Leverkusens Pleite in Braunschweig "Wir waren einfach schlecht"

Bayer Leverkusen hat den Anschluss an die Spitze verloren. Grund ist ausgerechnet eine Niederlage beim Tabellenletzten Braunschweig. Der Versuch von Trainer Hyypiä, eine neue Sturmformation zu testen, scheiterte auf ganzer Linie.

AFP

Aus Braunschweig berichtet


SPIEGEL ONLINE Fußball
Erst nach dem Abpfiff war echte Angriffslust zu spüren. "Wir hatten kein Einstellungsproblem", sagte Roberto Hilbert und schickte gleich hinterher: "Arroganz kann man uns nicht unterstellen." Der Rechtsverteidiger von Bayer Leverkusen und seine Kollegen mussten sich nach der 0:1 (0:0)-Pleite beim Tabellenletzten Eintracht Braunschweig kritische Fragen gefallen lassen. War das zu lethargisch? Eines Spitzenteams würdig?

In jedem Fall hat der halbherzige Auftritt nicht gereicht, um bei den Siegesserien von Bayern München und Borussia Dortmund mithalten zu können. Leverkusen hat in der Tabelle nun vier beziehungsweise drei Punkte Rückstand auf die Spitze. Der Versuch von Bayer-Trainer Sami Hyypiä, mehrere Stammspieler zu schonen, ist gründlich misslungen und mit dem Siegtreffer von Domi Kumbela (81. Minute) bestraft worden.

Bis Mitte der zweiten Halbzeit hatten unter anderem die besten Torjäger Stefan Kießling und Sidney Sam nur auf der Leverkusener Bank gesessen. Beide kamen erst zum Einsatz, als sich ankündigte, dass der aufgebotene Ersatz nicht gut genug war, um das schwächste Team der Liga zu bezwingen. "Wir waren einfach schlecht. Und wir müssen immer ans Limit gehen, um zu gewinnen", sagte Rudi Völler. Selbstkritisch gestand Leverkusens Sportdirektor ein, dass es diesen feinen Unterschied zur Konkurrenz auf den ersten beiden Tabellenplätzen gibt - obwohl auch die Dortmunder bereits Schwächen in der Breite offenbarten.

Die Reservisten, die Hyypiä in seine Startelf befördert hatte, enttäuschten auf ganzer Linie. Mit Eren Derdiyok, Jens Hegeler und Robbie Kruse hatte er sich für eine völlig neue Sturmformation entschieden, der es an Routine und Abstimmung fehlte. Entsprechend schwer gestaltete sich das Bemühen der Mittelfeldspieler, den eigenen Angriff in Szene zu setzen.

Hyypiä steht hinter seinen Entscheidungen

Während die glücklichen Sieger vor Freude tanzten und den ersten Heimsieg seit dem Bundesliga-Aufstieg genüsslich feierten, schlichen die Bayer-Profis mit hängenden Köpfen vom Platz. Drei Tage vor ihrer Reise zum Champions-League-Spiel bei Schachtjor Donezk (Dienstag, 20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE, TV: Sky) mussten sie sich den Vorwurf gefallen lassen, dass der letzte Elan fehlte. "Braunschweig hat mehr Willen auf dem Platz gezeigt und war stärker im Zweikampf", sagte Coach Hyypiä nach seinem verlorenen Pokerspiel.

Der Finne musste kurz vor dem Abpfiff auch noch mitansehen, wie Lars Bender die Gelb-Rote Karte sah. Die wiederholten Foulspiele des erst zur zweiten Hälfte eingewechselten Nationalspielers waren kein Zeichen von Aufbäumen, sondern Hilflosigkeit geschuldet. Weil Braunschweig beherzt verteidigte, fand Leverkusen nicht das richtige Mittel. Karim Bellarabi, von Leverkusen an die Eintracht ausgeliehen, ließ Bender und Co. mit frechen Dribblings schlecht aussehen. "Ich habe mich auf meine Sache konzentriert. Und dann kam noch Adrenalin dazu", sagte Bellarabi nach der Sensation gegen seinen Stammverein.

Die Verantwortung für die misslungene Personalrotation nahm der Trainer voll und ganz auf sich. "Ich stehe hinter meinen Entscheidungen. Wir haben einen großen Kader, den möchte ich nutzen", sagte Hyypiä. Aber die Vertreter der eigentlichen Stars konnten ihre Chance zur Bewährung eben nicht nutzen. Und Kießling selbst hatte die letzte Torchance in der Nachspielzeit kläglich verstolpert.

Zum Abschluss einer Woche, in der er wegen des Phantomtors vor dem Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes aussagen musste und aus Verletzungsgründen kaum trainiert hatte, passte er sich dem mäßigen Niveau seiner Mannschaft an. Während die Braunschweiger ausgelassen jubelten, diskutierten Kießling und seine Kollegen noch auf dem Platz über die eigenen Versäumnisse. Die meisten der Leverkusener Profis verließen das Stadion als schweigende Verlierer. Hyypiä muss sich ankreiden lassen, dass seine Rotation erst die aufgebotenen Reservisten und dann auch noch die eigentlichen Stammspieler außer Tritt gebracht hat.

Eintracht Braunschweig - Bayer Leverkusen 1:0 (0:0)
1:0 Kumbela (81.)
Braunschweig: Davari - Elabdellaoui, Bicakcic, Dogan, Reichel - Kratz, Vrancic, Theuerkauf - Bellarabi, Boland (90.+2 Kruppke) - Kumbela (86. Ademi)
Leverkusen: Leno - Hilbert, Wollscheid, Toprak, Boenisch - Can (46. Bender), Rolfes, Castro - Kruse (63. Sam), Derdiyok (63. Kießling), Hegeler
Schiedsrichter: Sippel
Zuschauer: 22.720
Gelb-Rote Karte: Bender wegen wiederholten Foulspiels (90.+3)
Gelbe Karten: Dogan, Reichel (2) - Castro (2), Sam (2)

insgesamt 24 Beiträge
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Seite 1
harry2405 03.11.2013
1. Leverkusen..
ist über seine Arroganz gestolpert, wie vorher schon die VW-Schnösel. Wer glaubt, mit einer B-Elf zum Tabellenletzten fahren zu können und mal eben locker einen Sieg mitnehmen zu können, der muß sich nicht wundern, wenn es schiefgeht. Eintracht hat hingegen alles gegeben und hatte neben einer bewundernswerten Mannschaftsleistung und beispiellosen Fans ausnahmsweise mal ein wenig Glück. Viel Glück auch gegen Peine Ost nächste Woche. Ihr packt das!
harry2405 03.11.2013
2. Leverkusen...
Ich meine natürlich PEINE WEST.
Trainspotter 03.11.2013
3. Reservisten?
In dem Artikel wird ja fast so getan, als seien die zu Beginn eingesetzten Spieler sonst in der 2. Mannschaft zu Gange. Gerade Robbie Kruse und Derdiyok haben schon oft gezeigt was sie drauf haben, von daher kann man Hyypiä da keinerlei Vorwürfe machen, wenn er gegen den Tabellenletzten zwei normalerweise gute Stürmer einsetzt. Ich hab das Spiel nicht gesehen, aber das hört sich eher so an, als habe die Mannschaft als ganzes schwach gespielt und nicht nur die Stürmer.
optaeck 03.11.2013
4. Retortenclub-Jäger
Erst VW Wolfsburg, jetzt die Pillendreher aus Leverkusen: Hoffenheim kann sich schon mal warm anziehen!
uksubs 03.11.2013
5. ....ein bißchen pep
gespielt und verloren. während gardiola, das sei hier auch noch gesagt - wenn ich schon mal einen kommentar zum fußball abgebe -mit seinen rotationen auch nicht richtig gut aussieht, dass hat man gestern gesehen. letztendlich spielt er bvb, der widerrum barca spielt. ist doch keine schande.....
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