Bundesliga-Aufsteiger Greuther Fürth »Der Franken-Meister is dann amohl wech!«

Am letzten Zweitliga-Spieltag hat Greuther Fürth doch noch den Sprung auf die direkten Aufstiegsplätze geschafft. Nach neun Jahren sind die Franken zurück in der Bundesliga – und wollen bleiben.
Party in Fürth – der Klub ist zurück in der 1. Liga

Party in Fürth – der Klub ist zurück in der 1. Liga

Foto: Daniel Karmann / dpa

Klatschnass saß Fürths Trainer Stefan Leitl nach einer Bier- und Schampus-Dusche seiner Spieler auf einem Podium in der Fürther Arena. Aber der gefeierte Coach der Spielvereinigung Greuther Fürth nahm seinen übermütigen »Jungs« den Überfall nach dem Happy End in der 2. Bundesliga nicht übel. Im Gegenteil.

Der 43-Jährige kostete den schönsten Moment seiner Trainerkarriere in vollen Zügen aus. »Für mich ist das ein Fußballmärchen, das wir geschrieben haben«, sagte Leitl: »Ich habe keine Worte dafür.«

Die ganze Dimension des 3:2 (0:1)-Sieges gegen Fortuna Düsseldorf, der dank des Kieler Patzers gegen Darmstadt den zweiten Aufstieg nach 2012 bedeutete, verpackte Leitl in einen einzigen Satz: »Nächstes Jahr spielen wir gegen Bayern München.«

Kleine Spitze gegen den Lokalrivalen

Großer Fußball. Bayern, Dortmund heißt also die Zukunft – statt Aue, Sandhausen und, ja, statt Nürnberg. Eine kleine Spitze gegen den Lokalrivalen musste im Aufstiegsrausch sein. Sie stand auf den schwarzen Aufstiegs-Shirts, die sich Kapitän Branimir Hrgota und seine Teamkollegen überstreiften: »Der Franken-Meister is dann amohl wech!« Fürth ist obenauf. »Mir sin erschdklassich!«, jubelte der Verein auf Fränkisch.

Die Fürther feiern den ersten Aufstieg seit 2012

Die Fürther feiern den ersten Aufstieg seit 2012

Foto: Sportfoto Zink / Wolfgang Zink / imago images/Zink

Am Pfingstmontag durfte sich die Mannschaft ins Goldene Buch der 127.000-Einwohner-Stadt eintragen. Eine junge Billigtruppe hat die Großen der 2. Liga wie den Hamburger SV düpiert. »Dieses Märchen tut dem Verein sehr gut und war auch zwingend notwendig, um weiter zu wachsen und ihn auf Jahre hinweg konkurrenzfähig zu machen«, kommentierte Leitl: »Es war eine mega anstrengende Saison.«

Und das allerletzte Spiel war irgendwie »ein Spiegelbild für das ganze Jahr«, wie der 43-Jährige schwärmte. Trotz Unterzahl nach dem Platzverweis für U21-Nationalspieler Anton Stach kamen Leitls Profis nach zwei Rückständen zurück. »Nach der Roten Karte waren wir down«, gab Kapitän Hrgota zu. Aber in der Kabine rappelten sie sich auf. Nach dem Elfmetertor von Hrgota zum 1:1 und dem 2:2 von Julian Green schoss Joker Dickson Abiama, ein Stürmer, der im Sommer 2020 aus der fünften Liga kam, das enthusiastisch bejubelte Aufstiegstor.

»Die Jungs haben es verdient, Bundesliga spielen zu dürfen«, sagt Leitl. Der Ex-Profi, der im Februar 2019 in Fürth übernahm, gilt als Vater des Aufstiegs. »Er macht als Trainer einen super Job. Als er kam, hat das etwas mit uns gemacht. Er hat uns immer weiterentwickelt«, sagte der ehemalige Bayern-Profi Green.

Nach dem ersten Aufstieg 2012 stiegen die Fürther prompt wieder ab, als Letzter mit nur 21 Punkten. Viel Arbeit wartet auf die Verantwortlichen um den klug agierenden Sportdirektor Rachid Azzouzi. »Es ist kein Urlaub angesagt«, sagte Leitl, der sofort an die Zukunft dachte und eindringlich mahnte: »Wir müssen etwas tun, um in der Bundesliga dann auch erfolgreich zu sein.« Der Coach dachte dabei nicht nur an die auslaufenden Verträge der Topstürmer Hrgota (16 Saisontore) und Havard Nielsen (11). Man müsse versuchen, das Duo »zu halten«, forderte Leitl, dessen Vertrag zum Glück für den Verein noch bis 2023 gültig ist.

In den U21-Nationalspielern David Raum (Hoffenheim) und Paul Jaeckl (Union Berlin) sowie Mittelfeldspieler Sebastian Ernst (Hannover 96) verlieren die Franken bereits drei Stammkräfte und Leistungsträger. »Wir haben schon noch ein paar offene Themen«, so Leitl. Mit den vielfach höheren TV-Einnahmen als Erstligist eröffnen sich aber auch deutlich mehr Möglichkeiten. Dennoch kündigte Azzouzi an: »Wir werden auch in der Bundesliga unseren Weg weitergehen und nichts Verrücktes machen.«

aha/dpa
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