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Bayer-Sieg gegen Gladbach: Torfestival in Leverkusen

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Leverkusens Siegesserie Fliegender Start

Die Bayern quälen sich mehr als zu glänzen; der BVB vergibt reihenweise Chancen; aber bei Leverkusen läuft es schon rund. Saisonübergreifend hat Bayer acht Spiele in Folge gewonnen. Da ist es kaum verwunderlich, dass Teamchef Sami Hyypiä gar keine Verstärkungen will.

Es war eine bemerkenswerte Antwort, die Sami Hyypiä lieferte, als ihn nach dem 4:2-Sieg Bayer Leverkusens gegen Borussia Mönchengladbach jemand daran erinnerte, dass das Management seines Clubs daran arbeitet, in den kommenden Tagen noch einen prominenten Offensivspieler zu verpflichten. Angeblich steht eine zweistellige Millionensumme zur Verfügung. Die meisten Trainer betonen in solchen Situationen, dass sie einen hochklassigen Spieler dringend gebrauchen können - damit die Funktionäre auch ja nicht auf die Idee kommen, das Geld könne eventuell eingespart werden.

Leverkusens Teamchef Hyypiä jedoch sagte geradezu desinteressiert: "Wenn noch jemand kommt, dann ist das in Ordnung. Und wenn keiner kommt, ist das auch okay."

Auf den ersten Blick klangen diese Worte nach Gleichgültigkeit, in Wahrheit verbarg sich aber ein Kompliment hinter den beiden kurzen Sätzen. Offenbar glaubt der Coach, dass Bayer Leverkusen auch ohne weiteren Transfer ganz hervorragend funktionieren wird. "Es ist sehr gut, wie die Mannschaft in den letzten Partien gespielt hat, das ist ein Schritt vorwärts", so Hyypiä.

Schon im vorigen Jahr war Leverkusen jenseits der Hysterie um Bayern München und Borussia Dortmund souverän Dritter in der Liga geworden, nur einen Punkt hinter dem BVB. Nun hat Bayer schon wieder die ersten drei Spiele gewonnen, am Ende der beeindruckenden Darbietung gegen Mönchengladbach notierten die Statistiker saisonübergreifend den achten Bundesliga-Sieg in Folge, Vereinsrekord.

Leverkusen baut nicht um, sondern entwickelt sich weiter

Obwohl mit André Schürrle (Chelsea) und Daniel Carvajal (Real Madrid) zwei Leistungsträger den Club verlassen haben, wirkt die Mannschaft homogener und stabiler. "Wir haben eine sehr gute Mentalität im Team", sagte der zweifache Torschütze Sidney Sam (28. Minute/54.), und rief damit ein Thema in Erinnerung, das die Leverkusener eigentlich gar nicht leiden können: Den alten Vorwurf, es fehlten das Siegergen und die Willenskraft, die notwendig ist, wenn Widrigkeiten zu überwinden sind.

Zuletzt präsentierten die Leverkusener sich aber bemerkenswert konsequent, und niemand verkörpert diese Mischung aus Qualität und Siegeswillen so wie Stefan Kießling. Zwar wurde der zweifache Torschütze Sidney Sam als Held des Nachmittags gefeiert, der überragende Spieler war aber der Torschützenkönig der Vorsaison. Den ersten Treffer erzielte Kießling per Handelfmeter selbst (23.), zu den beiden Sam-Toren lieferte er die Vorlage. Vor allem beim ersten Assist blitze eine Brillanz auf, die auch den anwesenden Bundestrainer Joachim Löw begeistert haben dürfte.

In höchstem Tempo sprintete Kießling mit Ball auf das Gladbacher Tor zu, die meisten Stürmer hätten selbst geschossen, doch Kießling spielte einen perfekt getimten Rückpass exakt auf den starken linken Fuß Sams. Unter anderem wegen solcher Aktionen schätzt Löw seinen Lieblingsstürmer Miroslav Klose so sehr. Aber es ist natürlich nicht nur Kießling, der die Mannschaft so stark macht.

Kießling bremst die Euphorie

Anders als in München oder auf Schalke findet hier weniger ein Umbau statt als eine Weiterentwicklung. So hat beispielsweise Sam ein neues Reifestadium erreicht, und Heung-Min Son ist selbst an so einem weniger starken Nachmittag wie gegen Gladbach eine Bereicherung. Denn im Gegensatz zu seinem Vorgänger Schürrle ist er ein sehr konstruktiver Kombinationsspieler. Lars Bender hat sich zu einem Führungsspieler entwickelt, Stefan Reinartz agiert als zuverlässige strategische Zentrale, Innenverteidiger Ömer Toprak ist endlich stabil, und die Zugänge scheinen zu passen.

Bis auf wenige Phasen fand die in der vorigen Woche noch gefeierte Gladbacher Offensive kaum Lücken in der Leverkusener Abwehr. Und das hatte viel mit Emir Spahic zu tun, der sich als ein Schlüsseltransfer entpuppen könnte. Der Innenverteidiger sorge für "Ruhe, natürlich haben wir eine junge Mannschaft und er bringt die Erfahrung dazu", sagte Hyypiä über den Bosnier, dem der Ruf eines ebenso eisenharten wie ausgebufften Profis vorauseilt.

Einige Beobachter meinen bereits, dieses Kollektiv könne um die Meisterschaft mitspielen, aber solche Gedanken gehen den Leverkusenern im Moment entschieden zu weit. So sagte Kießling, als es ihm zu viel wurde mit der Schwärmerei: "Bald gehen die englischen Wochen los, da können schnell wieder andere Phasen kommen."

Und dann freut sich vielleicht auch Hyypiä noch über einen prominenten Neuzugang, denn sollte Kießling sich verletzen, wird der Trainer im Kader vergeblich nach einem Spieler suchen, der die wichtige Rolle im Sturmzentrum übernehmen kann.

Bayer Leverkusen - Borussia Mönchengladbach 4:2 (2:0)
1:0 Kießling (23., Handelfmeter)
2:0 Sam (28.)
2:1 Stranzl (54.)
2:2 Arango (57.)
3:2 Sam (60.)
4:2 Castro (72.)
Leverkusen: Leno - Hilbert (61. Donati), Toprak, Spahic, Boenisch - Bender, Reinartz, Castro - Sam, Kießling (83. Hegeler), Son (88. Kruse)
Mönchengladbach: ter Stegen - Jantschke, Stranzl, Domínguez, Daems - Kramer, Xhaka (75. Hrgota) - Herrmann (87. de Jong), Raffael, Arango (75. Younes) - Kruse
Schiedsrichter: Brych
Zuschauer: 29.243
Gelbe Karten: - Xhaka (2)

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