Bremens Arnautovic Der Problem-Profi

Der Kabinen-Krach von Marko Arnautovic mit Mitspieler Stefan Maierhofer beim Länderspiel in der Türkei war nur eine weitere von vielen Verfehlungen. Der 21-Jährige wird für Werder Bremen im Abstiegskampf zur Belastung. Doch der Club ist noch auf ihn angewiesen.
Von Gereon Detmer
Bremer Arnautovic: "Toller Typ mit der Mentalität eines Kindes"

Bremer Arnautovic: "Toller Typ mit der Mentalität eines Kindes"

Foto: Getty Images

Hamburg - Wenn die sportliche Not besonders groß ist, braucht ein Trainer Profis auf die er sich verlassen kann. Spieler, denen der Ernst der Lage bewusst ist, und die sich dementsprechend verhalten. Auf keinen Fall braucht ein Trainer Stress mit einem Spieler wie Marko Arnautovic.

Der Profi von Werder Bremen leistete sich beim EM-Qualifikationsspiel von Österreich in der Türkei (0:2) wieder einmal eine Verhaltensauffälligkeit. Nach dem Spiel soll Arnautovic in der Kabine mit seinem Mannschaftskollegen Stefan Maierhofer aneinandergeraten sein. Anlass war ein von Maierhofer in der Schlussphase verschossener Elfmeter. Der Bremer soll seinen Kollegen dabei in seiner serbischen Muttersprache übelst beschimpft haben. Eine handfeste Rauferei konnte angeblich nur dank des Eingreifens der Teamkollegen Emanuel Pogatetz und Jürgen Macho verhindert werden.

Ob das stimmt oder nicht, wird wohl das Geheimnis der Beteiligten bleiben. "Das bleibt in der Kabine", sagte der an der Schlichtung beteiligte Hannover-Profi Pogatetz zu SPIEGEL ONLINE. Österreichs Verbandspräsident Leo Windtner versuchte, den Vorfall in einer offiziellen Erklärung herunterzuspielen ("Die ganze Sache ist aufgebauscht"). Die "Bild"Zeitung zitiert ihn jedoch mit anderen Worten: "Man wird über das, was passiert ist, reden müssen. Arnautovic ist aus meiner Sicht sehr verhaltensauffällig. Ich weiß nicht, wie lange das noch geht."

Wie auch immer die Konsequenzen für Arnautovic aussehen - die Zeitung "Österreich" berichtet von einem bevorstehenden Rauswurf aus der Nationalmannschaft - es bleibt ein mehr als fader Beigeschmack. Mit seinem Verhalten gefährdet Arnautovic nicht nur den Erfolg der Österreicher, sondern auch die in Bremen so dringend benötigte Ruhe und Konzentration im Abstiegskampf.

Dabei gilt der 21-Jährige als großartiger Fußballer, der sich mit seinem Hang zu Disziplinlosigkeiten und überbordender Selbstgefälligkeit aber regelmäßig selbst im Weg steht. Arnautovics Jugendtrainer bei Rapid und Austria Wien beschreiben ihn laut Internetportal Laola1.at als "unbequemen Freigeist ohne Mannschaftssinn" und "verhaltensauffällig". Ein toller Typ mit der "Mentalität eines Kindes", urteilte sein früherer Trainer bei Inter Mailand, José Mourinho. Österreichs Nationaltrainer Dietmar Constantini gab zu, sich mit Arnautovic "schwer zu tun".

Selbstbewusstsein auf dem Schuh

Werder investierte im Sommer 2010 dennoch 6,5 Millionen Euro Ablösesumme für Arnautovic. In Bremen angekommen, demonstrierte der, warum diese Summe seiner Meinung nach auch berechtigt war. Auf seinen Fußballschuhen ließ sich Arnautovic "Champions-League-Sieger 2010" eingravieren, obwohl er beim Triumph der Mailänder nicht eine Minute zum Einsatz kam.

Schnell wurde deutlich, warum er als schwieriger Fall gilt. Im Trainingslager der Bremer verärgerte der Österreicher Trainer Thomas Schaaf mit konditionellem Rückstand und mangelhaftem Einsatz. Auch im zwischenmenschlichen Bereich machte sich Arnautovic, der bei einem Treffen der U21 mit einem Bentley vorfuhr, keine Freunde. Er hat eine eigenwillige Art, die speziell in Bremen nicht gut ankommt. "Er muss ein Zwischending finden, dass nicht so arrogant wirkt", sagte Kapitän Torsten Frings.

Den vorläufigen Höhepunkt lieferte Arnautovic im vergangenen Winter. Nach der 0:6-Niederlage beim VfB Stuttgart waren die Bremer Profis schon auf dem Weg zum Trainingsplatz, als sie unvermittelt zu einer Krisensitzung zurückgerufen wurden. "Ein Saftladen" sei das hier, entfuhr es ihm vor laufenden Kameras.

Nach Arnautovics jüngstem Ausfall beim Länderspiel wird der Unmut in Bremen nicht kleiner werden. Der Club hat derzeit andere Sorgen, als sich um die Kapriolen von Arnautovic zu kümmern. Zwar wurde in den letzten Wochen die sportliche Krise in der Bundesliga vorerst gestoppt, zum Relegationsplatz beträgt der Abstand trotzdem nur vier Punkte.

Und so halten sie in Bremen die schützende Hand über den Stürmer: "Was geschrieben wird, ist völliger Blödsinn", sagte Trainer Thomas Schaaf der "Bild"-Zeitung.

Dass Schaaf Arnautovic verteidigt, hat einen guten Grund. In der schwierigen sportlichen Phase ist der Trainer auf den Österreicher angewiesen. Bremens erfolgreichster Stürmer Claudio Pizarro plagt sich wieder einmal mit einer Verletzung herum, die ihn zum Zuschauen zwingt. Sandro Wagner traf zwar in den letzten drei Partien viermal, kann die Verantwortung im Angriff aber nicht alleine schultern. Und so könnte Arnautovic am Samstag gegen den VfB Stuttgart (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) nach drei Partien als Einwechselspieler erstmals wieder in der Startelf stehen, sollte Werder mit zwei Stürmern spielen.

Eine dauerhafte Zukunft in Bremen wird für Arnautovic - dessen sportliche Bilanz mit nur zwei Toren in 21 Spielen ebenfalls zu wünschen übrig lässt - aber mit jedem Aussetzer geringer. Irgendwann ist auch die arg strapazierbare Geduld der Werder-Führung erschöpft. Der Brasilianer Carlos Alberto, ein ähnlich gelagerter Fall, wurde nach einem halben Jahr zurück nach Brasilien geschickt.

"Marko muss lernen sich einzufügen. Da hat er Nachholbedarf", sagte Allofs. Das war im vergangenen Sommer. Geändert hat sich seitdem nichts.

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