"Bravo"-Preise für Fußballer "Kevin Keegan sang für uns a cappella"

Profikicker mit Popstar-Status: 1972 wurde erstmals der "Bravo Otto" an einen Fußballer vergeben. "Bravo"-Redakteur Fritz Tillack erinnert sich im Fußball-Magazin 11FREUNDE an Hundeliebhaber Sepp Maier, schüchterne Fans und einen spontanen Kevin Keegan.
HSV-Profi Keegan: Gewinner des silbernen "Otto" 1979

HSV-Profi Keegan: Gewinner des silbernen "Otto" 1979

Foto: Getty Images

Frage: Herr Tillack, 1972 wurde der "Bravo Otto" erstmals an einen Fußballprofi überreicht. Was machte die Fußballer plötzlich so cool?

Tillack: 1972 wurde Deutschland Europameister, da lag es einfach nahek, auch für Fußballer einen "Otto" auszuloben. Schauen Sie sich doch nur mal Günter Netzer mit seinem wehenden Haar und dem Ferrari an. Oder auch Franz Beckenbauer. Die sahen doch in jungen Jahren aus wie Popstars.

Frage: Konnten die Spieler denn tatsächlich mit Uschi Glas oder Pierre Brice, den "Bravo"-Helden dieser Zeit, konkurrieren?

Tillack: Nein, das war eine ganz andere Kategorie. Wenngleich für Spieler wie Hansi Müller, Kevin Keegan oder Gerd Müller unzählige Liebesbriefe in der Redaktion einliefen.

Frage: Für das kleine dicke Müller?

Tillack: Es kam nicht immer aufs Aussehen an. Gerd Müller war auf dem Platz einfach so bombastisch, dass er eine Aura entwickelte, die auch für Mädchen anziehend war. Er war in den siebziger Jahren der Fußballer, der die meisten "Ottos" gewinnen konnte.

Frage: Freuten sich die Spieler über die Trophäen?

Tillack: Ich habe keinen kennengelernt, der genervt war, wenn wir mit schüchternen Mädchen, Fototeam und dem "Otto"-Pokal vor ihrer Tür standen. Wenn man sich vorstellt, man würde heute bei einem Bayern-Spieler klingeln und fragen, ob er den "Otto" annehmen will - die würden einen doch auslachen.

Frage: Sie waren bei den Spielern zu Hause?

Tillack: Nicht bei allen. Doch etwa bei Sepp Maier, der dreimal in Folge, von 1975 bis 1977, den goldenen "Otto" gewann. Als wir einmal dort ankamen, stürzten seine Hunde auf mich zu. Das waren riesengroße Tiere, fast so mächtig wie Doggen. Ich bin dann über seinen Tennisplatz getürmt und hörte aus der Ferne nur noch den lachenden Sepp: "Fritz, du Feigling, bleib hier! Die beißen nicht."

Frage: Hansi Müller war vermutlich der beliebteste Fußballer bei den "Bravo"-Lesern.

Tillack: Von 1977 bis 1981 gewann er fünf "Ottos" und 1976 belegte er bei der "Bravo Boy"-Wahl den sechsten Platz. Damals hatte er gerade seine erste Profisaison beim VfB Stuttgart hinter sich und wir waren ziemlich perplex, als seine Bewerbung eintrudelte. Dann bekamen wir heraus, dass sein Bruder ein Foto zur "Bravo" geschickt hatte.

Frage: Etliche Spieler nahmen in den Siebzigern auch Musikstücke auf. Wie kamen die bei den Lesern an?

Tillack: "Gute Freunde sind nie allein", sang Franz Beckenbauer. Ich glaube, wenn Franz nicht so ein charmanter Junge gewesen wäre, hätte er nach dieser Nummer sehr schnell alleine sein können. Aber es gab auch Spieler, die machten es ganz ordentlich.

Frage: Gerd Müller sang "Dann macht es bumm".

Tillack: Nun, das war gewiss auch kein Lied, mit dem man "Bravo"-Leser begeistern konnte. Kevin Keegans Song "Head over heels in love", den Chris Norman von Smokie für ihn geschrieben hatte, kam hingegen super an. Der schaffte es sogar in die "Bravo"-Charts. Und als wir Keegan 1979 den silbernen "Otto" überreichten, sang er in den Katakomben des Volksparkstadions live und a cappella für mich und eine Leserin.

Das Interview führte Andreas Bock
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