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Rücktritt von Sir Alex Ferguson "Ich dachte, er stirbt auf dem Platz"

26 Jahre war er Trainer bei Manchester United, zum Saisonende beendet Sir Alex Ferguson seine Karriere. Wie kein Zweiter hat der Schotte den englischen Fußball geprägt und sich gegen das grassierende Kurzfristdenken gewehrt. Die Briten beklagen einen unersetzlichen Verlust.

Schon in den BBC-Morgennachrichten drehte sich alles um Alex Ferguson. Obwohl es zu dem Zeitpunkt nur ein Gerücht war, warf allein der Gedanke an den englischen Fußballmeister Manchester United ohne den legendären Trainer das Programm um. Fergusons Vorgänger Ron Atkinson sprach im Interview aus, was viele angenommen hatten: "Ich dachte, er macht noch ein paar Jahre."

Kurze Zeit später kam die Bestätigung. Ferguson erklärte in einem Statement, dass er nach 26 Jahren bei dem Club zum Ende der Saison aufhöre. Die Sportredaktionen schalteten sofort in Großlagen-Modus. "Fergie retires", verkündete die Internetausgabe der "Sun" in extragroßen Lettern. Einen "historischen Moment" beschwor der Kommentator auf Sky News.

Über den Abgang des 71-Jährigen wird zwar seit Jahren spekuliert, doch die Ankündigung kam nun überraschend. "Ich hätte nie gedacht, dass er in den Ruhestand geht", sagte Manchester-Fan Richard Skully, 27, der BBC. "Ich dachte, er stirbt auf dem Platz."

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Alex Ferguson: Ein Mann, Dutzende Titel

Foto: Peter Powell/ dpa

Die Nachricht überschattete selbst den Auftritt von Queen Elizabeth II. Die Königin verlas am Vormittag zur Eröffnung des Parlaments das Regierungsprogramm der liberalkonservativen Koalition im Oberhaus. Doch die Nation war mit den Gedanken woanders. "Gutes Timing", twitterte der frühere Labour-Arbeitsminister Peter Hain voller Schadenfreude. "Fergusons Abgang verdeckt die Regierungsrede. Er war immer Labour."

"Alex Ferguson wird nie vergessen werden"

In den sozialen Netzwerken im Internet hagelte es Lobeshymnen, Millionen Fans bedankten sich bei Ferguson und beklagten seinen Abgang. Auch die Spitzenpolitiker meldeten sich zu Wort. "Aufrechter Mann. Großartiger Trainer. Sir Alex Ferguson wird nie vergessen werden", twitterte Labour-Chef Ed Miliband. Premierminister David Cameron folgte kurze Zeit später mit einem Lob für Fergusons "außerordentliche Leistung".

Sir Alex Ferguson, kurz SAF, ist mit 13 englischen Meistertiteln, fünf Pokalerfolgen und zwei Champions-League-Titeln nicht nur der erfolgreichste Fußballtrainer Großbritanniens. Der Schotte ist ein nationales Heiligtum. Er hat einen durchschnittlichen englischen Fußballverein zu einer der wertvollsten Marken der Welt gemacht. Er selbst wurde zum reichsten Trainer des Landes mit einem geschätzten Vermögen von 34 Millionen Pfund. Zugleich hat er jedoch das Kunststück vollbracht, in der Öffentlichkeit bis heute als bodenständiges Original der britischen Arbeiterklasse gefeiert zu werden. Und als Fußball-Leidenschaftlicher.

Er fluchte in die Kameras, beschimpfte Journalisten, verteidigte seine Spieler. Nicht die vielen Trophäen machten Ferguson so besonders, schrieb die "Times", sondern sein Charakter. In seiner Kindheit in einem Glasgower Arbeiterviertel habe er ein starkes Gemeinschaftsgefühl entwickelt, sagte Ferguson einmal in einem Interview. Diese Philosophie prägte auch seine Zeit als Trainer. Wie kein Zweiter hat Ferguson den Verein nach seinem Willen geformt. Obwohl Manchester United an der Wall Street gelistet ist, wird die Nachwuchsarbeit bis heute ernst genommen.

Die Methode Ferguson soll auch nach seinem Abgang beibehalten werden. Er selbst wird als Aufsichtsratsmitglied mit darüber wachen. Doch den Briten dämmert, dass mit Ferguson eine Ära zu Ende geht. Die Abschiedsbekundungen fielen entsprechend emotional aus. Einer seiner früheren Schützlinge, der Ex-Nationalspieler Paul Ince, sagte: "So einen wie ihn werden wir nie wieder erleben."