Paderborns 0:6-Pleite gegen Bayern "Vielen Dank für das tolle Erlebnis"

Ein halbes Dutzend Gegentore - aber das größte Spiel der Vereinsgeschichte: Paderborn war gegen Bayern chancenlos, befindet sich mehr denn je in Abstiegsnot. Und was sagt der Trainer? Er bedankt sich.

Paderborn-Trainer Breitenreiter: "Haben gegen die weltbeste Mannschaft gespielt"
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Paderborn-Trainer Breitenreiter: "Haben gegen die weltbeste Mannschaft gespielt"


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Hamburg - Sein Team hatte vor wenigen Minuten gegen den FC Bayern deutlich die Grenzen aufgezeigt bekommen. 0:6 (0:2) hieß es für den SC Paderborn am Ende des Debakels gegen den Rekordmeister. Für den Aufsteiger ist es die höchste Bundesliganiederlage. Ein halbes Dutzend Gegentore - und dennoch war Paderborns Trainer André Breitenreiter nach dem Spiel ganz und gar nicht geknickt.

"Vielen Dank für das tolle Erlebnis", sagte der Coach auf der anschließenden Pressekonferenz über die Lehrstunde und wurde dabei sogar selbst ein bisschen zum Fan. "Wir haben gegen die weltbeste Mannschaft gespielt mit dem weltbesten Trainer", sagte Breitenreiter bewundernd mit Blick auf seinen lächelnden Kollegen Josep Guardiola.

Lewandowski macht in Halbzeit eins den Unterschied

Acht Tore gegen den Hamburger SV, nur zwei weniger gegen den Aufsteiger aus Ostwestfalen: 14 Treffer erzielten die Bayern in den vergangenen beiden Ligaspielen und beendeten dabei ganz nebenbei auch alle Diskussionen um Top-Zugang Robert Lewandowski, der Münchens kleine Blockade mit den ersten beiden Treffern vor der Halbzeit (24. Minute und 37.) löste und erstmals in zwei Ligaspielen nacheinander für seinen neuen Verein traf.

Lewandowski machte in dieser Phase des Spiels den Unterschied. Denn nach Torschüssen stand es zur Halbzeit 2:2, lediglich dank des Angreifers lagen die Bayern in Führung. Paderborn spielte phasenweise sogar mit - machte dem Favoriten das Leben schwer, zumindest ein wenig.

Dabei war unter der Woche vor und nach dem 0:0 in der Champions League bei Schachtjor Donezk noch die Frage nach der Kompatibilität des Stürmers gestellt worden. "Ich habe kein Problem, ich will natürlich jedes Spiel spielen. Wenn ich ein Tor schieße und wir gewinnen: Besser kann es nicht sein", sagte Lewandowski nach dem Spiel.

Demonstrativ gab es für den Ex-Dortmunder auch ein Lob von Sportvorstand Matthias Sammer: "Seine Bewegungsabläufe sind sehr wichtig, unabhängig davon, ob er dann die Chancen nutzt", sagte Sammer und unterstrich Lewandowskis Einstellung: "Er hat sich die Tore extrem verdient, so wie er im Training gearbeitet hat." Guardiola sah den entscheidenden Faktor darin, dass "wir ihn besser eingebunden haben".

Paderborn bricht nach Roter Karte auseinander

Bis zum ersten Treffer allerdings wurden die Bayern 24 Minuten lang von tapferen Paderbornern ordentlich geärgert - und ließen sich das durchaus anmerken: Da meckerte der spätere zweifache Torschütze Arjen Robben (63./ Foulelfmeter, 86.), der einmal mehr ein überragendes Spiel ablieferte, mit Rafinha, da diskutierten David Alaba und Xabi Alonso im Mittelfeld mit Ball am Fuß die taktische Vorgabe aus, und da ließ auch Lewandowski bereits beim zweiten nicht angekommenen Pass kurz die Schultern hängen.

Doch spätestens nach dem Platzverweis gegen Paderborns Florian Hartherz wegen einer Notbremse (62.) war das kein Thema mehr. Die weiteren Torschützen waren Franck Ribéry (72.) und der eingewechselte Mitchell Weiser (78.), der das erste Bundesligator seiner Karriere erzielte. Die Gastgeber in der zweiten Hälfte: absolut ohne Chance.

Dennoch war die Klatsche im größten Spiel der Vereinsgeschichte bei den mehr denn je abstiegsbedrohten Gastgebern kein Thema. "Wir brauchen nicht von einem Rückschlag zu sprechen, wenn man gegen Bayern verliert. 0:6, ok, aber ohne die Rote Karte wäre es nicht so hoch ausgefallen", sagte Manager Michael Born: "Dieses Spiel muss man isoliert sehen."

Und vielleicht hat Guardiolas Fan Breitenreiter ja noch wichtige Erkenntnisse sammeln können. Denn spätestens nach einem Blick auf die Tabelle sollte ihm die Freude an diesem "tollen Erlebnis" vergangen sein.

SC Paderborn - FC Bayern München 0:6 (0:2)
0:1 Lewandowski (24.)
0:2 Lewandowski (37.)
0:3 Robben (63., Foulelfmeter)
0:4 Ribéry (72.)
0:5 Weiser (78.)
0:6 Robben (86.)
Paderborn: Lukas Kruse - Heinloth, Lopez (75. Vrancic), Ziegler, Hünemeier, Hartherz - Bakalorz (71. Pepic), Rupp - Koc, Meha - Kachunga (59. Lakic). - Trainer: Breitenreiter
München: Neuer - Rafinha (76. Weiser), Jerome Boateng, Badstuber, Bernat (78. Dante) - Alonso (73. Rode), Alaba - Robben, Thomas Müller, Ribery - Lewandowski. - Trainer: Guardiola
Schiedsrichter: Bastian Dankert (Rostock)
Zuschauer: 15.000 (ausverkauft)
Rote Karte: Hartherz nach einer Notbremse (62.)
Gelbe Karten: keine

asi/sid



insgesamt 78 Beiträge
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Seite 1
Gerdabduldieda 21.02.2015
1. Da freut man sich an der Waterkant!
Und das zu recht. Das Ergebnis ging auch der Höhe nach letztlich in Ordnung und ist für den zuletzt gebeutelten HSV mehr als nur Tabellenkosmetik. Der HSV wird es schaffen, die Rumpeltruppe von nebenan wird hingegen wohl weiter nur durch Pyro-Fans von sich reden machen. Gut, wenn das bald ausgestanden sein wird, dann macht Fußball wieder spaß!
valtrantor 21.02.2015
2. Paderborner Ansprüche
Ich kann den Schluss-Satz nicht nachvollziehen. Natürlich ist die Tabellensituation von Paderborn nicht rosig. Hallo? Vor dem ersten Spieltag galten die als absolut GESETZTER Absteiger. Die sind nicht im grünen Bereich, aber die wissen einfach auch, dass bei ihnen alles top laufen muss, dass sie nicht wieder absteigen. Ansonsten bleiben die schön ruhig, wissen, dass sie in dem einen Jahr BL ein deutliches Plus Kohle mitnehmen (gegenüber der zweiten Liga) und eine Erfahrung, und eine Geschichte, die ihnen keiner mehr nehmen kann. Klar wäre der Klassenerhalt toll für den SCP. Aber er ist kein Muss. Lieber bleiben die sich treu (ähnlich SCF - die haben mal formuliert, dass sie den SCF dauerhaft in der Top 25 in Deutschland etablieren wollen). Die haben ein realistisches Ziel für einen kleinen Verein ohne viel Geld im Hintergrund. Wenn man so arbeitet, und ein bisschen Glück hat, dann etabliert man sich in dieser Top 25. Mehr ist einfach nicht drin, und selbst das wird zunehmend härter mit den ganzen Retortenclubs, die da nachkommen.
cyberkarl 21.02.2015
3. @Gerda....
Was für ein unsinniger Kommentar
gurkensalat32 21.02.2015
4.
Also ich würde Dreiviertel der Liga raten generell gegen die Bayern nur die zweite Garnitur auf den Platz zuschicken. Hat die erste Mannschaft eben ein Päuschen, kriegt die Bude nicht voll und das viertel, das mein konkurrenzfähig zu sein kanns ja versuchen ab und zu. Dann würde mittelfristig zu den Dreivierteln der langweiligen Bayern-Auswärtsspiele zwar keine Zuschauer mehr kommen aber so schlecht wäre das dann auch nicht, würde die BL sich doch dann mal Gedanken machen müssen, ob das sich hier alles in eine sinnvolle Richtung entwickelt hat.
bcpt8 21.02.2015
5.
[...] Lewandowski machte in dieser Phase des Spiels den Unterschied. Denn nach Torschüssen stand es zur Halbzeit 2:2, lediglich dank des Angreifers lagen die Bayern in Führung. Paderborn spielte phasenweise sogar mit - machte dem Favoriten das Leben schwer, zumindest ein wenig.[/quote] [...] Naja, (nicht nur) an den ersten beiden Toren waren sicherlich noch andere FCB-Spieler maßgeblich beteiligt, die Lewandowski den Ball jeweils mustergültig auflegten (das erste Tor hätte genausogut der freigelaufene und ebenso einschußbereite Müller erzielen können.) Dennoch verdienter und nicht ganz unwichtiger Balsam für Lewandowskis zuletzt etwas angegriffenes Selbstverständnis als Torjäger.
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