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08. Dezember 2010, 12:41 Uhr

Brutales Foul in der Zweiten Liga

Bochumer Spieler treten nach

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Neue Aufregung wegen des Fouls an Matias Concha im Spiel Union Berlin gegen Bochum: Der Verletzte sowie zwei VfL-Profis erheben jetzt schwere Vorwürfe gegen Macchambes Younga-Mouhani. Sie unterstellen Absicht, fordern Konsequenzen. Ihr Club wundert sich.

Ein Foul mit bösen Folgen, sicher, aber keine Absicht - so hieß es zunächst nach der Zweitliga-Partie zwischen Union Berlin und dem VfL Bochum (0:1). VfL-Abwehrspieler Matias Concha erlitt dabei im Zweikampf mit Berlins Macchambes Younga-Mouhani einen Schien- und Wadenbeinbruch und wird mindestens vier Monate ausfallen. Zwei Tage nach der Begegnung sehen die Bochumer Spieler das jetzt aber ganz anders. Sie lassen dem Tritt auf dem Spielfeld das verbale Nachtreten folgen. Drei VfL-Profis haben in der "Bild"-Zeitung Younga-Mouhani massiv beschuldigt - darunter ist auch der Verletzte selbst.

Stürmer Mahir Saglik wetterte gegen Younga-Mouhani: "Das ist ein Verbrecher. Man sollte Strafanzeige gegen ihn erstatten", wird Saglik in der "Bild" zitiert. "Wenn Younga-Mouhani zu alt und zu langsam ist und deshalb in Zweikämpfen zu spät kommt, soll er ins Altenheim gehen, statt Leuten die Beine zu brechen." Saglik bestreitet auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE, das Wort "Verbrecher" benutzt zu haben. Mittelfeldspieler Andreas Johannson sprach von Absicht. "Er wollte Matias treffen", sagte der Schwede. Auch der Betroffene selbst äußerte sich: "Ich hoffe, der VfL unternimmt was", so Concha, der sich noch in der Nacht zum Dienstag einer Notoperation unterziehen musste.

Bochums Pressesprecher Christian Schönhals sagte auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE, der Club wundere sich über die Vorwürfe seiner Profis. Die offizielle Position sei eine andere, so Schönhals, der auf die Aussagen von Sportvorstand Thomas Ernst am Dienstag verwies. "Ich will dem Berliner nicht unterstellen, Matias vorsätzlich verletzt zu haben. Wenn man die Bilder sich jedoch anschaut, und das habe ich jetzt zum wiederholten Male getan, muss man von einem bösen Foul sprechen", hatte Ernst gesagt. "Eine Aktion, bei der der Spieler, so wie er da hingeht, eine schwere Verletzung in Kauf nimmt", so Ernst.

Keine Absicht und eine verbale Auseinandersetzung

Was war passiert? Kurz nach der Halbzeitpause klärte Younga-Mouhani den Ball in Richtung Seitenauslinie. Sowohl der Berliner als auch Concha sprinteten auf den Ball zu, der sich auf Höhe der Mittellinie befand. Fast zeitgleich erreichten sie das Leder, dabei traf Younga-Mouhani das Bein des grätschenden Bochumers. Concha blieb liegen und signalisierte sofort, dass etwas Schlimmeres passiert war. Auf einer Trage wurde er vom Feld gebracht.

Unmittelbar nach dem Spiel hatte VfL-Trainer Friedhelm Funkel erklärt, dass er nicht glaube, dass es sich um Vorsatz handelte: "Er wollte Matias mit Sicherheit nicht verletzen." Union-Coach Uwe Neuhaus nahm seinen Schützling ebenfalls in Schutz: "In der Situation hält Mac (Younga-Mouhani, d. Red.) ein bisschen drüber, um selber nicht verletzt zu werden. Dass er ihn nicht absichtlich verletzen wollte, steht für mich außer Frage."

Vor der Abfahrt des VfL aus dem Stadion war es in der Folge auf dem Parkplatz noch zu einer verbalen Auseinandersetzung zwischen Younga-Mouhani und Bochums Torwarttrainer Peter Greiber gekommen. Berichte, wonach es handgreiflich wurde, dementierte Schönhals jedoch.

Younga-Mouhani wünscht sich ein Treffen

Zu den Anschuldigungen der Bochumer Profis wollte sich Union Berlin am Mittwoch auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE nicht äußern und verwies auf die bisherigen Pressemitteilungen: "Es ist alles Wesentliche besprochen", sagte ein Sprecher. Younga-Mouhani hatte sich direkt nach der Begegnung öffentlich bei Concha entschuldigt. "Es tut mir unheimlich leid, was da passiert ist", so der 36-Jährige. "Ich hoffe, Matias wird wieder richtig gesund und kann bald wieder Fußball spielen." Am Dienstag fügte der Deutsch-Kongolese hinzu, dass er sich "unbedingt noch einmal persönlich bei ihm entschuldigen und ihm gute Besserung wünschen möchte".

Beide Clubs sagten, dass es zu einem Treffen kommen werde, sobald es der Gesundheitszustand von Concha möglich mache. "Wir warten erst einmal ab, wie es Matias geht und ob er diesem Treffen dann zustimmt", sagte Schönhals. Erst am Freitag wird der 30-jährige Concha transportfähig sein und nach Bochum zurückkehren können.

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