Brinkmann-Biographie Eine Straße in Schutt und Asche

Ansgar Brinkmann - der Name steht für Misserfolg, Alkohol und Skandale. Doch der ehemalige Fußballprofi hat diesen Ruf seiner Meinung nach zu Unrecht. Er habe kaum Alkohol getrunken, erzählt er in seiner Biografie. Wenn er allerdings zuschlug, dann richtig und mit einem furiosen Finale.

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Von Bastian Henrichs


Ich gehörte zu den Profispielern, die am wenigsten Alkohol tranken. Das glaubt mir kein Mensch, aber es ist so: Ich trank kaum Alkohol! Aber wenn ich trank, dann richtig. Geraucht habe ich noch nie in meinem Leben, nicht einen Zug einer Zigarette. Ich habe lediglich ein paar Zigarren bei diversen Feiern verpafft. Und Spielhallen oder Casinos interessierten mich auch überhaupt nicht. Trotzdem verbinden viele Leute den Namen Ansgar Brinkmann mit Partys und wilden Feiern, mit Alkoholrausch und Verfolgungsjagden, mit Prügeleien und eingeworfenen Fensterscheiben. Einiges davon mag stimmen, anderes ist schlichtweg nicht wahr.

Ich habe oft Mist gemacht und musste dafür geradestehen. Ich habe Geldstrafen bekommen und so viele Abmahnungen, dass ich mein Wohnzimmer damit hätte tapezieren können. Ich habe definitiv des Öfteren über die Stränge geschlagen, aber ich habe für alles geradegestanden und die Scherben wieder aufgefegt. Eine meiner Stärken, wenn man das so betrachten möchte, war dabei, dass ich einzig und allein mir selbst geschadet habe. Und ich bin nie auf andere losgegangen - auch wenn mir das vorgeworfen wurde: Es entspricht nicht der Wahrheit! Im Grunde habe ich gar nicht so oft richtig gefeiert. Aber wenn ich mal loslegte, dann bekam es auch jeder mit.

Es wäre für viele Vereine ein Leichtes gewesen, meinen Verkauf zu begründen, manche gaben mich ja auch aus disziplinarischen Gründen ab, aber diejenigen, die es nicht getan haben, weil der sportliche Wert ihnen wichtiger war, denen habe ich ihr Vertrauen auch meistens zurückgezahlt. Und die Menschen, die Fans, sahen mich gern spielen. Für einen ordentlichen Skandal benötigte ich meistens folgende Zutaten: zu viel Alkohol, Übermut, häufig gekennzeichnet durch einen freien Oberkörper, und in manchen Fällen ein Stirnband. Aus dieser Mischung entstanden impulsive, unkontrollierte Handlungen, die viele Leute lustig fanden. Andere weniger.

Eigentlich gab es keinen Grund zu feiern. Mein damaliger Verein, der FC Gütersloh, hatte im letzten Spiel der Hinrunde gegen die Stuttgarter Kickers durch ein Gegentor in der 89. Minute zwei Punkte liegengelassen und belegte einen Abstiegsplatz. Trotzdem hatte auf der Heimreise aus Stuttgart jemand die Idee, den Hinrundenabschluss mit der gesamten Mannschaft zu begießen. Am nächsten Tag hatte der Verein zwar zur Weihnachtsfeier geladen, dies aber sollte unsere private Mannschaftsfeier werden. Wie immer zu solchen Anlässen fanden wir uns im Café Alex ein und hatten einen heiteren Abend - der mich 25.000 Mark kostete.

Wir nannten es "tödliche Mischung"

Es fing alles sehr gemütlich an. Wir saßen zusammen und besprachen die Hinrunde, für einige die erste in der Zweiten Liga. Ich war zwischendurch in Verl gewesen und erst einige Wochen zuvor nach Gütersloh zurückgekehrt. Nach und nach stieg die Trinkfreude - und mit ihr die Stimmung. Bis wir schließlich ausgelassen plauderten, lachten und auf den Tischen tanzten. In der Mannschaft herrschte immer eine gute Stimmung, die war nicht dem Alkohol geschuldet, aber an diesem Abend - das war schon nach kurzer Zeit absehbar - hatten wir etwas anderes im Sinn.

Wir tranken alles durcheinander, "tödliche Mischung" nannten wir das. Einmal angefangen, ließ ich mich von den Kollegen anstecken und fand kein Ende mehr. Es muss so gegen drei Uhr morgens gewesen sein, ein Großteil der Mannschaft hatte sich schon auf den Heimweg gemacht, als wir, die fünf Übriggebliebenen, beschlossen, noch irgendwo einen Absacker zu trinken und dann ebenfalls nach Hause zu gehen. Ein konkretes Ziel hatten wir zunächst nicht.

Vielleicht war es die kalte Frischluft, die meinen Bewegungsdrang weckte. Kaum draußen, entledigte ich mich meines Shirts - trotz des Winters und eisiger Temperaturen trug ich meistens nur ein T-Shirt mit Jacke -, stieß einen Freudenschrei aus und sprintete mit nacktem Oberkörper los. Mein Ziel: die wartenden Taxis. Ich sprang auf das erste Auto, rutschte fast weg, konnte mich aber halten und sprintete weiter, über die Dächer von sieben, acht weiteren Taxis.

Beim letzten angekommen, machte ich eine Rolle vorwärts und landete sicher auf der Straße. Der spektakulärste Sprint meiner Karriere. Ich drehte mich um und sah in die Gesichter finster dreinschauender Taxifahrer. "Und? Was ist mit euch? Wollt ihr sterben?", rief ich vollkommen von Sinnen und zeigte meine Muskeln. "Ach, das ist ja nur Ansgar", hörte ich. Und: "Pass auf dich auf, Ansgar!"



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Polar, 24.05.2011
1. Ach wat!
Zitat von sysopAnsgar Brinkmann - der Name steht für Misserfolg, Alkohol und Skandale. Doch der ehemalige Fußball-Profi hat diesen Ruf seiner Meinung nach zu Unrecht. Er habe kaum Alkohol getrunken, schreibt er in seiner Biografie. Wenn er allerdings zuschlug, dann richtig und mit einem*furiosen Finale.* http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,763090,00.html
Nö. Für mich nicht. Für mich war, ist und bleibt Ansgar der weiße Brasilianer. Ein grandioser Fußballer.
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