Bayers Kantersieg über Frankfurt Spiel, Satz und Sieg

Sechsmal traf Bayer Leverkusen in das Tor von Eintracht Frankfurt. Wohlgemerkt in den ersten 36 Minuten. Während Bayer einen neuen Rekord aufstellte, hatten die Frankfurter mit Rotationen zu kämpfen.

Das Ergebnis in Leverkusen ließ eine Verfehlung der Sportart vermuten.
Rolf Vennenbernd/DPA

Das Ergebnis in Leverkusen ließ eine Verfehlung der Sportart vermuten.

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Die Spielhälfte der Saison: Lieferte Bayer Leverkusen gegen Eintracht Frankfurt. Bayer brauchte gegen den Konkurrenten um die Champions-League-Plätze nur die ersten 36 Minuten, um sechs Tore zu erzielen. Das ist eingestellter Rekord - und zuvor erst vier Mannschaften in der Bundesligageschichte gelungen. Leverkusen spielte in einer Dominanz und Erbarmungslosigkeit, durch die man sich nahezu um die Europapokalhelden der Eintracht sorgen musste.

Das Ergebnis: Angesichts des Halbzeitstandes von 6:1 ist das Endergebnis für neutrale Zuschauer schon fast enttäuschend: Nämlich ebenfalls 6:1. Hier geht es zum Spielbericht.

Spiel, Satz und Sieg: Das schnelle halbe Dutzend in den ersten 45 Minuten ließ viele Zuschauer verwundert die eigene Reiseplanung überprüfen, hätte man angesichts des Halbzeitstandes auch bei dem in München stattfindenden ATP-Tennis-Turnier sein können. Statt der dortigen Finalisten Christian Garín und Matteo Berrettini spielten sich in Leverkusen Julian Brandt und Kai Havertz die Bälle zu, zumeist ebenfalls direkt. Die Frankfurter fungierten, möchte man in der Tennissprache bleiben, als Netz: Mal blieb ein Ball hängen, in der Regel wurden sie aber überspielt.

Fußball in Vollendung: Es ist kein Geheimnis, dass Leverkusen in der Lage ist, schönen Fußball zu spielen. Das bedingt allein die Vielzahl an großen Talenten, die sich im Kader tummeln. Das Direktspiel der ersten Hälfte, die Zielstrebigkeit im Abschluss - wäre Bayers fehlende Konstanz in dieser Saison nicht so offensichtlich, man hätte sich angesichts der Leistung wundern müssen, warum diese Mannschaft nicht um die Meisterschaft mitspielt.

Effizienz 04: Obwohl Bayer in der ersten Hälfte über 80 Prozent Ballbesitz hatte, schossen sie nur achtmal auf das Frankfurter Tor. Wenn sie dann abschlossen, war der Ball zumeist drin. Dabei machte Frankfurts Keeper Kevin Trapp keine schlechte Partie. Vielmehr lässt sich das durch die Spielkultur der Leverkusener erklären, kombinieren sie sich so weit vor das gegnerische Tor, dass ein Abschluss nahezu sicheren Erfolg bringt. Fünf Tore wurden aus dem Strafraum erzielt, lediglich das 1:0 durch Kai Havertz von außerhalb des Strafraums (2. Minute). Mit der individuellen Klasse des jungen Nationalspielers funktionierte auch diese Variante: Eine Hereingabe nahm Havertz mit dem ersten Kontakt an, mit dem zweiten ließ er Torhüter Kevin Trapp im langen Eck keine Chance.

Frankfurts Trainer Adi Hütter verspekulierte sich mit seiner Aufstellung.
Rolf Vennenbernd/DPA

Frankfurts Trainer Adi Hütter verspekulierte sich mit seiner Aufstellung.

Rotationsopfer: So werden Spieler bezeichnet, die durch eine hohe Frequenz an Spielen in einer Partie geschont werden. Gegen Leverkusen waren die tatsächlichen Rotationsopfer diejenigen Spieler, die auf dem Platz stehen mussten. Nachdem sich die Mannschaft unter der Woche gegen den FC Chelsea aufgerieben hatte, schickte Trainer Adi Hütter eine personell sowie taktisch veränderte Aufstellung ins Rennen. Luka Jovic und Mijat Gacinovic saßen zunächst auf der Bank und mit Almamy Touré und Evan N'Dicka spielten zwei Innenverteidiger auf den Außenpositionen. Das ging bitter schief: Nach nur 37 Minuten wechselte Hütter doppelt - und gestand sich offenbar selbst ein, dass seine Mannschaft keine großartige Rotation verträgt.

Gefeiert wird trotzdem: Weil Frankfurt eine Saison spielt, die auch eine völlig verkorkste Spielhälfte nicht entstellen kann, feierten die mitgereisten Fans nach der Partie ihre Mannschaft. Denn auch wenn Frankfurt gegen nun punktgleiche Leverkusener insgesamt zehn Treffer in der Tordifferenz einbüßen musste, stehen sie immer noch auf dem für die Champions League legitimierenden vierten Tabellenplatz. Zudem haben sie am kommenden Donnerstag beim FC Chelsea (21 Uhr; TV: RTL und Dazn; Liveticker SPIEGEL ONLINE) die Möglichkeit, in das Finale der Europa League einzuziehen.

Bayer Leverkusen - Eintracht Frankfurt 6:1 (6:1)
1:0 Havertz (2.)
2:0 Brandt (13.)
2:1 Kostic (14.)
3:1 Alario (23.)
4:1 Aranguiz (28.)
5:1 Alario (34.)
6:1 Hinteregger (36., Eigentor)
Leverkusen: Hradecky - Tah, S. Bender (60. Dragovic), Wendell - Baumgartlinger, Aránguiz - L. Bender (67. Weiser), Volland - Havertz, Brandt - Alario (83. Paulinho)
Frankfurt:
Trapp - Touré, Abraham, Hasebe, Hinteregger, N'Dicka (37. Jovic) - Fernandes, Willems (37. Gacinovic) - da Costa (74. Chandler), Kostic - Rebic
Schiedsrichter:
Hartmann
Gelbe Karten: - / Abraham, Fernandes, Hinteregger
Zuschauer: 30.000



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aggro_aggro 05.05.2019
1. Tordifferenz
Frankfurt steht nur noch durch die bessere Tordifferenz auf dem Champions-League-Platz. Entsprechend desaströs ist das Ergebnis, 10 von 15 Toren Vorsprung verspielt. Man muss allerdings auch sagen, dass der K.O. in der zweiten Halbzeit ausgeblieben ist, Frankfurt taumelte, aber bekam keine weiteren Wirkungstreffer mehr. Ich wünsche der Eintracht die Champions League, Leverkusen wird keine europäische Spitzenmannschaft mehr, Frankfurt oder Leipzig haben da mehr Potential.
Broko 06.05.2019
2.
Komisch: Wenn der FC Bayern seine Gegner mit fünf, sechs Toren Unterschied filetiert, liegt das immer an der schwachen Tagesform, am Kräfteverschleiß oder am mangelhaften Defensivverhalten der Gegner - bei Leverkusen, Dortmund oder Leipzig liegt das stets an den göttlichen Fähigkeiten der Sieger! Wie seltsam doch die Wahrnehmung bei Deutschlands Fußball-"Experten" ist ...
ferryh 06.05.2019
3. Mehr Tore wären gut gewesen..
ohne unverschämt zu sein: Leverkusen hätte im zweiten Durchgang nachlegen müssen, die Möglichkeiten waren da und der Spielverlauf hat es hergegeben. Frankfurt hat nur noch Schadensbegrenzung betrieben. Aber ich hatte den Eindruck, dass Leverkusen es dann zu spielerisch vor dem Tor machen wollte. Man hätte mit jedem weiteren Tor das Torverhältnis doppelt verbessern können. Nicht, dass es am Ende wieder daran scheitert wie letzte Saison....
mostly_harmless 06.05.2019
4. Gezockt und verloren
Das Konzept Adi Hütters, mit anderer Taktik und anderer Aufstellung in Leverkusen ein Remis zu holen, war nach ein paar Minuten "im Mülleimer". Ob die Strategie, zu Gunsten eines möglichen Finaleinzugs in der Euroleague das während der Saison in der Bundesliga erreichte aufs Spiel zu setzen aufgeht, bleibt abzuwarten. Aber ich persönlich glaube nicht, dass die Eintracht an der Stamford Bridge mindestens 2 Tore schiesst und nicht verliert.
sodaso 06.05.2019
5. Liebr Europa League
Für Großes in der CL sind beide Manschaften nicht gut genug. Ist aber auch egal. Vorteil EL: Wer dort spielt, wird gesehen und war genommen. Es sei denn, die CL kommt wieder ins free TV. Daher ist mir die Eintracht in der EL lieber, da kann ich sie sehen. :-)
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