Bayerns 6:0 gegen Augsburg Weil sie es können

Mit dem hohen Sieg gegen Augsburg hat der FC Bayern seinen Gegner tief in den Abstiegskampf gestoßen. Und das Schlimmste: Die Münchner brauchen die Punkte gar nicht - sie wollen nur "im Flow bleiben".

Robert Lewandowski
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Robert Lewandowski

Aus München berichtet Christoph Leischwitz


Die letzten Augsburger verließen gerade mit Rollkoffern und hängenden Köpfen die Arena, da stand Robert Lewandowski zehn Meter weiter noch lässig gegen eine Fensterbank gelehnt und tippte eifrig Nachrichten in sein Handy. Er dürfte sehr viele Danksagungen beantwortet haben nach dem Spiel gegen bemitleidenswerte Schwaben.

Denn selbst dem so erfolgreichen Stürmer war beim 6:0-Erfolg mal wieder etwas Besonderes gelungen: Er hatte drei Tore selbst geschossen (17. Minute, 55., 79.) und zudem zwei aufgelegt (36., 62.). Er hatte damit auch in der Torjägerliste Dortmunds Pierre-Emerick Aubameyang eingeholt, beide haben nun 24 Treffer.

Lewandowski schoss am Samstag mehr Tore als der Gegner Torschüsse hatte (zwei). Selbst Trainer Carlo Ancelotti klang fast schon ratlos. "Was soll ich zu Lewandowski noch sagen", sagte der Trainer. Er sei froh, solch einen Stürmer in seinen Reihen zu haben, der quasi in jedem Spiel treffe. Ansonsten habe er ja "wie üblich" gespielt.

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Bundesliga: Masken, Monstren, Mutationen

"Wir haben als ganze Mannschaft gezeigt, dass wir Spaß und Lust haben", sagte Lewandowski selbst, der außerhalb des Platzes stets bescheiden und zurückhaltend auftritt. Doch er war diesmal tatsächlich nur einer von vielen üblichen Verdächtigen, die sich gegen Augsburg mal wieder richtig austobten.

Thomas Müller glänzte mit acht Torschüssen und zwei Toren (36., 80.), Thiago verteilte wieder einmal sehenswert die Bälle und traf ebenfalls (62.). Joshua Kimmich stand für den gesperrten Xabi Alonso in der Startelf und machte klar: Er ist bereit, wenn er gebraucht wird. Und Jérôme Boateng, erstmals nach seiner Brust-Operation von Beginn an spielend, wirkte kein einziges Mal angestrengt.

Als die Bayern mit den Gästen in deren Strafraum Flipper spielten, wurde auch noch Arjen Robben eingewechselt, der seinen Gegnern und beinahe auch sich selbst einen Knoten in die Beine spielte. In der 71. Minute bekam er Szenenapplaus für einen Rabona: Er hatte den linken Fuß hinter die rechte Wade gedreht und so in die Mitte geflankt.

All dies hatte zur Folge, dass der Gegner kaum Platz zum Atmen bekam. Am Ende hatten die Augsburger sogar mehr Fehlpässe gespielt (80) als die Bayern (79) - und das, obwohl die Bayern insgesamt 538 Pässe mehr gespielt hatten.

Die Baustellen der Bayern: Luxusprobleme?

Keine Wolke also am bayerischen Himmel? Das stimmt nicht ganz. Der gegen Augsburg beschäftigungslose Sven Ulreich, für den kurzfristig operierten Manuel Neuer vermutlich für zwei Spiele im Tor, konnte sich kaum für andere Vereine empfehlen. Dabei darf sein Interview im "Kicker" unter der Woche so verstanden werden, dass er aufgrund der chronischen Unterbeschäftigung gerne weggekauft werden möchte. Das Spiel gegen Hoffenheim am Mittwoch wird erst sein zweiter Bundesliga-Einsatz in den vergangenen zehn Monaten sein.

Boateng deutete zudem an, dass er in der Länderspielpause "ja auch nicht spielen konnte". Und klang dabei so, als ob er gerne schon im DFB-Team Praxis gesammelt hätte - aber nicht durfte. Auch einen Kommentar, wer nach Max Eberl nun heißester Kandidat für das Amt des Sportdirektors ist, bekam man nicht zu hören.

Im vorletzten Heimspiel (3:0 gegen Eintracht Frankfurt) hatten die Bayern nach früher Führung schnell begonnen, Kräfte zu sparen. Jetzt klingen die Spieler so, als wäre die Schonzeit vorbei. "Wir sind auf einem guten Weg, wir müssen jetzt durchziehen", sagte Robben. Nur wer immer bis zum Schlusspfiff Gas gebe, ziehe aus solchen Spielen positive Energie. "Wir wollen weiter konsequent spielen, nur so können wir bis zum Ende der Saison unsere Top-Form halten", sagte Lewandowski.

Dabei geht es freilich gar nicht mehr um die quasi entschiedene Meisterschaft. Sondern darum, für die wirklich wichtigen Spiele im nationalen und internationalen Pokal "im Flow zu sein" (Robben). Es stehe ein "unglaublicher April" an, sagte Kapitän Philipp Lahm, und fand es deshalb ebenso wichtig, die hohe Taktzahl zu halten. Denn mit dem "Gefühl, das man dann hat", gehe man auch in die nächsten Spiele.

Die Augsburger würden genau das sehr gerne vermeiden. München müsse so schnell wie möglich abgehakt werden, sagte Trainer Manuel Baum. Der gebürtige Niederbayer verlebt mit den Schwaben gerade bayerische Tage: Am Mittwoch empfängt Augsburg den Vorletzten Ingolstadt - und der FCA ist am Samstag auf den Relegationsplatz gerutscht. Eine weniger demütigende Niederlage gegen die Über-Bayern wäre da sicher besser fürs Gemüt gewesen.



insgesamt 31 Beiträge
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doppelnass 01.04.2017
1. Tja
Ein Bundesligaspiel. Mehr nicht. Die nächsten Spiele sind wieder anders. Also, auf dem Teppich bleiben. Vor allem die Schreiber. Das heute bedeutet nichts.
hockeyer12 01.04.2017
2. jooo
und auch in dieser Saison und in der letzten und der davor und wahrscheinlich in der nächsten kann man nur sagen: Meistertitel ? "Ignore wegen Langeweile". Danke UEFA, danke DFB, danke DFL...
steveleader 01.04.2017
3. Mir ist das zu...
Euphorisch. Die Bundesliga kann mit dem FC Bayern nicht mehr mithalten. Aber wir wissen nicht auf welchem Level die Bundesliga ist. Mein Gefühl sagt mir das die englische und die spanische Liga ein deutlich höheres Niveau haben. Die CL wird erst das tatsächliche Level des FC Bayern aufzeigen. Ich bin gespannt.
spon_2937981 01.04.2017
4. Herrje...
Oh nein, jetzt fangen auch schon Sportjournalisten an, bei einem hohen Sieg mit der Moral zu argumentieren... Aber davon abgesehen bin ich unfassbar zufrieden, dass nun die Bayern endlich, ENDLICH mal kapiert haben, dass dieses dämliche 'Gang runterschalten' nichts bringt und beinah immer kontraproduktiv ist. Sehr gut, immer schön im Fluss bleiben!
micheleyquem 02.04.2017
5. Bayern spielt, wie Bayern nun mal spielt...
Thiago ist mit Sicherheit der beste Fussballer der Liga und die anderen sind auch nicht ohne. Wenn man dann noch nachliest wer alles gar nicht dabei war... Das ist erfreulich, denn die nächsten SPiele sind gegen Hoffenheim, den BVB, Real Madrid, Leverkusen, Real Madriod und wieder den BVB. MIt einer Erholungspause gegen Mainz. Schafft es Ancelotti, im Gegensatz zu Guardiola tatsächlich, die Bayern im April und May in Hochform zu haben? Schaut fast so aus, wenn man die Leichtigkeit und Lockerheit gesehen hat, bei den sechs Toren, drei Lattenschüssen und drei möglichen nicht gegeben Elfmetern. Wer die Recherche gesehen hat weiss, dass es die nicht gegebenen Elfmeter 18, 19 und 20 waren... Es tut gut wenn man auf sowas ja gar nicht angewiesen ist. Es wäre schön wenn alle mal kapieren, dass die Eberl Story eine reine Erfindung der Medien war, der selber gesagt hat, dass es NIEMALS ein Angebot der Bayern gegeben hat
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