt", skizzierte einst die spanische Sportzeitung "Marca" seine Tätigkeit.

Aus den Windeln ist der Fußball Ghanas längst entwachsen. "Das Team ist die schönste Überraschung der WM", lobte Parreira, der mit den "Black Stars" 1968 Zweiter im Afrika-Cup geworden war. Doch die Freundschaft ruht für die 90 Minuten (heute 17 Uhr, Live-Ticker bei SPIEGEL ONLINE), Brasilien will nach den durchwachsenen Auftritten in der Vorrunde überzeugen. "Jetzt beginnt die wahre WM", sagt Parreira.

Auf der anderen Seite laufen die Spieler mit den Hoffnungen und Träumen eines ganzen Kontinents auf. "Es gibt Tage, da sind wir alle Ghanaer", tönte sogar ein Rundfunk-Moderator in Südafrika. Die Stärke der Brasilianer soll für die Afrikaner kein Hindernis sein. "Unsere Gegner sind keine übernatürlichen Wesen", sagte Ghanas Präsident John Agyekum Kufuor.

Schon nach dem Einzug in das Achtelfinale stand das ganze Land Kopf. "Wir haben auch diesmal keine Furcht", betont Mittelfeldspieler Sulley Ali Muntari. Er gehört zur neuen Generation der "Black Stars", die zusammen schon das Finale der U-20-Weltmeisterschaft 2001 erreichte. In der Partie gegen die USA war kein Spieler in der Abwehr älter als 25.

Trainer Ratomir Dujkovic sieht schwierige Aufgaben auf seine Spieler zukommen: "Wenn wir Ronaldinho stoppen, dann ist da Ronaldo. Halten wir den auf, kommt Roberto Carlos. Und ist der ausgeschaltet, macht uns Cafu Probleme." Die Statistik spricht jedenfalls für den Titelträger: Vier Siege bei 10:0 Toren fuhr Brasilien bei Weltmeisterschaften gegen afrikanische Teams ein.

Beide Mannschaften können nicht in Bestbesetzung auflaufen. Bei den Brasilianern fehlt Robinho wegen einer Oberschenkelverletzung, bei Ghana handelte sich Superstar Michael Essien im abschließenden Gruppenspiel die zweite Gelbe Karte des Turniers ein und ist deswegen gegen Brasilien gesperrt. Darüber hinaus muss Trainer Dujkovic auf Abwehrspieler Habib Mohammed verzichten, der sich eine Bänderverletzung im Knie zuzog.

Daran wollen die "Black Stars" gar nicht denken und stattdessen eine neue Zeitrechnung einläuten. "Wir sind einfach nur glücklich, dass wir Afrikas Flagge weiter hoch halten", sagt Sulley Muntari und verspricht: "Wir werden sie hoch halten, solange wir können. Ghana muss Respekt für Afrika verdienen."



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