Brasiliens Star Ronaldo schwanger?

Kein Gruß an die enttäuschten Fans, keine Erklärung für die Presse: Der rundliche Weltfußballer Ronaldo suchte nach seinem dürftigen WM-Einstand das Weite. Die brasilianische Presse fragt besorgt: Was ist nur mit dieser Mannschaft los?

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Nach diesem Spiel fällt es nicht einmal Brasilianern leicht, stolz auf die Leistung ihrer Mannschaft zu sein. Aus dem WM-verrückten Deutschland berichtet für "Folha Online" Reporter Eduardo Vieira da Costa per Blog von seiner schlimmen Begegnung am Morgen: In Berlin habe ihn ein türkischer Taxifahrer gefragt: "Ist es wirklich wahr, dass Ronaldo schwanger ist?"

In einem anderen Blog der Zeitung heißt es: "Der Angriff war schwach, schwach. In der ersten Halbzeit gab es Ronaldo + 10 Spieler - aber im negativen Sinne… der Typ war komplett von der Rolle, apathisch, jenseits. Inakzeptabel. Nicht weil er gerannt ist und nichts erreicht hat, gekämpft und verloren hat, geschossen und daneben gezielt hat - er ist nicht gerannt, hat nicht gekämpft und fast nicht geschossen."

Das sieht auch der Rest der brasilianischen Presse so. Die größte brasilianische Tageszeitung "O Globo" titelt: "Ein magerer Sieg zum Auftakt". Zwar habe die Seleção gewonnen, doch das Feuerwerk, das die Welt erwartet hatte, habe das Team nicht gezeigt. Doch nicht nur Ronaldo wird schlecht bewertet: Auch von Adriano sei nichts zu sehen gewesen - und Ronaldinho, der Star der Truppe, sei weit hinter seinen erwarteten Leistungen geblieben. "Die Seleção hinterlässt einen bitteren Beigeschmack."

Die "Folha de São Paulo" schreibt: "Erst als Robinho für Ronaldo auf den Platz kam, bestand das Team aus 11 Spielern." Als Beleg für die schwache Leistung des Hoffnungsträgers heißt es: "Die brasilianischen Fans haben Torwart Dida angefeuert, nicht Ronaldo." Auch das Urteil des ehemaligen Fußballstars Tostão in der "Folha" ist vernichtend: "Erst als Robinho den Platz des schrägen Ronaldos eingenommen hat, hat sich Brasilien verbessert." Die Hoffnung, so Tostão, liege jetzt darin, dass die großen Teams niemals schon im ersten Spiel ihr wahres Können und ihre Geheimnisse preisgeben.

Trotz der schwachen Leistung des Weltfußballers will Trainer Carlos Alberto Parreira an seinem Superstar festhalten. Ronaldo werde auch im zweiten Vorrundenspiel am Sonntag gegen Australien in München in der ersten Elf stehen, kündigte Parreira an. "Er muss seinen Rhythmus finden. Er ist ein Spieler, der ein Spiel entscheiden kann." Aus Verletzungsgründen habe Ronaldo seit zwei Monaten kein Spiel unter Wettkampfbedingungen mehr bestritten. Daher sei es keine Überraschung, dass er so schwerfällig wirke. Die hohen Temperaturen hätten ihr übriges dazu beigetragen.

Dabei sah Ronaldo, als er den Platz verließ nicht einmal verschwitzt aus - dazu war er wohl auch einfach zu wenig gelaufen. Zu dem schlappen Auftreten wollte sich der Superstar nicht äußern. Durch einen Geheimgang in den Katakomben des Olympiastadions entkam er den Medien.

Schwitzen müssen Ronaldo und Co. auch heute nicht: Nationaltrainer Parreira hat das für den Nachmittag im WM-Quartier Königstein vorgesehene Training gestrichen.

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