Paderborns 0:6-Pleite gegen Bayern "Vielen Dank für das tolle Erlebnis"

Ein halbes Dutzend Gegentore - aber das größte Spiel der Vereinsgeschichte: Paderborn war gegen Bayern chancenlos, befindet sich mehr denn je in Abstiegsnot. Und was sagt der Trainer? Er bedankt sich.
Paderborn-Trainer Breitenreiter: "Haben gegen die weltbeste Mannschaft gespielt"

Paderborn-Trainer Breitenreiter: "Haben gegen die weltbeste Mannschaft gespielt"

Foto: PATRIK STOLLARZ/ AFP

Hamburg - Sein Team hatte vor wenigen Minuten gegen den FC Bayern deutlich die Grenzen aufgezeigt bekommen. 0:6 (0:2) hieß es für den SC Paderborn am Ende des Debakels gegen den Rekordmeister. Für den Aufsteiger ist es die höchste Bundesliganiederlage. Ein halbes Dutzend Gegentore - und dennoch war Paderborns Trainer André Breitenreiter nach dem Spiel ganz und gar nicht geknickt.

"Vielen Dank für das tolle Erlebnis", sagte der Coach auf der anschließenden Pressekonferenz über die Lehrstunde und wurde dabei sogar selbst ein bisschen zum Fan. "Wir haben gegen die weltbeste Mannschaft gespielt mit dem weltbesten Trainer", sagte Breitenreiter bewundernd mit Blick auf seinen lächelnden Kollegen Josep Guardiola.

Lewandowski macht in Halbzeit eins den Unterschied

Acht Tore gegen den Hamburger SV, nur zwei weniger gegen den Aufsteiger aus Ostwestfalen: 14 Treffer erzielten die Bayern in den vergangenen beiden Ligaspielen und beendeten dabei ganz nebenbei auch alle Diskussionen um Top-Zugang Robert Lewandowski, der Münchens kleine Blockade mit den ersten beiden Treffern vor der Halbzeit (24. Minute und 37.) löste und erstmals in zwei Ligaspielen nacheinander für seinen neuen Verein traf.

Lewandowski machte in dieser Phase des Spiels den Unterschied. Denn nach Torschüssen stand es zur Halbzeit 2:2, lediglich dank des Angreifers lagen die Bayern in Führung. Paderborn spielte phasenweise sogar mit - machte dem Favoriten das Leben schwer, zumindest ein wenig.

Dabei war unter der Woche vor und nach dem 0:0 in der Champions League bei Schachtjor Donezk noch die Frage nach der Kompatibilität des Stürmers gestellt worden. "Ich habe kein Problem, ich will natürlich jedes Spiel spielen. Wenn ich ein Tor schieße und wir gewinnen: Besser kann es nicht sein", sagte Lewandowski nach dem Spiel.

Demonstrativ gab es für den Ex-Dortmunder auch ein Lob von Sportvorstand Matthias Sammer: "Seine Bewegungsabläufe sind sehr wichtig, unabhängig davon, ob er dann die Chancen nutzt", sagte Sammer und unterstrich Lewandowskis Einstellung: "Er hat sich die Tore extrem verdient, so wie er im Training gearbeitet hat." Guardiola sah den entscheidenden Faktor darin, dass "wir ihn besser eingebunden haben".

Paderborn bricht nach Roter Karte auseinander

Bis zum ersten Treffer allerdings wurden die Bayern 24 Minuten lang von tapferen Paderbornern ordentlich geärgert - und ließen sich das durchaus anmerken: Da meckerte der spätere zweifache Torschütze Arjen Robben (63./ Foulelfmeter, 86.), der einmal mehr ein überragendes Spiel ablieferte, mit Rafinha, da diskutierten David Alaba und Xabi Alonso im Mittelfeld mit Ball am Fuß die taktische Vorgabe aus, und da ließ auch Lewandowski bereits beim zweiten nicht angekommenen Pass kurz die Schultern hängen.

Doch spätestens nach dem Platzverweis gegen Paderborns Florian Hartherz wegen einer Notbremse (62.) war das kein Thema mehr. Die weiteren Torschützen waren Franck Ribéry (72.) und der eingewechselte Mitchell Weiser (78.), der das erste Bundesligator seiner Karriere erzielte. Die Gastgeber in der zweiten Hälfte: absolut ohne Chance.

Dennoch war die Klatsche im größten Spiel der Vereinsgeschichte bei den mehr denn je abstiegsbedrohten Gastgebern kein Thema. "Wir brauchen nicht von einem Rückschlag zu sprechen, wenn man gegen Bayern verliert. 0:6, ok, aber ohne die Rote Karte wäre es nicht so hoch ausgefallen", sagte Manager Michael Born: "Dieses Spiel muss man isoliert sehen."

Und vielleicht hat Guardiolas Fan Breitenreiter ja noch wichtige Erkenntnisse sammeln können. Denn spätestens nach einem Blick auf die Tabelle sollte ihm die Freude an diesem "tollen Erlebnis" vergangen sein.

SC Paderborn - FC Bayern München 0:6 (0:2)
0:1 Lewandowski (24.)
0:2 Lewandowski (37.)
0:3 Robben (63., Foulelfmeter)
0:4 Ribéry (72.)
0:5 Weiser (78.)
0:6 Robben (86.)
Paderborn: Lukas Kruse - Heinloth, Lopez (75. Vrancic), Ziegler, Hünemeier, Hartherz - Bakalorz (71. Pepic), Rupp - Koc, Meha - Kachunga (59. Lakic). - Trainer: Breitenreiter
München: Neuer - Rafinha (76. Weiser), Jerome Boateng, Badstuber, Bernat (78. Dante) - Alonso (73. Rode), Alaba - Robben, Thomas Müller, Ribery - Lewandowski. - Trainer: Guardiola
Schiedsrichter: Bastian Dankert (Rostock)
Zuschauer: 15.000 (ausverkauft)
Rote Karte: Hartherz nach einer Notbremse (62.)
Gelbe Karten: keine

asi/sid
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