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21. Dezember 2013, 21:28 Uhr

Werder-Sieg gegen Leverkusen

Erlösung für Grün-Weiß

Von , Bremen

Robin Dutt war die Erleichterung anzusehen. Dem Bremer Trainer glückte ausgerechnet gegen seinen Ex-Verein Bayer Leverkusen der Befreiungsschlag. Das Erfolgsrezept: eine aufopferungsvolle Defensivarbeit.

Robin Dutt gab sich beim Schlusspfiff nicht wirklich Mühe, seine Freude zurückzuhalten. Wie ein Rumpelstilzchen hüpfte der Bremer Coach an der Seitenlinie auf ab, dann nahm er seine Assistenten Damir Buric und Marco Langner in den Arm, um im Trainerteam einen Veitstanz aufzuführen. Und als die Werder-Spieler sich allmählich die roten Weihnachtsmäntel umhängten und grüne Mützen aufsetzen, um noch Präsente ans jubelnde Publikum zu verteilen, da strahlte der Coach immer noch. "Ja, das war einer der emotionalsten Momente in diesem Halbjahr", räumte Dutt hinterher ein.

Sichtlich bewegt, ja fast gerührt hatte der 48-Jährige sein Statement nach dem 1:0-Kraftakt gegen Bayer Leverkusen abgegeben. "Wir haben gekämpft, gefightet - jetzt bin ich einfach nur glücklich." Er wollte sich auch nicht mehr ausmalen, was eine neuerliche Niederlage für den Verein, die Fans, die Mannschaft und schlussendlich auch für ihn bedeutet hätte.

Freimütig ließ der ehemalige DFB-Sportdirektor, der unter anderem auch auf eine Episode als Trainer in Leverkusen zurückschaut, in sein Seelenleben blicken: "Ich bin sechs Monate da - es fühlt sich an wie sechs Jahre." Ihn hatten die Negativschlagzeilen der jüngeren Vergangenheit eben doch mehr getroffen als gedacht - da fiel eine ganze Menge Ballast von einem Cheftrainer ab, der stets von einem Entwicklungsplan gesprochen hatte, der losgelöst von der Tabelle zu betrachten sei. Gleichwohl: Mit der Überraschung am letzten Hinrundenspieltag sind die Bremer vom ausgegebenen 20-Punkte-Ziel mit 19 Zählern als Tabellenelfter gar nicht weit entfernt.

Dank des Tores des argentinischen Linksverteidigers Santiago García (74. Minute) wurde verhindert, dass Werder mit etlichen Problemen in die Winterpause muss. Stattdessen rang das Team den Champions-League-Achtelfinalisten Leverkusen mit einfachen Mitteln nieder: Leidenschaft und Laufbereitschaft, Disziplin und Defensivstärke.

Prioritäten notgedrungen verschoben

Wie aber schafften es die Grün-Weißen, ihre Schießbude (37 Gegentore) zu schließen? "Wir haben uns für eine defensive Taktik entschieden", erklärte Dutt, "und diesmal haben wir keine Konzentrationsfehler gemacht." Tatsächlich leistete vor allem der lange verletzte Sebastian Prödl im Abwehrzentrum Erstaunliches: Der Österreicher stand fast immer richtig. "Dass es so ausgeht, ist ein Traum. Mit uns haben die Zuschauer den Kampf angenommen. Das war entscheidend", sagte Prödl, "dauerhaft erwarten die Besucher von uns etwas anderes, aber dieser Weg hat uns wichtige Punkte gebracht."

An Prödls Seite agierten sowohl Nebenmann Luca Caldirola als auch die Außenverteidiger Theodor Gebre Selassie und García endlich grundsolide. Zudem verdichteten Philipp Bargfrede und Cedrick Makiadi das Zentrum als Doppel-Sechs.

Dort, wo früher der anspruchsvollste Offensivfußball der Liga dargeboten wurde, haben sich die Prioritäten notgedrungen verschoben. Selten sind im Weserstadion so zahlreiche simple Befreiungsschläge von Jubel begleitet worden. "Jeder wollte heute den Zweikampf führen", sagte der starke Aaron Hunt, "und wir waren in der Mitte immer kompakt." Somit schienen auf einmal beinahe alle defensiven Sünden der jüngeren Vergangenheit getilgt.

Und in letzter Instanz war auf den neuen Torwart Raphael Wolf Verlass, der sein erstes "zu-Null" kaum fassen konnte. "Das ist ein schönes Gefühl", sagte Wolf. Die eklatanten Feldvorteile der Gäste erwiesen sich als nutzlos: Leverkusen brachten 65 Prozent Ballbesitz, 22 Torschüsse und 33 Flanken letztlich nichts, weil der Gegner sich erfolgreich auf seine Primärtugenden besann.

"Das war der gelungene Abschluss eines schwierigen Jahres", sagte Hunt. Bis zum 6. Januar haben die Hanseaten nun trainingsfrei. Dann wird sich der SV Werder im Trainingslager im spanischen Jerez de la Frontera auf die Rückrunde vorbereiten. Und Dutt will im neuen Jahr auch daran arbeiten, alte Merkmale seines Arbeitgebers wiederzubeleben. "Wir haben nicht vor, uns fast nur vor dem eigenen Strafraum zu bewegen. Unser Ziel es, ausgewogener zu werden. Aber heute sei es entschuldigt." Dafür stand zu viel auf dem Spiel. Auch für ihn.

Werder Bremen - Bayer Leverkusen 1:0 (0:0)
1:0 García (74.)
Bremen: Wolf - Gebre Selassie, Prödl, Caldirola, García - Bargfrede, Makiadi - Di Santo (71. Ignjovski), Hunt (85. Lukimya), Elia (90.+1 Trybull) - Petersen
Leverkusen: Leno - Donati, Wollscheid, Toprak (78. Öztunali), Can - Lars Bender, Rolfes, Castro - Robbie Kruse (78. Derdiyok), Kießling, Son (66. Hegeler)
Schiedsrichter: Hartmann
Zuschauer: 39.145
Gelbe Karten: Bargfrede, Elia (2) - Toprak (4), Kruse, Wollscheid (5)

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