Bayern wieder Tabellenführer Ja, ist denn heut schon Weihnachten?

Der FC Bayern ist wieder Erster der Bundesliga. Karl-Heinz Rummenigge will Weißwürste und Weißbier nach Ingolstadt schicken. Anstatt mit Leipzig beschäftigt sich der Klub schon mit seiner Weihnachtsfeier.

Thomas Müller, Maskottchen Berni, Arjen Robben (v.l.)
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Thomas Müller, Maskottchen Berni, Arjen Robben (v.l.)

Von Florian Kinast, München


Die Augen von Karl-Heinz Rummenigge leuchteten, man hatte ihn in dieser Saison noch nicht so gelöst gesehen. Der Vorstandschef des FC Bayern wirkte beseelt, freudvoll wie ein Kind nach dem Auspacken der Geschenke am Gabentisch. "Ein wunderbarer Spieltag", frohlockte Rummenigge mit einem Lächeln, als wäre er gerade dem Christkind begegnet, "über solche Nachmittage darfst du dich nicht beschweren".

So war im Fußballstadion im Münchner Norden schon zwei Wochen vor Heiligabend Zeit für die große Bescherung. Dass der FC Bayern nach dem spektakulären 5:0 gegen den VfL Wolfsburg plötzlich wieder als Tabellenerster die Bundesliga anführt, das kam wegen der 0:1-Niederlage von RB Leipzig beim FC Ingolstadt völlig überraschend - es brachte dem Rekordmeister früher als erwartet aber wieder das kurz verloren gegangene Gefühl zurück, endlich wieder da zu stehen, wo man nach dem eigenen Selbstverständnis hingehört: ganz oben und sonst nirgends.

Drei Wochen lang, seit dem 0:1 in Dortmund, war der Meister nur noch Verfolger von Leipzig. Zähneknirschend sprachen Spieler und Verantwortliche von der Rolle als "Jäger", dass man "dranbleiben" wolle, dass der "Rückstand nicht größer" werden dürfe. Es war zu spüren, wie schwer ihnen solche Formulierungen fielen - der FC Bayern als Tabellenzweiter, das kam nicht einer Apokalypse gleich, aber doch fast. Jetzt ist die schlimme Zeit vorbei. Zweiter? War da was?

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Bundesliga: Die Schanzer stürzen den Spitzenreiter

Der Auftritt der Münchner erinnerte an die vergangenen drei Jahre unter Josep Guardiola und die ersten Wochen mit Carlo Ancelotti. Die Bayern dominierten vom ersten Moment an, gierig, überlegen, sie demontierten einen komplett überforderten Gegner nach Belieben. "Das war heute einfach brutal", flüsterte ein aschfahler Mario Gomez nach Abpfiff ins TV-Mikrofon. Er schien fast schockiert über die brachiale Spielgewalt, mit der die Münchner seine Mannschaft auseinandergenommen hatten.

In jüngster Zeit waren Gegner hier schon aufmüpfig geworden, Köln und Hoffenheim, die jeweils einen Punkt eroberten und sich am Ende ärgerten, nicht sogar gewonnen zu haben. Nun hat der FC Bayern die Welt wieder zurück in die Angeln gehoben, Manuel Neuer hat das in den letzten Wochen immer mantraartig heruntergebetet: "Wir müssen den Gegnern wieder zeigen, dass es hier bei uns nix zu holen gibt." Am Samstag haben sie das ganz gut gezeigt, vor allem weil Ancelotti nun endgültig sein Spielsystem geändert hat.

Der Trainer hat begriffen, dass seine Lieblingsstrategie, ein 4-3-3, bei diesem FC Bayern mit diesen Spielern nicht funktioniert. Wie beim souveränen 3:1 vor gut einer Woche in Mainz postierte er das Team mit einer 4-2-3-1-Formation. Vorne drin Robert Lewandowski, rechts Arjen Robben, links Franck Ribéry, in der Mitte als hängende Spitze Thomas Müller. Die Rückkehr des Traumquartetts, die gute alte Viererbande.

Ein Tor nach 999 Minuten Warten

Nach der Führung von Robben (18.) und den beiden Lewandowski-Toren (22., 58.) fehlte nur noch, dass Müller traf, und weil an diesem gelungenen Nachmittag alles passte, traf Müller dann auch. Eine Viertelstunde vor Schluss, sein lang ersehnter erster Bundesliga-Treffer dieser Saison, mit dem er seine Torflaute nach genau 999 Minuten beendete. "Eine schöne Sache", grinste Müller den wartenden Reportern entgegen, deren Fragen zu seiner Glücklosigkeit ihn zuletzt genervt hatten, "jetzt kann ich hier wieder lockerer vorbeimarschieren."

Ganz locker war neben ihm auch Robben, der Niederländer zeigte einmal mehr eine überragende Darbietung als Bewerbung um einen neuen Vertrag und sagte später: "Ich hoffe, die kennen meine Qualität." Tun sie sicher, die in der Vorstandsetage.

Weniger heiter war die Stimmung zehn Meter weiter bei Klaus Allofs. Wolfsburgs Geschäftsführer kündigte mögliche Neueinkäufe in der Winterpause an ("Wir müssen schauen, was wir auf dem Transfermarkt machen"), einen bevorstehenden Abschied des unwilligen Julian Draxler ("Wir haben ihm kein Preisschild umgehängt, aber wenn ein Angebot kommt, werden wir uns damit auseinandersetzen") und ließ erkennen, dass Valerién Ismael nicht mehr lange Cheftrainer sein dürfte: "Wir werden die Situation immer wieder neu bewerten und die richtigen Schlüsse daraus ziehen. So wie es der Fall war, als wir Dieter Hecking abgelöst haben."

Während Allofs nun endgültig auf Krisenmodus umschaltete, ging der FC Bayern den Abend ganz gemütlich und entspannt an. Rummenigge kündigte als Dank für die oberbayerische Schützenhilfe an: "Wir werden kommende Woche eine Wagenladung Weißwürste und Weißbier nach Ingolstadt schicken." Dann machte er sich mit der Mannschaft auf den Weg zur internen Weihnachtsfeier in einer Schicki-Micki-Pizzeria in der Münchner Innenstadt.

Nach dem Spiel kommenden Sonntag in Darmstadt (15.30 Uhr, High-Liveticker SPIEGEL ONLINE) kommt es am 21. Dezember (20 Uhr, High-Liveticker SPIEGEL ONLINE) zum Weihnachtsfinale gegen Leipzig. "Da wollen wir zeigen, wer die bessere Mannschaft ist", schmunzelte Rummenigge noch. Für ihn gehören schließlich andere auf den zweiten Platz. Leipzig, Dortmund, wer auch immer. Nur nicht die Bayern.



insgesamt 28 Beiträge
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Bosse 10.12.2016
1. Na ja
Gegen diese Wolfsburger Mannschaft ist das kein Kunststück. Aber endlich sind die Bayern wieder auf Platz 1, hab mir schon Sorgen gemacht, eine Katastrophe drohte uns allen zur Winterpause. Jetzt ist alles wieder gut....und langweilig. Schön, Glückwunsch! Ob es den Bayernfans dann auch mal nach der 10. Meisterschaft in Folge langweilig wird? Aber der FCB kann selber am wenigsten dafür, wenn die Konkurrenz in entscheidenden Situationen versagt. Auch wenn es hier mal RB Leipzig war. Die Traditionalisten freuen sich jetzt. Ist ja gute Tradition, dass Bayern Meister wird ;-) Vielleicht gibt's doch noch ne Europa Super Liga, dann wird es in der Buli wieder spannend.
brotherandrew 11.12.2016
2. Das ...
... Spiel gegen Wolfsburg darf man nicht überbewerten. Wolfsburg ist in dieser Form ein potentieller Absteiger. Aber Hut ab vor den Schanzern, die Leipzig entzaubert haben. Und dass praktisch alle Verfolger Punkte lassen würden, war auch nicht vorhersehbar. Dennoch spielen meine Bayern jetzt viel mehr aus einem Guss als vor ein paar Wochen. Wo sie wirklich stehen, wird man allerdings nach dem letzten Spiel der Vorrunde gegen Leipzig sehen.
karpartenhund 11.12.2016
3. Schönes Spiel, hoffe aber...
Das es trotzdem oben spannend bleibt. Ich sage das als Bayern Fan. Traurig das solche Vereine wie der BVB im Mittelmaß versinken. Das ist der Grund warum es oft langweilig in der Bundesliga ist, fehlende Konstanz. Beim BVB stimmt im Umfeld alles, hunderte Millionen im Rücken aber es läuft trotzdem nicht. Hoffe das wenigstens Leipzig am Ball bleibt und wir einen schönen Zweikampf erleben.
rias2bln 11.12.2016
4. zur Zeit erster aber obs ewig so bleibt?
resumieren wir doch ersteinmal was passiert ist. Ein Aufsteiger verliert beim Tabellenletzten. Frankfurt und Hoffenheim teilen sich die Punkte. Dortmund kann nicht groß aufholen und die Hertha holt nichteinmal einen Punkt. Also bleibt es an der Tabellenspitze ein Zweikampf wodurch die Bayern die Tabellenführung durch die bessere Tordifferenz übernommen haben.
raihower 11.12.2016
5. Lustige Ideen haben sie
Zitat von BosseGegen diese Wolfsburger Mannschaft ist das kein Kunststück. Aber endlich sind die Bayern wieder auf Platz 1, hab mir schon Sorgen gemacht, eine Katastrophe drohte uns allen zur Winterpause. Jetzt ist alles wieder gut....und langweilig. Schön, Glückwunsch! Ob es den Bayernfans dann auch mal nach der 10. Meisterschaft in Folge langweilig wird? Aber der FCB kann selber am wenigsten dafür, wenn die Konkurrenz in entscheidenden Situationen versagt. Auch wenn es hier mal RB Leipzig war. Die Traditionalisten freuen sich jetzt. Ist ja gute Tradition, dass Bayern Meister wird ;-) Vielleicht gibt's doch noch ne Europa Super Liga, dann wird es in der Buli wieder spannend.
Bei Einführung der Superliga gäbe es zwei Optionen. Es werden die 1-3 attraktiven Clubs dorthin verschwinden und die BL versinkt im Mittelmaß. Oder die bvb und rbs übernehmen eben die Rolle des FCB. Aber in einem haben sie recht. Es ist das Versäumnis der anderen, nicht der Fehler der Bayern.
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