Breisgau-Blues Stillstand in Freiburg

Beim SC Freiburg war die Laune schon mal besser. Ein ehemaliger Spieler sorgt für Unruhe, die Fans protestieren gegen die Stadion-Umbenennung. Schon vor dem ersten Spiel der am Freitag beginnenden Bundesliga-Saison ist eines klar: Der erneute Klassenerhalt wäre ein großer Erfolg.

Von , Freiburg


SC-Urgestein Finke: "Soll der Trainer in den Verträgen nachlesen, wen er aufstellen darf?"
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SC-Urgestein Finke: "Soll der Trainer in den Verträgen nachlesen, wen er aufstellen darf?"

Im beschaulichen Südbaden verliefen die vorigen Wochen ziemlich turbulent. Die Verantwortlichen des SC Freiburg machen dafür vor allem einen ehemaligen Spieler verantwortlich. Maximilian Heidenreich betreibt ein Ausflugslokal, ist Trainer des Verbandsligisten Freiburger FC und fungiert als Berater des Jungprofis Jürgen Gjasula. Der 18-jährige Mittelfeldspieler galt als größtes Talent beim Sportclub, wechselte aber jüngst auf Anraten Heidenreichs zum Konkurrenten aus Kaiserslautern. Bei einem Verein wie dem SC Freiburg, der in den vergangenen Jahren über zehn Millionen in die Nachwuchsarbeit investiert hat, sorgt so ein Abgang natürlich für Erschütterungen.

Doch Heidenreich, der von 1992 bis 1997 insgesamt 160 Erst- und Zweitligaspiele für Freiburg absolvierte, fühlt sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. Immer ungeduldiger sei sein Schützling geworden, betont Heidenreich, der Gjasula für einen "zukünftigen Nationalspieler" hält. Wenigstens einen Kurzeinsatz hätte Freiburgs Trainer Volker Finke ihm doch gewähren können - als Geste, dass man in der Zukunft auf ihn baue. Um zu verhindern, dass Gjasula auch künftig auf der Tribüne versaure, habe er bei den Verhandlungen auf eine Klausel bestanden, wonach er am Saisonende wechseln könne, wenn er nicht mindestens zehn Bundesliga-Einsätze über eine Viertelstunde bekomme.

Streitfall Gjasula (vorne links): Jungspund auf Abwegen
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Streitfall Gjasula (vorne links): Jungspund auf Abwegen

Da Manager Andreas Bornemann diese Forderung "völlig inakzeptabel" fand ("Soll der Trainer in den Verträgen nachlesen, wen er aufstellen darf?"), waren die Verhandlungen schnell beendet. Gjasula ist nun weg und der Flurschaden am Fuße des Schwarzwaldes immens. In der vereinseigenen Fußballschule beobachten die Jugendlichen nun genau, wie sich ihr ehemaliger Mitspieler in der Ferne macht. Mancher dürfte empfänglicher geworden sein für die Argumente der Berater, die "ja gerne das ganz schnelle Geld versprechen", wie Bornemann befürchtet.

Der Club denke offenbar, ein Spieler müsse "dankbar sein, dass er das SC-Trikot tragen darf", entgegnet Heidenreich, der sich über die Berichterstattung vor Ort ärgert: "Unglaublich, welche Macht der Verein hier hat." Etliche Anrufe von Journalisten habe er bekommen, geschrieben worden sei aber nur das, was andere ihnen in die Blöcke diktiert hätten. "Kein Wunder, wenn dir einer sagt: Maxi, du hast Recht, aber ich kann das wirklich nicht schreiben", klagt Heidenreich.

Auch Finke ärgert sich über die Journalisten. Aus anderen Gründen. "Es ist für mich ganz furchtbar, wenn ich immer wieder erklären muss, warum wir keine Verstärkungen holen", sagt der dienstälteste Bundesligatrainer. Mancher habe offenbar in all den Jahren nicht begriffen, wie Fußball in Freiburg funktioniere, wundert sich der seit 1991 amtierende Coach. Man könne aber nur überleben, wenn man als Ausbildungsverein eine Nische besetze. Der Nachwuchs werde also auch künftig an die erste Mannschaft herangeführt, verspricht Finke, "auch wenn mancher Fan hören will, dass wir den Uefa-Cup anpeilen". Wenn Spieler langfristig gebunden werden können, wie man das nun mit dem torgefährlichen Roda Antar vorhabe, sei das bereits positiv zu bewerten, wirbt Finke um Verständnis.

Freiburger Dreisamstadion: Kapazitäten ausgeschöpft
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Freiburger Dreisamstadion: Kapazitäten ausgeschöpft

Einen Erfolg, so der 56-Jährige, habe man trotz aller Nörgelei auch vor dieser Saison schon feiern können: "Uns ist kein Leistungsträger verloren gegangen. Mehr geht leider nicht." Ob das allerdings ausreicht, um eine sorgenfreie Spielzeit zu erleben? Immerhin scheint dem Tabellen-13. der vergangenen Saison mit Youssef Mohamad ein Glücksgriff gelungen zu sein. Der 24 Jahre alte Libanese, dessen Landsmann Antar 2003 nach Freiburg gewechselt war, könnte neben Boubacar Diarra die Innenverteidigung bilden. Wie gut die Abwehr hält, wird sich schon im ersten Spiel der neuen Saison am Samstag gegen Rostock zeigen. Die Freiburger Defensive war 2003/2004 mit 67 Gegentreffern die schlechteste der Liga.

Während das Mittelfeld überdurchschnittlich stark besetzt ist und sich nicht nur der für seine 21 Jahre schon sehr starke Sascha Riether weiter steigern dürfte, bereitet der Sturm Sorgen. Zu Alexander Iashvili, der oft die Übersicht vermissen lässt und für die Defensive kaum etwas beizutragen vermag, wird es wohl auch in dieser Saison keine Alternative geben. Die katastrophale Auswärtsbilanz der vorigen Spielzeit - 5 Punkte bei 10:43 Toren, nur Absteiger Köln war schlechter - lässt sich allerdings nicht primär an der Leistung einzelner Mannschaftsteile festmachen. Es gab an schlechten Tagen zu viele im Freiburger Team, die jedes Risiko scheuten und sich hinter ihrer vermeintlich mannschaftstaktischen Aufgabe versteckten. Ob es nicht doch an selbstbewussten Individualisten mangele, fragt sich daher so mancher im Verein.

Hoffnungsträger Bajramovic (vorne): Klassenerhalt wäre ein Erfolg
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Hoffnungsträger Bajramovic (vorne): Klassenerhalt wäre ein Erfolg

Da der Club schuldenfrei ist und Jahr für Jahr bescheidene Überschüsse erwirtschaftet, wundern sich viele Fans zudem, warum nicht einmal punktuelle Verstärkungen finanzierbar sein sollen. "Wir bräuchten dafür eben nicht ein bis zwei, sondern sechs bis acht Millionen Euro", rechnet Finke vor. Schließlich müssten die Gehälter aller Leistungsträger angehoben werden, wenn man einen Topmann hole. Karlsruhe und Mönchengladbach sind Finke warnende Beispiele.

Diese Clubs mit ihren solitären Millionären Thomas Häßler und Stefan Effenberg hätten, so Finke, gezeigt, "dass man alles kaputtmacht, wenn man einen heraushebt". Zwar zahlt der neue Hauptsponsor des SC Freiburg insgesamt drei Millionen Euro pro Jahr und damit etwa 50 Prozent mehr als der Vorgänger, doch bei einer Auslastung des 25.000 Zuschauer fassenden Dreisamstadions von 94 Prozent seien nennenswerte Wachstumsraten bei den Einnahmen eben nicht zu erzielen. Und einen Neubau hält man beim SC unisono für utopisch.

Immerhin hat die Spielstätte seit dieser Saison einen neuen Namen. Ein lokales Energieunternehmen engagiert sich. Doch viele Fans sind sauer. Zu den rationaleren Argumenten gehört dabei der Einwand, man habe das Dreisamstadion für ein Linsengericht verkauft. Die Schätzungen über das, was der Namenssponsor pro Jahr beisteuert, liegen zwischen 500.000 und einer Million Euro. Dass sich Kommerzkritik in Freiburg, wo die Grölvorlage "Badnerlied" vor jedem Spiel durch die Boxen wabert, immer öfter mit stumpfem Chauvinismus paart, erschreckt die Verantwortlichen allerdings nicht das erste Mal. Die Umbenennung des Stadions wird auffallend oft in einem Atemzug mit der angeblich zu hohen Anzahl ausländischer Spieler verdammt.



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