Bremer Kopfnuss-Affäre Ernst weiter sauer auf Micoud

Der deutsche Meister Werder Bremen kommt nicht zur Ruhe. Nach der tätlichen Auseinandersetzung mit Nationalspieler Fabian Ernst hat der französische Spielmacher Johan Micoud entgegen der Absprache mit der Vereinsführung seine Version des Vorfalls öffentlich gemacht. Danach hat Ernst die Schuld.


Rivalen im gleichen Anzug: Micoud (l.) und Ernst
DDP

Rivalen im gleichen Anzug: Micoud (l.) und Ernst

Bremen - Micoud hatte Ernst am vergangenen Donnerstag im Trainingslager im türkischen Belek nach einem Streit durch einen Kopfstoß eine Wunde über dem rechten Auge zugefügt, die mit acht Stichen genäht werden musste. Nachdem der ehemalige französische Nationalspieler den Vorfall zunächst bereut und sich entschuldigt hatte, warf er Ernst im heutigen Interview mit der französischen Sportzeitung "L'Equipe" vor, er habe ihn provoziert und zudem einen Faustschlag verpasst.

"Das ganze Training war angespannt gewesen. Die Spieler hörten nicht auf, die Schiedsrichter-Entscheidungen und die Spielregeln anzufechten. Am Ende hat Ernst angefangen, Dinge zu sagen, die mir nicht gefallen haben. Ich habe mich aufgeregt. Ich habe ihm Wasser zugeworfen. Er ist zu mir zurückgekommen. Es war warm. Ich habe rot gesehen. Ich habe ihm eine Kopfnuss gegeben. Er hat geantwortet, indem er mir einen Faustschlag verpasste. Den habe ich ihm zurückgegeben", so Micoud.

Werders Clubführung hatte die Angelegenheit nach der Verhängung einer Geldstrafe für Ernst und Micoud sowie einer ersten Aussprache zwischen beiden als erledigt betrachtet. "Es war klar, dass das noch einmal Wellen schlagen wird. Aber es wird in den nächsten Tagen auslaufen", sagte Klaus Allofs. Nach weiteren Treffen mit Micoud und Ernst "gehe ich davon aus, dass die Sache bereinigt ist". Der Sportdirektor dementierte zugleich, dass Ernst vorzeitig zu Schalke 04 wechseln wolle, wo der Nationalspieler von der kommenden Saison an spielen wird.

"Ich war lange ruhig, zu Gunsten der sportlichen Situation", wird Ernst in der "Sport-Bild" zitiert. "Jetzt werde ich mit Werder reden. Dann sehen wir weiter." Es sei "frustrierend", dass der Franzose die Schuld für den Vorfall bei ihm sehe, "weil gerade Johan wissen müsste, wie die Wahrheit wirklich ist". Die Aussagen hat Ernst allerdings bereits am Sonntag gemacht.



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