Brasiliens WM-Auftakt Der Rekordweltmeister stapelt tief

Im ersten WM-Spiel der Seleção erhoffen Fans weltweit einen außergewöhnlichen Auftritt von Superstar Ronaldinho und seiner Kollegen. Trainer Carlos Alberto Parreira sieht sein Team aber längst nicht in Topform. Gegner Kroatien wittert seine einmalige Siegchance.


Berlin - Es waren ausgerechnet die zwei wohl bekanntesten brasilianischen Akteure, die vor dem ersten Vorrundenspiel ihrer Mannschaft gegen Kroatien (Dienstag, 21 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) mit besonderem Trainingsehrgeiz beeindruckten. Beim Abschlusstraining des fünffachen Weltmeisters im Berliner Olympiastadion legten Ronaldo und Ronaldinho mit einer Schussübung Extra-Schichten ein, während sich die übrigen Brasilianer bereits dehnten.

Spielmacher Ronaldinho: "Er soll seine Kunststücke riskieren"
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Spielmacher Ronaldinho: "Er soll seine Kunststücke riskieren"

Angesprochen auf seine Ballkünste zeigte sich Ronaldinho allerdings bescheiden. "Meine Funktion ist es, unsere beiden Stürmer in Szene zu setzen. Wenn die treffen, habe ich meine Aufgabe erfüllt", so der 26-Jährige.

Dabei fiebert die ganze Welt dem ersten WM-Auftritt des Weltfußballers entgegen. Selbst Brasiliens Nationaltrainer Carlos Alberto Parreira räumt seinem Spielmacher alle Freiräume ein: "Er soll seine Freude an seinem Spiel beibehalten und seine Kunststücke riskieren."

Der große Turnierfavorit geht in Bestbesetzung in sein erstes WM-Duell. Vor allem das "magische Viereck" mit Kakà, Adriano, Ronaldinho und Ronaldo verspricht pure Offensive, auch wenn Parreira zum Auftakt noch keine großen Stücke von seinem Team erwartet. "Wir sind erst bei rund 70 Prozent und wollen uns das Idealniveau bis zum Finale holen. Wichtig ist nur der Sieg, egal wie er zustande kommt", so der 63-Jährige.

Zum Erfolg will auch Ronaldo beitragen. Nach drei Wochen Vorbereitungszeit, in denen die Medien vorrangig über seine vermeintlichen Gewichtsprobleme diskutiert haben, will der Stürmer von Real Madrid nun mit Toren für Schlagzeilen sorgen. Bereits zwölfmal hat Ronaldo bei Endrunden schon getroffen, nun peilt er Gerd Müllers WM-Rekord von 14 Toren an: "Wenn ich das schaffe, wäre ein weiteres Ziel erreicht", sagt Ronaldo. 

An Rekorde denkt Zlatko Kranjcar derzeit nicht. Der kroatische Trainer will es seinen Spielern zu Beginn dieser Weltmeisterschaft nicht unnötig schwer machen. Vor der ersten Begegnung ließ der Coach verlauten, dass ihn eine Niederlage gegen die Seleção nicht um den Schlaf brächte "Das Spiel gegen Brasilien ist ein Bonbon für die Mannschaft. Die Pflicht folgt gegen Australien und Japan", sagte er.

Trotzdem möchte der WM-Dritte von 1998 sich nicht wehrlos dem Schicksal ergeben. Gleich vier Bundesliga-Spieler gehören zur kroatischen Startformation, die den fünffachen Weltmeister zum Turnierauftakt überraschen wollen. Neben Kapitän Niko Kovac, der zur nächsten Saison von Berlin nach Salzburg wechselt, werden Ivan Klasnic von Werder Bremen, Herthas Josip Simunic auf der Linksverteidigerposition und Leverkusens Marko Babic versuchen, die Brasilianer an ihrer spielerischen Entfaltung zu hindern. Trainer Kranjcar hat eine "flexible Defensive" propagiert.

"Wir wollen versuchen, die Brasilianer so weit wie möglich von unserem Strafraum wegzuhalten, und dann unsere Konter setzen", sagt der Coach, der wie bei Außenseitern üblich auf die Überheblichkeit der Brasilianer hofft: "Wenn Brasilien glaubt, uns mit 60 Prozent Leistung schlagen zu können, haben wir eine Siegchance", so Kranjcar.

knu/sid



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