Robben-Comeback in München "Ich liebe den Fußball"

Der Höhepunkt des Spiels, das war er: Nach fünf Monaten Verletzungspause kehrte Arjen Robben für seine letzten Einsätze beim FC Bayern zurück - und zeigte sich demütig beim herzlichen Empfang durch die Fans.

Leon Goretzka (rechts) bringt Arjen Robben zum Lachen
AFP

Leon Goretzka (rechts) bringt Arjen Robben zum Lachen

Aus München berichtet Florian Kinast


In der 84. Minute erhoben sich die Zuschauer von ihren Sitzen, zückten ihre Smartphones für ein Foto. Im Unterrang der Haupttribüne wuchtete ein Vater seinen kleinen Sohn auf die Schulter und deutete auf den Einwechselspieler mit der Nummer 10 an der Seitenlinie - damit der Bub vielleicht eines Tages einmal erzählen kann, er sei dabei gewesen.

Dabei, als Arjen Robben beim 3:1 gegen Hannover 96 kurz vor Schluss nach mehr als fünfmonatiger Leidenszeit sein Comeback feierte, und dabei zum wahrscheinlich vorletzten Mal im heimischen Stadion das Trikot des FC Bayern trug. Es war ein zarter Hauch von Nostalgie und Wehmut, der in diesem Moment durch die kalte Münchner Arena wehte. Robbens Rückkehr, für das Publikum der emotionale, ja tatsächlich einzige Höhepunkt eines ansonsten schrecklich zähen Spiels.

Kingsley Coman verlässt für Arjen Robben das Spielfeld
Matthias Balk / DPA

Kingsley Coman verlässt für Arjen Robben das Spielfeld

Für Aufsehen hatte an diesem Nachmittag bis dahin nur der grollende Rundumschlag von Franz Beckenbauer gesorgt. Beckenbauer, der sich zuletzt öffentlich rar gemacht hatte, war eine Stunde vor Anpfiff ins Vereinsmuseum der Arena gekommen, anlässlich der Jubiläumsehrung der 1969er-Mannschaft, als der Klub vor 50 Jahren erstmals in seiner Geschichte das Double holte.

Beckenbauer sprach danach vor Reportern, erwähnte die Halbfinalspiele der Champions League und der Europa League, als er sagte: "Wenn ich sehe, was da gekämpft wird, da meine ich manchmal beim FC Bayern, eine Uwe-Seeler-Traditionsmannschaft zu sehen." Um gleich danach über den bevorstehenden Abschied von James Rodríguez zu räsonieren: "Er passt sehr gut zum FC Bayern, weil er einer ist, der mit dem Ball umgehen und Fußball spielen kann. So viele haben wir da nicht in der Mannschaft."

Beckenbauers Worte perlen ab

Freilich hat, zur richtigen Einordnung, Beckenbauers Wort nicht mehr so viel Gewicht wie früher. Der 73-Jährige hat sich weit entfernt vom aktuellen Fußball, Herz-Operationen, der Tod seines Sohnes und die Enthüllungen rund um die Vergabe der WM 2006 haben ihn gezeichnet, seine Stimme ist schwach und brüchig.

So war es ein Akt der Höflichkeit, dass die Bayern-Spieler die Kritik lässig an sich abperlen ließen. "Jeder darf da seine Meinung haben", sagte etwa Robben, "im Moment habe ich nur nicht so viel Bock, da drauf zu reagieren." Viel lieber sprach der 35-Jährige natürlich über seine Rückkehr und seine Gefühle.

Einst die gefürchtetste Flügelzange Europas: Arjen Robben und Franck Ribéry
Alex Grimm / Getty Images

Einst die gefürchtetste Flügelzange Europas: Arjen Robben und Franck Ribéry

"Ich bin einfach nur sehr, sehr dankbar", sagte Robben, der zuletzt im November gegen Benfica Lissabon gespielt hatte. "Für mich war das heute sehr emotional. Wenn die Fans dich so empfangen, sind das Momente, die du genießt." Immer wieder hatte er kurz vor einem Comeback gestanden, doch auf Problemen im Oberschenkel folgte eine Wadenverletzung. "Hier im Stadion sind 70.000 Leute, die haben auch Probleme, da gibt es wirklich Schlimmeres im Leben. Aber wenn du nicht mehr das tun kannst, was du am liebsten tust, dann ist es sehr schwer."

Es passte ganz gut ins rührselig sentimentale Stimmungsbild, dass ausgerechnet der langjährige Weggefährte Franck Ribéry mit seinem Tor zum 3:1 die Einwechslung überhaupt ermöglichte. Denn das Risiko, Robben bei einer nur knappen Führung aufs Feld zu schicken, hatte Niko Kovac nicht eingehen wollen.

Robbens Abschied naht - zumindest aus München

Nach dem Abendspiel in Bremen scheint es nun möglich, dass Robben am letzten Spieltag gegen Frankfurt nochmal ganz lange spielen darf. Da Dortmund nach dem 2:2 gegen Werder vier Punkte Rückstand hat und die Bayern bei einem Sieg kommenden Samstag in Leipzig vorzeitig Meister werden können, wäre das Bundesliga-Finale für sie bedeutungslos. Es wäre für Robben die Gelegenheit für ein letztes Schaulaufen vor heimischer Kulisse, zum Abschluss einer großen Zeit in München. Aber wohl noch nicht zum Ende der gesamten Karriere.

Auch wenn er seinen im Dezember gefällten Entschluss, die Bayern in jedem Fall am Saisonende zu verlassen, noch einmal bestätigte, sagte er: "Ich bin auch dankbar, dass sich noch viele Vereine für mich interessiert haben. Ich habe es erst auf die Seite geschoben und noch keine Entscheidung getroffen, weil ich erst wieder fit werden wollte. Aber ich liebe den Fußball. Und ich möchte gerne weiterspielen."

Ob, wie schon früher angedeutet, bei einem seiner Ex-Klubs, dem FC Groningen oder dem PSV Eindhoven oder ganz woanders: Mit dem Ball umgehen und Fußball spielen kann Arjen Robben immer noch. Das dürfte sogar Franz Beckenbauer so sehen.

Zeitenwechsel: Scherze mit Leon Goretzka
AFP

Zeitenwechsel: Scherze mit Leon Goretzka

FC Bayern München - Hannover 96 3:1 (2:0)
1:0 Lewandowski (27.)
2:0 Goretzka (40.)
2:1 Jonathas (52., Handelfmeter)
3:1 Ribéry (84.)
München: Ulreich - Kimmich, Süle, Boateng, Alaba (88. Rafinha) - Thiago - Müller, Goretzka - Gnabry (71. Ribéry), Coman (86. Robben) - Lewandowski
Hannover: Esser - Sorg, Anton, Felipe (70. Wimmer), Albornoz - Schwegler, Ostrzolek - Haraguchi, Walace, Maina (88. Prib) - Weydandt (46. Jonathas)
Schiedsrichter: Dingert
Gelbe Karten: - / Wimmer
Gelb-Rot: Jonathas
Zuschauer: 75.000



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zauberer2112 05.05.2019
1. Um es mit dem BVB-Banner zu sagen
Es ist erst vorbei, wenn es vorbei ist. Und Robbens Zeit ist vorbei. Wenn ich an manche Spiele (Finale Dahoam) denke, sage ich: "Zum Glück." Wenn ich an andere denke (Wembley), sage ich: "Leider." Aber er ist jetzt zu oft verletzt. Was bleibt, ist sein typisches Tor, kaum zu verteidigen, weil dann Elfmeter droht. Servus Arjen!
Linaritblauer 05.05.2019
2. Pizarro
Robben könnte, wenn denn alle Beteiligten das möchten, der Pizarro des FC Bayern werden. Nicht mehr für 90 Minuten geeignet, aber als Joker für die letzte halbe Stunde ein Top Spieler. Dafür benötigt es aber einen weniger starrsinnigen Präsidenten und Trainer, die auch im Falle James munter dabei sind, einen historischen Fehler zu begehen.
pr8kerl 05.05.2019
3. Danke Arjen, Danke, vor allem für das Wembley-Tor
Das wird ein ganz emotionaler Abschied beim letzten Heimspiel und bei der Übergabe der Meisterschale. Kein Bayern-Spieler hat die Fans in den letzten zehn Jahren so berührt wie Arjen Robben, keiner wurde so gefeiert, nicht einmal Franck Ribery. Denn Robben leistete sich keine Skandale, keine goldenen Steaks, keine Affären mit Minderjährigen. Robben war immer frühlich, immer offen, immer gut drauf. Er wird uns sehr fehlen.
ge1234 05.05.2019
4. Ich verstehe...
Zitat von LinaritblauerRobben könnte, wenn denn alle Beteiligten das möchten, der Pizarro des FC Bayern werden. Nicht mehr für 90 Minuten geeignet, aber als Joker für die letzte halbe Stunde ein Top Spieler. Dafür benötigt es aber einen weniger starrsinnigen Präsidenten und Trainer, die auch im Falle James munter dabei sind, einen historischen Fehler zu begehen.
... auch nicht, warum man Robben nicht noch ein Verlängerungsjahr zu leistungsabhängigen, reduzierten Bezügen anbietet, aber gleichzeitig einen hoffnungslos überforderten Jungspund aus einer nordamerikanischen Operettenliga die Stange hält. Der braucht noch mindestens 4 Jahre in irgendeiner europäischen Nachwuchsmannschaft, bevor er in einer europäischen Profiliga spielen kann. Aber ich verstehe diese Saison sowieso vieles nicht mehr, was bei meinen Bayern so vor sich geht. Angefangen bei dem katastrophalen Trainer, der sich anschickt, die Mannschaft auf direktem Weg in das europäische Mittelmaß zu "coachen", sofern diese Planlosigkeit überhaupt etwas mit Coachen zu tun hat, über einen Sportdirektor, der offenbar nun von gar niemanden mehr wahr oder besser gesagt ernst genommen wird bis zu einem Präsidenten, der sich anschickt, in vereinsinternen Machtkämpfen aus reiner Sturheit sein Lebenswerk, das den FC Bayern in die Top 3 Europas geführt hatte, selbst zu zerstören. Vor der medialen Aussendarstellung wollen wir erst gar nicht mal anfangen. Rebic statt James.... ich könnte heulen!
hansfrans79 05.05.2019
5.
Zitat von ge1234... auch nicht, warum man Robben nicht noch ein Verlängerungsjahr zu leistungsabhängigen, reduzierten Bezügen anbietet, aber gleichzeitig einen hoffnungslos überforderten Jungspund aus einer nordamerikanischen Operettenliga die Stange hält. Der braucht noch mindestens 4 Jahre in irgendeiner europäischen Nachwuchsmannschaft, bevor er in einer europäischen Profiliga spielen kann. Aber ich verstehe diese Saison sowieso vieles nicht mehr, was bei meinen Bayern so vor sich geht. Angefangen bei dem katastrophalen Trainer, der sich anschickt, die Mannschaft auf direktem Weg in das europäische Mittelmaß zu "coachen", sofern diese Planlosigkeit überhaupt etwas mit Coachen zu tun hat, über einen Sportdirektor, der offenbar nun von gar niemanden mehr wahr oder besser gesagt ernst genommen wird bis zu einem Präsidenten, der sich anschickt, in vereinsinternen Machtkämpfen aus reiner Sturheit sein Lebenswerk, das den FC Bayern in die Top 3 Europas geführt hatte, selbst zu zerstören. Vor der medialen Aussendarstellung wollen wir erst gar nicht mal anfangen. Rebic statt James.... ich könnte heulen!
Geht es auch eine Nummer kleiner? Kovac dirigiert den Umbruch sehrte gut. Zeiten ändern sich eben, aber sie scheinen sechs oder sieben Jahre in der Vergangenheit zu denken. Kaum ein Club spielt so lange oben mit in Europa wie Bayern, da wird schon lange alles richtig gemacht. Von James habe ich noch kaum ein gutes Spiel gesehen, er hat sich in meinen Augen seit Jahren nicht mehr verbessert.
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