Bundesliga als Pay-TV Marcel Reif auf Arabisch

Die Leser-Resonanz auf den Selbstversuch von SPIEGEL ONLINE in Sachen Bundesliga-Pay-TV war enorm. Aus der ganzen Welt trafen Tipps ein, wie und wo die Liga live zu empfangen sei. Viele der Angebote nützen dem deutschen Zuschauer allerdings nur wenig.

Die Liga im Fernsehen: Zwischen Finnisch und Albanisch
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Die Liga im Fernsehen: Zwischen Finnisch und Albanisch

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Als Fan der deutschen Bundesliga müsste man Finne sein. Für nur 4,90 Euro im Monat gibt es beim dortigen digitalen TV-Anbieter die Liga-Partien des Spieltags live und unverschlüsselt, ein unschlagbar günstiges Angebot. Einziger Schönheitsfehler: In Deutschland nützt das niemandem. Man muss seinen Wohnsitz in Finnland haben, beziehungsweise über eine finnische IP-Adresse verfügen.

So ist das fast mit allen Angeboten, deutschen Live-Fußball im Ausland sehen zu können, beziehungsweise aus dem Ausland zu beziehen. Irgendwo ist immer ein Haken: Manchmal redet der Fernseh-Kommentator Arabisch oder Rumänisch, dann wieder leidet die Bildqualität, zuweilen ist das Angebot unvollständig. Wer sich an solchen Makeln allerdings nicht stört, der wird fündig - das zumindest zeigt die enorme E-Mail-Resonanz der Leser auf den Selbstversuch, den die Sportredaktion von SPIEGEL ONLINE in Sachen Bundesliga-Live-Fußball bei ausländischen Fernsehanbietern unternommen hatte. Der Europäische Gerichtshof hatte zuvor die Möglichkeit gestattet, sich Live-Fußball per Pay-TV auch aus dem Ausland zu beschaffen.

"Ich komme hier in den Genuss aller Bundesliga-Spiele mit englischem Kommentar", schwärmt Leser Dennis aus dem hohen Norden Europas und erfreut sich sogar an den englischsprachigen Expertisen des TV-Fachmanns Steffen Freund, der vom Anbieter, dem finnischen Eurosport-Ableger, für die Übertragungen gecastet wurde. Leser Johannes Schweizer, der ebenfalls in Finnland lebt, behilft sich bei dem fehlenden deutschen Kommentar mit dem Zuschalten des Internet-Fußballradios von 90elf.de.

Nicht leicht für des Albanischen Unkundige

Wie unterschiedlich die Wahrnehmung allerdings sein kann, zeigt auch das Beispiel Finnland. Während Leser Norbert Jölich in Tampere von einem "sehr passablen" Angebot spricht, zieht Ingo Bichlmaier in Helsinki das Fazit seiner Suche nach der optimalen Bundesliga-Übertragung: "Kein überzeugendes Angebot in Finnland."

Am anderen Ende Europas in der Türkei schauen die Bundesliga-Fans über Antenne die Top-Spiele beim Sender TRT - auch das kein Angebot, das deutschen Fußballguckern weiterhelfen würde: Der Empfang wird ausschließlich terrestrisch gewährleistet, über Satellit läuft nichts, "um den möglichen Empfang in Europa zu unterbinden", wie Kemal Yildirim schreibt.

Besser steht es um das Senderangebot aus Albanien, wie mehrere Leser mitgeteilt haben. Über den Anbieter Digitalb bezieht zum Beispiel Kujtim Arifi in Speyer den Bundesliga-Fußball und hat beim Kommentar sogar die Sprachauswahl zwischen Albanisch und Deutsch. Kostenpunkt dafür liegt nach seinen Angaben bei 220 Euro im Jahr. Der SPIEGEL-ONLINE-Selbstversuch hat allerdings auch gezeigt, dass es für Interessierte, die des Albanischen unkundig sind, nicht so leicht ist, sich auf der entsprechenden Website zurechtzufinden.

Tipps aus einem ganz anderen Kulturkreis kommen von Manuel Philippi. Er schreibt: "Ich schaue Bundesliga am Wochenende legal. Und umsonst. Mindestens fünf Spiele, manchmal sechs. Zum Teil in HD." Was zu schön klingt, um wahr zu sein, bezieht sich auf den Empfang von Dubai Sports über Satellitenschüssel. Mit dem Nachteil, dass der Kommentator folgerichtig Arabisch spricht. Für Philippi ist das aber sogar positiv, auf Sky-Kommentator Marcel Reif und seine Kollegen verzichten zu müssen: "Der Arabisch sprechende Moderator ist viel erträglicher als alles Deutsche. Allein schon, weil man es nicht versteht."

Wer im Dschungel der Angebote aus dem Ausland die Orientierung nun langsam zu verlieren droht, dem hilft Leser Volkart Spahr mit einem Hinweis weiter. Spahr, der die Bundesliga in Ägypten empfängt, macht auf die Website www.liveonsat.com aufmerksam, die einen Überblick gebe, "welcher Sender wann was überträgt, ob verschlüsselt oder nicht - und falls ja, wie, welcher Satellit auf welcher Position zu stehen hat".

Wer sich dort einen Überblick verschafft, bekommt auch relativ schnell einen Eindruck von der Wertigkeit der deutschen Bundesliga im Ausland. Während die Partie der Bolton Wanderers gegen Manchester United aus der Premier League von 42 TV-Stationen aus Slowenien über Griechenland bis Israel zur Wahl stand, widmeten sich gerade einmal 16 Anbieter dem Nordderby zwischen Werder Bremen und dem Hamburger SV. Ungefähr so viele übertragen auch das Spiel Dundee United gegen die Glasgow Rangers aus der schottischen Liga.



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Seite 1
cycokan, 07.10.2011
1. Wie dumm ist das denn?
Genau diese nationalen Beschränkungen sind vor nicht mal 36 Stunden verboten worden. Dass es da noch IP Sperren und Geschäftsbedingungen gibt, die das Urteil noch nicht umsetzen, ist doch logisch. Warten Sie mal ein paar Wochen ab, Herr Ahrens. Dann werden diese Finnen entweder selbst bei uns aktiv, oder es wird finnische Zwischenhändler geben, die dort Dekoder Karten aufkaufen und z.B. über Ebay anbieten. Und das ist jetzt legal. So einfach ist das. Soweit muss doch ein Journalist denken können. Und der Vergleich zwischen Bolton : ManUtd. und HSV : Werder ist doch auch kein Maßstab. Da geht es nicbt um die Attraktivität der Ligen, oder Boltons, Hamburgs oder Bremens. Da geht es um Manchester Untited. Diesen Verein will die Welt sehen. Der richtige Vergleich könnte nur ein Spiel mit Bayern Beteiligung sein. Miserables Basiswissen für jemanden, der sein Geld als Sportjournalist verdient und peinlich für Autor wie Medium. Ein verärgerter Leser.
franko_potente 07.10.2011
2. -
Zitat von cycokanGenau diese nationalen Beschränkungen sind vor nicht mal 36 Stunden verboten worden. Dass es da noch IP Sperren und Geschäftsbedingungen gibt, die das Urteil noch nicht umsetzen, ist doch logisch. Warten Sie mal ein paar Wochen ab, Herr Ahrens. Dann werden diese Finnen entweder selbst bei uns aktiv, oder es wird finnische Zwischenhändler geben, die dort Dekoder Karten aufkaufen und z.B. über Ebay anbieten. Und das ist jetzt legal. So einfach ist das. Soweit muss doch ein Journalist denken können. Und der Vergleich zwischen Bolton : ManUtd. und HSV : Werder ist doch auch kein Maßstab. Da geht es nicbt um die Attraktivität der Ligen, oder Boltons, Hamburgs oder Bremens. Da geht es um Manchester Untited. Diesen Verein will die Welt sehen. Der richtige Vergleich könnte nur ein Spiel mit Bayern Beteiligung sein. Miserables Basiswissen für jemanden, der sein Geld als Sportjournalist verdient und peinlich für Autor wie Medium. Ein verärgerter Leser.
[QUOTE=cycokan;8871245]Genau diese nationalen Beschränkungen sind vor nicht mal 36 Stunden verboten worden. Dass es da noch IP Sperren und Geschäftsbedingungen gibt, die das Urteil noch nicht umsetzen, ist doch logisch. [/quote ] Verboten worden ist das nicht. Es ist nur untersagt worden, dem Nutzer zu untersagen, andere Anbieter als den nationalen zu wählen. Nein, wird es wohl nicht geben, der Finne wird wohl demnächst deutlich merh fürs Angebot zahlen müssen. hier will ich ja gar nciht widersprechen
volky 07.10.2011
3. Mein Name! Bitte!
Zitat von sysopDie Leser-Resonanz auf den Selbstversuch von SPIEGEL ONLINE in Sachen Bundesliga-Pay-TV war enorm. Aus der ganzen Welt trafen Tipps ein, wie und wo die Liga live zu empfangen sei. Viele der Angebote nützen dem deutschen*Zuschauer allerdings nur wenig. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,790495,00.html
Vielen Dank fuer die Erwaehnung meines Namens, aber ich heisse 'Volkart', nicht Volker...;-)) (nichts fuer ungut, geht mir schon seit der Kindheit so..) Wegen der Erwaehnung Aegyptens: Ich habe hier (in Dahab, South Sinai) eine 2,40 SAT-Schuessel mit 2 LNBs im Garten stehen. Ein LNB fuer Hotbird, einen fuer Astra. Allerdings ist das nicht der 'deutsche' Astra, es fehlen einige Programme (einige dritte, das ist das schlimmste). Als Tip nochmals: www.liveonsat.com, sich den passenden Satelliten herraussuchen und auf der Hersteller- bzw. Vertriebsseite des jeweiligen Satelliten nach dessen sog. footprint schauen. Da erhaelt man dann auch Informationen zur benoetigten Groesse der 'Schuessel'. (z.B. http://apps.ses.com/#) Hier hab ich nen DMax Senator Receiver, der hat ne Ethernet- und eine serielle Schnittstelle. Bis vor ca. einem Jahr war es noch moeglich, das Ding einfach mit nem Ethernet-Kabel mit seinem Router zu verbinden und alle Pay-TV-Kanaele waren gecrackt. Mittlerweile braucht man ein kleines Zusatzgeraet, das an die serielle Schnittstelle und dann an den Router angeschlossen wird. Sky funktionierte auch, allerdings ist das kein Sky-Receiver, sodass die Unterkanaele fehlen. Es laeuft also nur ein Spiel bzw. die Konferenz. Aberehrlich gesagt machts doch viel mehr Spass, mit Kumpeln in der Kneipe zu kucken...;-) Gruss aus Dahab, Volkart
Querspass 07.10.2011
4. Na und
Zitat von sysopDie Leser-Resonanz auf den Selbstversuch von SPIEGEL ONLINE in Sachen Bundesliga-Pay-TV war enorm. Aus der ganzen Welt trafen Tipps ein, wie und wo die Liga live zu empfangen sei. Viele der Angebote nützen dem deutschen*Zuschauer allerdings nur wenig. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,790495,00.html
so verstehe ich wenigstens das blöde Gequassel der Kommentatoren nicht.
Erich91 07.10.2011
5. Letztendlich
war der von den Medien propagierte Befreiungsschlag für die Sportfans und die Sensation eigentlich nur der berühmte " Sturm inm Wasserglas "
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