Bayern-Sieg gegen Dortmund Wie aufgeladen

Die Bayern-Spieler hatten sich vor der Partie gegen Dortmund selbst unter Druck gesetzt. Beim 5:0 zeigte sich, dass sie damit viel besser umgehen können als der Titelkonkurrent.

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Von Christoph Leischwitz, München


Scheiterten die Bayern in der Vergangenheit in großen Spielen, waren die Schuldigen schnell ausgemacht. Besonders Thiago und Robert Lewandowski, beides ohne Frage begnadete Fußballer, würden dann abtauchen, wenn es drauf ankommt.

Am Samstagabend beim 5:0 gegen Borussia Dortmund gehörten sie zu den Besten. Lewandowski traf doppelt und erarbeitete sich reihenweise Chancen. Und Thiago lenkte das Münchner Spiel - und tat noch viel mehr: Es lief die 82. Minute, da setzte er zu einem enormen Sprint in die eigene Hälfte an, 50 Meter später hatte der spanische Nationalspieler Dortmunds Jacob Brunn Larsson in einen Zweikampf verwickelt und einen Einwurf herausgeholt. Thiago ballte die Faust und schrie vor Freude auf.

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Nach 5:0-Sieg über BVB: FC Bayern in der Einzelkritik

Da stand es bereits 4:0 für die Bayern, das Spiel war lange entschieden. Aber die Bayern machten immer weiter. Sie schienen gar nicht zu wissen wohin mit all ihrer Kraft.

Thomas Müller sprang die Freude geradezu aus dem Gesicht, als er später beschrieb, wie gelegen ihnen dieses Spiel gekommen sei. "Heimspiel. Der Druck war da. Und die letzten zwei Spiele waren auch nicht das Gelbe vom Ei", sagte Müller. Und dann tat ihnen der Gegner mit seiner Spielweise auch noch einen Gefallen. Sie hätten den ganzen Abend "auf dem Gaspedal bleiben" können, so Müller, anders als gegen Teams, die sich nur hinten reinstellen. "Da kannst du gar nicht so viel Energie auf den Platz bringen."

Das war Müllers Lieblingswort des Abends: Energie. Die beschriebene eigene Energie. Und jene, die endlich mal wieder vom Feld auf die Zuschauer übergesprungen sei. So schön sei es im Stadion schon seit Jahren nicht mehr gewesen, sagte der ausgemusterte Nationalspieler. Und nun gehe es darum, sie für das Auswärtsspiel in Düsseldorf zu konservieren, diese "Energie".

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0:5 in München: Der BVB in der Einzelkritik

Düsseldorf, da war doch was: In der Hinrunde hatte die Fortuna die große Bayern-Schwäche dieser Saison am deutlichsten aufgedeckt: in Führung dem Schlendrian erliegen, nur das Allernötigste tun, in der Abwehr auch mal was dem Zufall überlassen. Das Ergebnis war ein 3:3. Seitdem ist viel passiert, nach starken Wochen und deutlichen Siegen kam das Aus in der Champions League gegen Liverpool, zuletzt noch ein 1:1 in Freiburg und das holprige 5:4 im Pokal gegen Heidenheim. Der Druck war wieder da, das Spiel gegen den bisherigen Tabellenführer Dortmund am siebtletzten Spieltag wurde immer wichtiger.

"Die Spieler und auch der Trainer haben ihre Lehren aus dem Liverpool-Spiel gezogen", sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic rückblickend. Niko Kovac hatte nun tatsächlich mutiger spielen lassen. Obwohl die Taktik aufgegangen war, merkte man ihm am deutlichsten an, wie sehr die vielen unsouveränen Spiele an den Nerven gezehrt haben müssen: "Wenn du gewinnst, hast du nichts richtig gemacht. Wenn du verlierst, hast du alles falsch gemacht. Das ist bei Trainern so", sagte er frustriert.

Sein Gegenüber beim BVB, Lucien Favre, hatte den Abend da bereits als "Lehrstunde" abgehakt und die Überlegenheit der Bayern anerkannt. Der Dortmunder Sportdirektor Michael Zorc lobte ebenfalls die Leistung des Gegners, man selbst habe aber auch "alles vermissen lassen, was eine Spitzenmannschaft ausmacht". Stattdessen habe er Fehler gesehen, die manche Spieler "zuletzt in der A-Jugend gemacht haben". Der Grund dafür sei gewesen, dass man diesem Spiel mental nicht gewachsen gewesen sei.

Auch Thomas Müller sprach davon, dass die mangelnde Erfahrung der jungen Mannschaft des BVB an diesem Abend eine Rolle gespielt habe. Mit solch einer Atmosphäre wie in München müsse man erst lernen, umzugehen. Nun stellt sich die Frage, wie die Borussia dann mit den verbleibenden sechs Wochen Meisterschaftskampf umgehen will.

Die Münchner schienen den Sieg kurz nach Abpfiff bereits eingeordnet zu haben und mit den Gedanken ein paar Wochen weiter zu sein. Stürmer Lewandowski sagte, in der Kabine sei die Stimmung nicht allzu euphorisch gewesen: "Da hast du schon wieder gemerkt: Das ist noch nicht sicher." Er meinte die Deutsche Meisterschaft.

Bayern München - Borussia Dortmund 5:0 (4:0)
1:0 Hummels (10.)
2:0 Lewandowski (17.)
3:0 Martínez (41.)
4:0 Gnabry (43.)
5:0 Lewandowski (89.)
München: Neuer - Kimmich, Süle, Hummels, Alaba - Thiago, Martínez (77. Goretzka) - Müller (80. Sanches) - Gnabry, Coman (68. Ribéry) - Lewandowski
Dortmund: Bürki - Piszczek (69. Wolf), Akanji, Zagadou (46. Weigl), Diallo - Witsel - Dahoud (62. Götze), Delaney - Sancho, Larsen - Reus
Zuschauer: 75.000 (ausverkauft)
Schiedsrichter: Manuel Gräfe
Gelbe Karten: Lewandowski - Delaney, Zagadou

insgesamt 61 Beiträge
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Seite 1
bilch_76 07.04.2019
1. ohne wirkliche Defensive
bzw. mit einer Kasperle-defense a la Zagadou wird das halt nix, logo. Wie man mit so einer Nicht-Einstellung allerdings in so ein Spiel gehen kann, bleibt ein Rätsel. Verlieren an sich ist nicht das Problem, aber wenn man sich derart deutlich & simpel abledern lässt, macht man sich lächerlich. Nicht mehr, nicht weniger. Und es war weniger die Leistung der Bazen, als vielmehr die unterirdische Nicht-Leistung aus Westfalen. Spitzenspiel jedenfalls geht anders; ist v.a. nie so einseitig - wie gestern.
tomaraya 07.04.2019
2. Grosses Spiel?
Auf dem Papier und vor dem Spiel ist eigentlich jeder von einem grossen Spiel ausgegangen. Das wurde es aber dann nicht, weil Dortmund nicht mitgespielt hat. Es war ungefähr so als wenn Bayern gegen Hannover 96 gespielt hätte, also alles andere als ein großes Spiel. Das Kovac und seine Mannschaft in dieser Saison keine großen Spiele können, haben sie bereits mehrfach bewiesen, gegen Liverpool, Ajax... Favre hats mit seiner Aufstellung komplett verbockt, Götze draussen, Pisceck, der seit 2 Monaten nicht gespielt hat gegen Coman... peinlich. Dazu die Jungen Spieler die einfach überfordert waren, kann passieren. Bayern zum 7 mal in Folge Meister, tolle Leistung;)
immerfroh 07.04.2019
3.
Zitat von bilch_76bzw. mit einer Kasperle-defense a la Zagadou wird das halt nix, logo. Wie man mit so einer Nicht-Einstellung allerdings in so ein Spiel gehen kann, bleibt ein Rätsel. Verlieren an sich ist nicht das Problem, aber wenn man sich derart deutlich & simpel abledern lässt, macht man sich lächerlich. Nicht mehr, nicht weniger. Und es war weniger die Leistung der Bazen, als vielmehr die unterirdische Nicht-Leistung aus Westfalen. Spitzenspiel jedenfalls geht anders; ist v.a. nie so einseitig - wie gestern.
Nein, es kam beides zusammen. Der absolute Siegeswille der Bayern traf auf willenlose Dortmunder. Ohne einen dieser Faktoren wäre das Spiel anders gelaufen. Gerade Lewandowski war ja wie ein ausgehungertes Raubtier.... nur mal als Beispiel .
hexagon7467 07.04.2019
4. Warum ist Reus nicht vom Platz geflogen?
Reus hätte nach den beiden bösen Fouls in der 76. uns 79. Minute an Kimmich und Lewandowski vom Platz gestellt werden müssen. Zwei Frustfouls ohne Chance auf den Ball. Gerade das 2. Foul war für sich gesehen schon dunkelgelb. Und Gräfe steht 5 m daneben und führt ein lockeres Gespräch. War das Mitleid oder was?
Orthoklas 07.04.2019
5. Rezept?
Ohne Druck und oft ohne Mithilfe des Gegners läuft es bei den Bayern bemerkenswert schlecht. Vielleicht braucht es hungrige, junge Spieler und einen motivierenden Trainer... Gut genug sind die Jungs allemal.
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