Fotostrecke

Leverkusen vor der neuen Saison: Der neue Bayern-Jäger

Foto: Marius Becker/ dpa

Bayer 04 vor der Bundesliga-Saison Endlich wieder Vizekusen (mindestens)

Bayer Leverkusen wird Meister, das sagt zumindest Hertha-Trainer Pál Dárdai. Tatsächlich ist der Kader stark wie lange nicht. Auch dank DFB-Coach Joachim Löw könnte der Klub Bayerns ärgster Verfolger werden.

Ja-Cheol Koo hatte gerade sein drittes Tor geschossen: 25. Spieltag, vergangene Saison, Bayer Leverkusen lag gegen den FC Augsburg 0:3 zurück. Alles sah nach der vierten Bundesliga-Pleite in Folge aus, und Trainer Roger Schmidt, damals wegen des peinlichen Schiedsrichter-Zoffs mit Felix Zwayer gesperrt, drohte die Entlassung.

Es kam anders.

Leverkusen startete eine beeindruckende Aufholjagd, erreichte noch ein 3:3 dank eines Elfmetertors von Hakan Calhanoglu in der Nachspielzeit. Es folgten in den abschließenden neun Liga-Spielen weitere acht Siege, sieben davon in Folge - nur die Bayern holten in diesem Zeitraum noch einen Punkt mehr. Seit dem 5. März in Augsburg ist das Team nicht mehr wiederzuerkennen.

Und auch ein Meisterkandidat für die kommende Saison, das glaubt zumindest Hertha-Trainer Pál Dárdai: "Das ist eine gefährliche Mannschaft mit schnellen Spielern und einem guten Trainer", so die Erklärung zu seinem Meistertipp . Dazu kommt der starke Schlusstrend der abgelaufenen Spielzeit und ein selbstbewusster Coach. Schmidt kündigte Anfang Juli die beste Saison unter seiner Regie an. Endlich Meister?

"Vizekusen" wäre ein Erfolg

Leverkusen gewann in seiner Vereinsgeschichte noch nie die Liga. Es wäre überraschend, wenn sich das mit der kommenden Saison ändern würde, die Dominanz des FC Bayern ist mit den weiteren Verstärkungen in Person von Mats Hummels und Renato Sanches wahrscheinlich noch größer geworden. Doch Leverkusen könnte etwas gelingen, was ihnen seit der Spielzeit 2010/2011 nicht mehr gelungen ist, etwas, womit sie um die Jahrtausendwende bekannt geworden sind. Der Klub und die Fans mögen diesen Ruf zwar nicht sonderlich, doch diesmal würde er als großer Erfolg gewertet werden: Bayer könnte endlich wieder "Vizekusen" werden.

Fotostrecke

Leverkusen vor der neuen Saison: Der neue Bayern-Jäger

Foto: Marius Becker/ dpa

Dass am Ende nicht Borussia Dortmund Bayerns ärgster Verfolger sein wird, sondern Leverkusen, ist durchaus denkbar. Während der BVB seine Mannschaft mit acht Zugängen und Abgängen der Leistungsträger Hummels, Henrich Mchitarjan und Ilkay Gündogan komplett umkrempelte, kann Bayer auf ein eingespieltes Team setzen. Trainer Schmidt hat bis auf den in Leverkusen ohnehin nicht allzu geschätzten Christoph Kramer keinen Spieler abgegeben. Ömer Toprak, Chicharito oder Karim Bellarabi - Rudi Völler ließ die Konkurrenz reihenweise abblitzen.

Der Sportdirektor und Manager Jonas Boldt haben ganze Arbeit geleistet, auch weil sie den Kader mit Kevin Volland und Julian Baumgartlinger sinnvoll verstärkten. Beide haben ihre Bundesliga-Tauglichkeit in Hoffenheim und Mainz über Jahre nachgewiesen.

Endlich gesund: Aránguiz ist Leverkusens stärkster "Zugang"

Dazu muss man Charles Aránguiz beinahe auch als Zugang betrachten. Im vergangenen Jahr fiel der 27-Jährige mit einer schweren Verletzung monatelang aus. Wie stark der Mittelfeldspieler ist, bewies er in seinen fünf Startelfeinsätzen zum Saisonabschluss mit zwei Toren und zwei Vorlagen. Der Copa-América-Sieg mit Chile dürfte Aránguiz noch eine Portion Selbstvertrauen mitgegeben haben. Mit Aleksandar Dragovic von Dynamo Kiew steht zudem ein weiterer talentierter Verteidiger auf der Einkaufsliste, falls Toprak doch noch gehen sollte. Und die hochveranlagten Defensivspieler Jonathan Tah (20 Jahre) und Benjamin Henrichs (19 Jahre) werden sich noch weiterentwickeln.

Im Vorjahr belegte Bayer (60 Punkte) mit deutlichem Abstand hinter Vizemeister Dortmund (78 Punkte) Rang drei. Laut Schmidt sei eine Wiederholung dieser Platzierung "eine Herausforderung". Doch der 49-Jährige wird wissen: Es ist auch mehr möglich. Dafür darf er sich auch bei seinem Trainerkollegen Joachim Löw bedanken. Der DFB-Coach strich mit Julian Brandt und Karim Bellarabi zwei wichtige Leverkusen-Stammspieler aus dem EM-Kader. Beide gehen nun ausgeruht in die neue Saison. Zwar spielt Brandt, wie auch Kapitän Lars Bender, noch bei den Olympischen Spielen (5. August bis 21. August), ein Nachtteil ist das jedoch nicht, weil beide im Team ihren festen Platz haben und noch vor dem ersten Spieltag am 27. August zurück sein werden.

Der Gegner heißt dann Borussia Mönchengladbach, ein Kräftemessen gleich zu Beginn um die Top-Platzierungen. Ein Sieg dort, und der erste Schritt zur "Vizekusen"-Rückkehr wäre getan.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.