Bremen-Aus in Champions League Werders Aufholjagd reicht nicht

Verdientes Ausscheiden: Werder Bremen kam bei Anorthosis Famagusta nicht über ein Remis hinaus. Nur ein Punkt gegen einen starken Gegner aus Zypern bedeutet das Ende der Champions- League-Träume. Selbst die Teilnahme am Uefa-Cup ist nun gefährdet.


Hamburg - Werder Bremen wird sich nach der Gruppenphase aus dem laufenden Champions-League-Wettbewerb verabschieden müssen. Trotz des 2:2-Unentschiedens bei Anorthosis Famagusta kann der Bundesligist im abschließenden Spiel gegen Inter Mailand in zwei Wochen nicht mehr auf den zweiten Platz vorrücken, da die Italiener überraschend gegen Panathinaikos Athen 0:1 verloren.

Das Remis der Bremer war allerdings verdient, denn die Gastgeber zeigten über weite Strecken eine starke Partie. Werder hatte hingegen mehr Ballbesitz, erspielte sich aber zu wenige Torchancen und blieb im Abschluss ohne Fortune. Erst in der letzten Viertelstunde wurde das Team für seine Bemühungen teilweise belohnt, als es den Rückstand von zwei Toren noch aufholen konnte und Hugo Almeida sogar noch die Chance zum Siegtreffer gehabt hatte. "Man kann das natürlich auf diese Szene reduzieren, aber wir hätten uns vorher besser einstellen müssen", sagte Werder-Trainer Thomas Schaaf: "Wir sind leider zu spät aufgewacht, das muss man ganz klar sagen. Das Ziel, das wir uns gesetzt haben, haben wir nicht erreicht."

Dabei begannen die ohne den verletzten Stammtorwart Tim Wiese angetretenen Werderaner zunächst engagiert. In der 15. Minute hatte Torsten Frings die erste Chance, als er mit einem Distanzschuss an Famagusta-Schlussmann Zoltan Nagy scheiterte. Dabei blieb es zunächst, denn Werder trug seine Angriffe zu langatmig vor. Ganz anders die Heimmannschaft, die weit weniger Ballbesitz hatte, aber immer wieder schnelle Konter vortrug. In der 24. Minute forderten die Zyprer einen Elfmeter, als Hugo Almeida der Ball nach einer Ecke an die Hand sprang - doch Schiedsrichter Mejuto Gonzalez ließ weiterspielen.

In der 29. Minute wäre Werder dann beinahe in Führung gegangen. Doch bei Almeidas Distanzschuss aus fast dreißig Metern rettete die Latte für den bereits geschlagenen Nagy. Den Bremern war auch in der Folgezeit anzumerken, dass sie ihre letzte Chance nutzen wollten, sich in der Gruppe B doch noch durchzusetzen. Bis zum Anpfiff in Nikosia hatte Werder nur drei Punkte aus vier Spielen gesammelt - viel zu wenig.

Wiese-Stellvertreter Christian Vander hinterließ in der 40. Minute einen schwachen Eindruck, als er an einem von Savio getretenen Freistoß, der lange in der Luft war, vorbeifaustete. Bremen konnte von Glück reden, dass der Kopfball von Nicos Katsavakis am Tor vorbeisegelte. Famagustas georgischer Trainer Timur Ketsbaia, der sein engagiertes Team immer wieder laustark dirigierte, konnte hochzufrieden in die Halbzeit gehen - der Pausenstand von 0:0 ließ seinem Team alle Optionen für den zweiten Durchgang.

Ärgerlicher Höhepunkt einer aus Bremer Sicht deprimierenden ersten Hälfte: Regisseur Diego, der in seinem dritten Jahr bei Werder allmählich wieder in Fahrt kommt, leistete sich in der 18. Minute ein völlig unnötiges Foul: Nach der dritten Gelben Karte im laufenden Wettbewerb wird er Werder im Spiel gegen Inter Mailand am 9. Dezember fehlen.

Nach dem Wiederanpfiff trat Werder entschlossener auf, die bessere Spielanlage hatte jedoch nach wie vor der Gastgeber: Nach einer Frings-Flanke segelte Claudio Pizarro nur knapp am Ball vorbei (53.), doch danach passierte lange nicht mehr viel vor dem Tor der Gastgeber. Dann kam die 62. Spielminute: Savio zog eine Ecke weit ans andere Ende des Fünfmeterraums, wo Nikos Nikolau ohne jede Gegenwehr per Dropkick einschießen konnte. Kurz darauf hätte Hawar Teher fast auf 2:0 erhöht, doch Mertesacker rettete in höchster Not (64.).

Famagusta ließ sich dadurch nicht irritieren und zelebrierte nun Konterfußball bester Prägung. Der wurde erneut belohnt, als Savio eine sehenswerte Ballstafette mit der 2:0-Führung abschloss (68.). In der 72. Minute dann das lange erhoffte Lebenszeichen von Werder: Diego verwandelte einen Elfmeter, den der gute Schiedsrichter Gonzalez nach einem Foul an Aaron Hunt gegeben hatte. Werder ging nun zielstrebiger vor, doch allein Pizarro vergab kurz hintereinander zwei gute Gelegenheiten (75.). Die Zyprer verlegten sich nun ausschließlich auf Befreiungsschläge, doch Werder war nicht in der Lage, die Feldüberlegenheit zu nutzen - bis zur 87. Minute. Da vollendete Almeida die gelungenste Bremer Kombination des ganzen Spiels zum 2:2-Ausgleich. Kurz darauf wurde der Stürmer zur tragischen Figur, als er freistehend vor Nagy den möglichen Siegtreffer auf dem Fuß hatte. Doch der ungarische Keeper hielt den einen Punkt für Famagusta fest. Ein erneuter Achtungserfolg für das mit einem Mini-Etat von angeblich nur fünf Millionen Euro ausgestattete Team aus Zypern, das bereits beim 0:0 im Hinspiel und dem 3:3 gegen Inter Mailand (Saisonetat 250 Millionen Euro) auf sich aufmerksam gemacht hatte.

ruf

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