Buchmacher Größte Wette des Planeten

Britische Wettbüros machen während der Fußball-WM ein glänzendes Geschäft. Nun wollen sie auch deutsche Glückspieler für sich gewinnen.

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London - Eigentlich wollte Peter Collins nach Asien reisen, um die irische Nationalmannschaft anzufeuern. Doch dem irischen Bauarbeiter mit Wohnsitz in London fehlt das nötige Kapital. Also geht er regelmäßig in Wettbüros von William Hill und setzt mit wechselndem Glück auf Siege der irischen Nationalmannschaft.

"Du musst für dein Team kämpfen", sagte Collins am vergangenen Dienstag auf dem Weg vom Wettbüro in den Pub "Father Thames" direkt gegenüber, wo das Spiel gegen Saudi-Arabien auf einem Großbildschirm übertragen wurde. Er hatte sich das grasgrüne Nationaltrikot mit der irischen Trikolore am Kragen angezogen und führte nach jedem Treffer der Iren mit seinem Freund Patrick ein Freudentänzchen auf.

Gewettet hatte der irische Patriot diesmal nicht für Irland, sondern für Deutschland. Denn erst ein deutscher Erfolg sicherte Irland die Qualifikation. Da Deutschland tatsächlich 2:0 gewann, lohnte sich für Collins diesmal der Einsatz fürs Vaterland. Der Wettgewinn von 25 Pfund reicht für ein paar Runden Bier im "Father Thames".

Über sechs Milliarden Euro Umsatz

Auch die Manager von William Hill haben Grund zum Jubeln. Sie nutzen die Euphorie rund um die Weltmeisterschaft, um das Unternehmen für insgesamt 2,2 Milliarden Euro an die Londoner Börse zu bringen. Dessen 1540 - ansonsten eher tristen - Wettbüros sind mit Dutzenden von britischen St.Georgskreuzen und irischen Nationalflaggen drapiert. Weil England und Irland sich für das Achtelfinale qualifizierten, überstieg in der vergangenen Woche die Nachfrage nach den Aktien das Angebot um den Faktor fünf.

Mit Wetten auf Pferde, Windhunde, Fußballer oder die Wahrscheinlichkeit, dass Prinz Charles seine langjährige Freundin Camilla Parker-Bowles heiratet, werden in Großbritannien jedes Jahr über sechs Milliarden Euro umgesetzt. Die Fußball-Weltmeisterschaft verspricht zusätzliche Einnahmen von 250 Millionen Pfund. "Die diesjährige WM ist das größte Wettereignis, das dieser Planet jemals gesehen hat", schwärmt Wally Pyrah von der englischen Firma Sporting Index, die vor allem auf die wettfreudigen Klientel aus Asien setzt.

Das Internet macht es möglich, die Anbieter reklamieren Kunden aus 197 Ländern für sich. Auch Deutsche klicken zu Tausenden regelmäßig die deutschsprachigen Webseiten der britischen Wettbüros an, obwohl solche Glücksspiele in Deutschland eigentlich verboten sind.

Kurz vor der Weltmeisterschaft eröffnete Ladbrokes, eine äußerst profitable Tochter der Hotelkette Hilton, eine deutsche Webseite, die mit Bundesliga und deutschem Eishockey speziell Glücksspieler zwischen Flensburg und Oberstdorf ansprechen will. John O'Reilly, Direktor der Internetabteilung von Ladbrokes, hält die soziale Rhetorik vieler europäischer Regierungen für vorgeschoben, solche Glücksspiele zu kontrollieren. "Es geht um den Schutz von staatlichen Monopolen", glaubt O'Reilly. Legal können deutsche Fußballexperten nur die Lotto- und Toto-Scheine ausfüllen, wie sie ähnlich schon zu Konrad Adenauers Zeiten in Umlauf waren. 55 Prozent dieser Wetteinsätze kassiert der Staat, die Briten kalkulieren mit einer Marge von zwölf Prozent.

Außenseitersiege bergen Risiken

In Großbritannien schaffte die Labour-Regierung im vergangenen Oktober die Steuer auf alle Wettumsätze ab, weil immer mehr Wettbüros ihren Unternehmenssitz in Steuerparadiese wie Gibraltar verlegten. Stattdessen gibt es nun eine spezielle Gewinnsteuer von 15 Prozent für Unternehmen wie Paddy Power, Stanley Leisure oder Ladbrokes - auch für die Gewinne mit deutschen Kunden. Vergangene Woche schossen die Aktienkurse der britischen Wettfirmen nach oben, nachdem Frankreich und Argentinien bei der WM ausgeschieden sind. Viele Wetter hatten darauf gesetzt, dass einer der beiden Topfavoriten Weltmeister würde. "Das ist ein tolles Resultat für uns", heißt es bei Ladbrokes.

Doch auch der Sieg von Außenseitern birgt Risiken. Die Glücksspielfirma William Hill, die ihr Börsendebüt mit Hilfe der Deutschen Bank feiert, fürchtet nichts so sehr wie einen Fußballweltmeister Spanien. Mehrere Spanier schlosse hohe Wetten auf ihr Land ab. Ein Geschäftsmann aus Barcelona setzte allein 62.000 Euro darauf, dass die Iberer den Cup zum ersten Mal gewinnen. William Hill müsste ihm im Falle eines spanischen Titelgewinns 945.000 Euro zahlen.

Lieber wäre den Wettfirmen ein Weltmeister Deutschland, auf den vor dem WM-Start in Korea niemand viel Geld setzen wollte. Doch nicht immer liegen die Wettprofis richtig. Ladbrokes bot vor der Weltmeisterschaft eine Quote von fünf zu eins für die Wette, dass Carsten Jancker bei der WM kein Tor schießt. Pech für Ladbroke: Der Hüne aus München bewies im Spiel gegen Saudi-Arabien, dass er zumindest mit freundlicher Unterstützung seiner Gegner doch noch trifft.



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