Bremen im Uefa-Cup-Halbfinale Erst katastrophal, dann phänomenal

Diego sei Dank: Der Brasilianer hat Werder Bremen ins Halbfinale des Uefa Cups geführt und erneut gezeigt, dass er für seinen Club unersetzlich ist. Ein Abschied des Spielmachers ist trotzdem wahrscheinlich.

Aus Udine berichtet Oliver Birkner


Das Spiel war längst beendet, der Einzug ins Uefa-Pokal-Halbfinale gefeiert, da hatte Bremens Linksverteidiger Petri Pasanen eine brillante Idee: "Am besten organisieren wir einen Nordderby-Tag", schlug er vor. Alle vier jetzt anstehenden Spiele gegen den Hamburger SV an einem einzigen Tag - "und die Eintrittskarte kostet 150 Euro".

Tatsächlich treffen die Werder-Kicker nun vom 21. April bis 10. Mai gleich vier Mal auf den HSV - in Bundesliga, DFB- und Uefa-Pokal. "Da müssen wir aufpassen, dass wir noch wissen, um welchen Wettbewerb es eigentlich geht", witzelte Trainer Thomas Schaaf.

Möglich wird dieser Hanseaten-Kickmarathon durch die fulminanten Spiele am Donnerstag: das 3:3 (1:3) der Bremer gegen Udinese Calcio und die 1:2-Niederlage des HSV gegen Manchester City (1:1).

Werder-Manager Klaus Allofs sprach von einem "enormen Erfolg für den deutschen Fußball". Es sei "phantastisch", dass ein Team aus der Bundesliga nun sicher im Uefa-Endspiel steht - auch wenn er im Halbfinale noch lieber einen internationalen Gegner gesehen hätte. "Der Uefa-Pokal ist alles andere als ein Verlierercup. Demnächst gibt es im Gegensatz zu uns eine Menge Spieler, die dienstags, mittwochs und donnerstags vor dem Fernseher sitzen."

Dieses Schicksal hätte freilich auch die Bremer treffen können. Nach einer katastrophalen Leistung in der ersten Halbzeit hatte das temporeich spielende Udinese durch Gökhan Inler (15.) und zweimal Fabio Quagliarella (30./38.) bei einem Gegentreffer von Diego (28.) den Rückstand aus dem Hinspiel ausgeglichen. "Da lief eine Menge schief, wir haben es den Italienern zu einfach gemacht", sagte Per Mertesacker später. "In der Pause sind dann eindeutig deutliche Worte gefallen" - die offensichtlich fruchteten.

Der überragende Diego machte per Kopf das 2:3 (60.), verschoss dann zwar einen Foulelfmeter (Domizzi an Diego, 72.), doch dann nutzte Claudio Pizarro die folgende Ecke zum 3:3 (73.) - das sechste Remis der Bremer bei der sechsten Europapokalreise der laufenden Saison.

Die starken Italiener trafen noch zweimal den Pfosten, mussten aber letztlich vor der Bremer Cleverness und Diego kapitulieren. "Gegen solche Ausnahmespieler nutzt manchmal eben auch die beste eigene Leistung nichts", kommentierte der enttäuschte Udinese-Trainer Pasquale Marino.

Dabei war Diegos Einsatz wegen muskulärer Probleme lange gefährdet. "Man sieht, wie entscheidend er für uns ist - und jetzt trifft er auch noch per Kopf", schwärmte Allofs. Diego, ganz bescheiden, sagte: "Das war aus ein paar Metern ja nicht so schwer. Beim letzten Kopfballtor habe ich aber noch für Santos gespielt."

Vor dem drohenden Abschied im Sommer soll er nun zumindest noch an zwei Bremer Trophäen mitbasteln. Am Mittwoch steht das Halbfinale im DFB-Pokal gegen den HSV an, am 30. April und 7. Mai treffen sich die Clubs erneut im Uefa-Pokal und am 10. Mai könnte Werder die Hamburger dann im Kampf um die Meisterschaft ärgern.

"Ich hoffe, dass alles friedlich abläuft, denn es werden Spiele sein, die mit vielen Emotionen verbunden sind", sagte Trainer Schaaf. "Gegen den HSV ist es immer etwas Besonderes und immer mit Dramatik verbunden", ergänzte Allofs. "Vor allem in den nächsten vier Duellen, wo große Ziele zu erreichen sind." In welchem Wettbewerb der Manager dabei die besten Chancen sieht? "Die schlechtesten sicher in der Meisterschaft."

Einige im Bremer Lager wären bereit, dem HSV zumindest einen Titel zu gönnen. "Hamburg wird Meister und wir holen DFB- und Uefa-Pokal? Sehr gerne", sagte Clemens Fritz. Allofs musste bei diesem Vorschlag zunächst schlucken, dann sagte er: "Na ja, zur Not."

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