Robben-Comeback in München "Ich liebe den Fußball"

Der Höhepunkt des Spiels, das war er: Nach fünf Monaten Verletzungspause kehrte Arjen Robben für seine letzten Einsätze beim FC Bayern zurück - und zeigte sich demütig beim herzlichen Empfang durch die Fans.
Leon Goretzka (rechts) bringt Arjen Robben zum Lachen

Leon Goretzka (rechts) bringt Arjen Robben zum Lachen

Foto: CHRISTOF STACHE/ AFP

In der 84. Minute erhoben sich die Zuschauer von ihren Sitzen, zückten ihre Smartphones für ein Foto. Im Unterrang der Haupttribüne wuchtete ein Vater seinen kleinen Sohn auf die Schulter und deutete auf den Einwechselspieler mit der Nummer 10 an der Seitenlinie - damit der Bub vielleicht eines Tages einmal erzählen kann, er sei dabei gewesen.

Dabei, als Arjen Robben beim 3:1 gegen Hannover 96 kurz vor Schluss nach mehr als fünfmonatiger Leidenszeit sein Comeback feierte, und dabei zum wahrscheinlich vorletzten Mal im heimischen Stadion das Trikot des FC Bayern trug. Es war ein zarter Hauch von Nostalgie und Wehmut, der in diesem Moment durch die kalte Münchner Arena wehte. Robbens Rückkehr, für das Publikum der emotionale, ja tatsächlich einzige Höhepunkt eines ansonsten schrecklich zähen Spiels.

Kingsley Coman verlässt für Arjen Robben das Spielfeld

Kingsley Coman verlässt für Arjen Robben das Spielfeld

Foto: Matthias Balk / DPA

Für Aufsehen hatte an diesem Nachmittag bis dahin nur der grollende Rundumschlag von Franz Beckenbauer gesorgt. Beckenbauer, der sich zuletzt öffentlich rar gemacht hatte, war eine Stunde vor Anpfiff ins Vereinsmuseum der Arena gekommen, anlässlich der Jubiläumsehrung der 1969er-Mannschaft, als der Klub vor 50 Jahren erstmals in seiner Geschichte das Double holte.

Beckenbauer sprach danach vor Reportern, erwähnte die Halbfinalspiele der Champions League und der Europa League, als er sagte: "Wenn ich sehe, was da gekämpft wird, da meine ich manchmal beim FC Bayern, eine Uwe-Seeler-Traditionsmannschaft zu sehen." Um gleich danach über den bevorstehenden Abschied von James Rodríguez zu räsonieren: "Er passt sehr gut zum FC Bayern, weil er einer ist, der mit dem Ball umgehen und Fußball spielen kann. So viele haben wir da nicht in der Mannschaft."

Beckenbauers Worte perlen ab

Freilich hat, zur richtigen Einordnung, Beckenbauers Wort nicht mehr so viel Gewicht wie früher. Der 73-Jährige hat sich weit entfernt vom aktuellen Fußball, Herz-Operationen, der Tod seines Sohnes und die Enthüllungen rund um die Vergabe der WM 2006 haben ihn gezeichnet, seine Stimme ist schwach und brüchig.

So war es ein Akt der Höflichkeit, dass die Bayern-Spieler die Kritik lässig an sich abperlen ließen. "Jeder darf da seine Meinung haben", sagte etwa Robben, "im Moment habe ich nur nicht so viel Bock, da drauf zu reagieren." Viel lieber sprach der 35-Jährige natürlich über seine Rückkehr und seine Gefühle.

Einst die gefürchtetste Flügelzange Europas: Arjen Robben und Franck Ribéry

Einst die gefürchtetste Flügelzange Europas: Arjen Robben und Franck Ribéry

Foto: Alex Grimm / Getty Images

"Ich bin einfach nur sehr, sehr dankbar", sagte Robben, der zuletzt im November gegen Benfica Lissabon gespielt hatte. "Für mich war das heute sehr emotional. Wenn die Fans dich so empfangen, sind das Momente, die du genießt." Immer wieder hatte er kurz vor einem Comeback gestanden, doch auf Problemen im Oberschenkel folgte eine Wadenverletzung. "Hier im Stadion sind 70.000 Leute, die haben auch Probleme, da gibt es wirklich Schlimmeres im Leben. Aber wenn du nicht mehr das tun kannst, was du am liebsten tust, dann ist es sehr schwer."

Es passte ganz gut ins rührselig sentimentale Stimmungsbild, dass ausgerechnet der langjährige Weggefährte Franck Ribéry mit seinem Tor zum 3:1 die Einwechslung überhaupt ermöglichte. Denn das Risiko, Robben bei einer nur knappen Führung aufs Feld zu schicken, hatte Niko Kovac nicht eingehen wollen.

Robbens Abschied naht - zumindest aus München

Nach dem Abendspiel in Bremen scheint es nun möglich, dass Robben am letzten Spieltag gegen Frankfurt nochmal ganz lange spielen darf. Da Dortmund nach dem 2:2 gegen Werder vier Punkte Rückstand hat und die Bayern bei einem Sieg kommenden Samstag in Leipzig vorzeitig Meister werden können, wäre das Bundesliga-Finale für sie bedeutungslos. Es wäre für Robben die Gelegenheit für ein letztes Schaulaufen vor heimischer Kulisse, zum Abschluss einer großen Zeit in München. Aber wohl noch nicht zum Ende der gesamten Karriere.

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Auch wenn er seinen im Dezember gefällten Entschluss, die Bayern in jedem Fall am Saisonende zu verlassen, noch einmal bestätigte, sagte er: "Ich bin auch dankbar, dass sich noch viele Vereine für mich interessiert haben. Ich habe es erst auf die Seite geschoben und noch keine Entscheidung getroffen, weil ich erst wieder fit werden wollte. Aber ich liebe den Fußball. Und ich möchte gerne weiterspielen."

Ob, wie schon früher angedeutet, bei einem seiner Ex-Klubs, dem FC Groningen oder dem PSV Eindhoven oder ganz woanders: Mit dem Ball umgehen und Fußball spielen kann Arjen Robben immer noch. Das dürfte sogar Franz Beckenbauer so sehen.

Zeitenwechsel: Scherze mit Leon Goretzka

Zeitenwechsel: Scherze mit Leon Goretzka

Foto: CHRISTOF STACHE/ AFP

FC Bayern München - Hannover 96 3:1 (2:0)
1:0 Lewandowski (27.)
2:0 Goretzka (40.)
2:1 Jonathas (52., Handelfmeter)
3:1 Ribéry (84.)
München: Ulreich - Kimmich, Süle, Boateng, Alaba (88. Rafinha) - Thiago - Müller, Goretzka - Gnabry (71. Ribéry), Coman (86. Robben) - Lewandowski
Hannover: Esser - Sorg, Anton, Felipe (70. Wimmer), Albornoz - Schwegler, Ostrzolek - Haraguchi, Walace, Maina (88. Prib) - Weydandt (46. Jonathas)
Schiedsrichter: Dingert
Gelbe Karten: - / Wimmer
Gelb-Rot: Jonathas
Zuschauer: 75.000

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