Trotz Sieg gegen Hoffenheim Das falsche Prickeln bei den Bayern

Gewonnen, Rekord eingestellt, zurück an der Tabellenspitze - alles gut also bei den Bayern? Nein. Die Münchner sind trotz ihres Sieges in Sinsheim unzufrieden. Torhüter Neuer patzte, wieder geriet das Team in Rückstand. Trainer Guardiola erwägt schon, seine Taktik zu ändern.

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Aus Sinsheim berichtet


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Man konnte Pep Guardiola nicht böse sein, dass er der Frage auswich, was ihm der Bundesliga-Rekord bedeutet. Der Spanier hatte mit dem FC Barcelona ein halbes Jahrzehnt lang den europäischen Fußball beherrscht. Barça galt als beste Mannschaft der Welt, stellte Rekord um Rekord auf.

Was ist dagegen schon die Bestmarke des Hamburger SV, der zwischen Januar 1982 und Januar 1983 in der Bundesliga 36-mal ungeschlagen blieb? Diesen stellte Guardiola jetzt mit dem FC Bayern durch das 2:1 (1:1) bei 1899 Hoffenheim ein. Mit einem Unentschieden im Heimspiel gegen den FC Augsburg am kommenden Wochenende kann er den Bayern ganz alleine gehören.

Am kommenden Dienstag (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) winkt schließlich schon der nächste historische Triumph: In Pilsen können die Münchner das neunte Champions League Spiel in Serie gewinnen. Diesen Rekord hält übrigens der FC Barcelona.

Es sei "schön, deutsche Fußballgeschichte zu schreiben", sagte Kapitän Philipp Lahm zwar, doch das Interesse seines Trainers dürfte mehr der Rückeroberung der Tabellenführung gegolten haben als dem historischen Erfolg. Auch für Münchens Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge ist die Meisterschaft wichtiger, wie er in der Rhein-Neckar Arena zu verstehen gab.

Guardiola will über Taktik nachdenken

Doch richtig zufrieden mit dem Sieg in Sinsheim schien niemand: Schließlich war die Partie bei Hoffenheim bereits das dritte Bundesliga-Spiel in Folge, in der die Münchner einem Rückstand hinterherliefen. Schon gegen Hertha BSC und Mainz war das so. "Nach dem 0:1 heute mussten wir richtig arbeiten", sagte Lahm. Mario Götze sagte, das sei "nicht so prickelnd, wir sind nicht zwingend genug und kommen zu oft schlecht ins Spiel". Auch Guardiola vermisst wohl das wohlige Prickeln eines klaren Sieges. Er sagte, er müsse über die "Taktik nachdenken".

Der Coach hatte auch gegen Hoffenheim wieder kräftig rotiert: Lahm spielte zunächst als rechter Verteidiger, dann in der Mitte und in Hälfte zwei auf der rechten Außenbahn. "Der Trainer hat zu entscheiden, wo ich am wertvollsten bin", sagte Lahm, der im Mittelfeld zunächst Javier Martínez Platz gemacht hatte, der seinen ersten Startelf-Einsatz unter Guardiola feierte.

Im Vergleich zu den starken Auftritten in der Champions League bei Manchester City und gegen Viktoria Pilsen wirkte der Auftritt in Sinsheim doch arg unrund. Nationaltorwart Manuel Neuer griff nach einer Flanke am Ball vorbei und Niklas Süle schoss diesen ins Tor (34. Minute). Immerhin: Sechs Minuten später traf Franck Ribéry mit seinem Freistoß Mario Mandzukic, der den Ball unhaltbar abfälschte (39.). Dass Thomas Müller den Ball aus dem Gewühl heraus zum 2:1 (75.) über die Linie stocherte, passte zum holprigen Auftritt der Bayern.

"Das war nicht unsere beste Performance. Ich kann nicht sagen, wir haben gut gespielt. Wir werden das verbessern müssen, aber das bespreche ich mit meiner Mannschaft", sagte Guardiola, ohne tatsächlich wirklich viel aufzuklären: "Aber wir sind da, trotz solch schwerer Siege." Was sein Trainer unter anderem meinen könnte mit seinen Verbesserungsplänen, brachte Torhüter Manuel Neuer auf den Punkt: "Ziel muss es sein, mal keinen Rückstand zu kassieren."

1899 Hoffenheim - Bayern München 1:2 (1:1)
1:0 Süle (34.)
1:1 Mandzukic (39.)
1:2 Thomas Müller (75.)
Hoffenheim: Casteels - Beck, Abraham, Süle, Salihovic - Rudy (87. Vestergaard), Strobl - Volland, Herdling (78. Elyounoussi), Firmino - Modeste (81. Schipplock)
München: Neuer - Lahm, Boateng, Dante, Alaba - Martínez - Thomas Müller, Götze (80. Rafinha), Schweinsteiger, Ribery - Mandzukic (64. Toni Kroos)
Schiedsrichter: Tobias Welz
Zuschauer: 30.150 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Abraham (3), Rudy (3) -

insgesamt 77 Beiträge
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Seite 1
r.muck 02.11.2013
1. Achillesferse
Der Schönwetter-Keeper Neuer wird sich noch als größte Achillesferse der Bayern und übrigens auch der Nationalelf entpuppen.
dasbeau 02.11.2013
2. Welttorhüter Manuel Neuer
Es wäre reiner Hohn. Die Bayern haben nicht wegen, sondern trotz Neuer das Triple geholt. Durch die Topabwehr vor ihm fiel das nie so auf. Ein Blick in die N11 hingegen zeigt so manches...
Albalux 02.11.2013
3. Es scheint nur noch einen einzigen Bundesligaverein zu geben
Die tatsächliche und gefühlte Befindlichkeit des 1. FC Bayern ist wohl nur noch das einzige Thema, das die SPON-Sportredaktion interessiert. Es gibt 18 Vereine in der 1. Bundesliga, Leute. Alle von denen haben eine Geschichte, eine Mannschaft, ein Ziel. Nicht nur dieser pomadig-selbstherrliche Klub aus dem besonderen Bundesland. Geht's noch?
Traffical 03.11.2013
4. Tabellenplatz
da prickelts bei mir eigentlich immer. Die Sorgen möcht ich mal haben. Die CL Vorrunde ist ja auch schon so gut wie durch.
megaRa24 03.11.2013
5. grauenhaft, die schweinebauern
1x den kollegen versehentlich angeschossen und 1x rumgestochert. 2:1 bei der fussballmacht in sinsheim... LOOL
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