Bundesligaauftakt des FC Bayern Richtig zufrieden war nur Brazzo

Die Bayern haben gegen Leverkusen das Eröffnungsspiel der Bundesligasaison gewonnen - wie immer. Die Profis gaben sich danach deutlich selbstkritischer als der neue Sportdirektor Hasan Salihamidzic.

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Von Christoph Leischwitz, München


Auch die Meisterschale war nass geworden. Sie glitzerte vor dem Anpfiff auf einem Podest nahe der Mittellinie. Der Rasensprenger lief noch, mehrmals bekam die begehrte Schüssel ein paar Spritzer ab. Das war vielleicht ein schlechtes Omen. Denn der sonst so rasante Start des FC Bayern in die Mission Titelverteidigung wäre diesmal beinahe ins Wasser gefallen.

Das Eröffnungsspiel der 55. Bundesligasaison hatte zwei grundlegend verschiedene Phasen: Eine aus Bayern-Sicht sehr angenehme, vor dem Regen, und eine sehr diffizile danach. Hasan Salihamidzic wirkte so, als ob er die Phase nach dem Unwetter gar nicht mitbekommen hätte. Der Sportdirektor des FC Bayern sprach in der Interviewzone mit leuchtenden Augen über die neuen Spieler, die sich super eingefunden hätten im Klub. Er schwärmte vom ersten Saisonsieg des FC Bayern. "Es läuft nach Plan", so Salihamidzic nach dem 3:1 gegen Bayer Leverkusen.

Als ihm dann aber die Frage gestellt wurde, welche Defizite er im Auftaktspiel gesehen habe, da antwortete der 40-Jährige ohne Zögern: "Was die positiven Dinge waren, das wollen wir doch hören. Ich finde es nicht gut, wenn ihr jetzt nur negativ draufhaut." Die Neuzugänge, die auf dem Platz standen und nicht daneben, hatten am Freitagabend ihre Aufgaben souveräner gemeistert.

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Auf den ersten Blick war viel Erwartbares eingetroffen. Seitdem die Bayern Gastgeber im Freitagabend-Eröffnungsspiel sind, haben sie bei diesem Anlass noch nie verloren. Und es gab sie ja auch, die schönen Geschichten.

Jene von Niklas Süle, der in seinem ersten Bundesligaspiel für den neuen Verein gleich das 1:0 erzielte (9. Minute), und das auch noch auf Vorlage von Sebastian Rudy, der mit Süle von Hoffenheim nach München gewechselt war. "Das war ein besonderer Tag für mich", sagte Süle hinterher. Oder auch die Geschichte von Corentin Tolisso, der Neue auf der rechten Seite, der nur neun Minuten nach Süle zum 2:0 traf. Zu diesem Zeitpunkt war die Stimmung im Stadion glänzend.

Doch am Ende gab es eben reichlich Defizite zu analysieren - was übrigens alle Spieler von sich aus auch taten. "Die offensiven Standards haben gut geklappt. Bevor es geregnet hat, haben wir auch ganz gut Fußball gespielt." So klang der leicht sarkastische Kommentar von Thomas Müller, man habe viele "Lücken offenbart" und "Glück" gehabt.

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Der in der 34. Minute einsetzende Sturzregen wirkte wie ein ungeahnter Partycrasher. Zunächst flohen Tausende Zuschauer von den unteren Rängen, dann wurde die Halbzeitpause auf 30 Minuten verlängert. Süle sagte später, das habe dem Team nicht gutgetan. "Wir sind ein bisschen lange gesessen und waren nicht spritzig genug. Leverkusen kam besser aus der Kabine, das darf nicht sein. Mit ein bisschen mehr Cleverness vor dem gegnerischen Tor hätte Leverkusen das Spiel gedreht."

Am Ende stand sogar die seltene Statistik, wonach die Gäste mehr Torschüsse abgegeben hatten (19) als die Bayern (13), deren Trainer Carlo Ancelotti oft schimpfend an der Seitenlinie stand. "Es ist nie schön zu verlieren. Nach so einer Niederlage tut es aber besonders weh", sagte Bayer-Coach Heiko Herrlich, dem noch vor sieben Wochen im selben Stadion mit Jahn Regensburg gegen 1860 München der Aufstieg in die zweite Liga gelungen war - mit deutlich weniger Torchancen als am Freitag gegen die Bayern.

Die von Ancelotti oft beschworene Balance zwischen Angriff und Abwehr war den Bayern völlig abhandengekommen. Nach Süles Geschmack fehlte die Kompaktheit, Joshua Kimmich glaubte, nach dem 2:0 habe man womöglich "einen halben Gang zurückgeschaltet", es also zu leicht genommen. Außerdem fehlen den Bayern immer noch mehrere Stammspieler in allen Mannschaftsteilen, Mats Hummels verließ zudem mit Magenproblemen das Feld (62.). In dieser Konstellation und mit so vielen Neuen auf einmal, meinte Süle, habe man ja noch nie zusammengespielt.

Süle hat Ausstrahlung und zeigte sich gegen pressende Leverkusener meist nervenstark. Rudy gibt im defensiven Mittelfeld schon viele Kommandos. Tolisso wird von Rudy als "spielfreudig" und "präsent" gelobt, als einer, der immer den Ball haben will. Aber auch, wenn die beiden Ex-Hoffenheimer für den Rest guter Laune verantwortlich waren, der am Ende des Abends übrig war, sind sie noch lange keine Stammspieler. Doch der erste Spieltag zeigte auch: Die Bayern haben im Moment andere Probleme als die Leistung ihrer Neuen.



insgesamt 19 Beiträge
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Pela1961 19.08.2017
1. Was solls
Erstes Spiel der Saison, deutlicher Sieg, drei Punkte. Keine berauschende Leistung, aber lasst doch erst mal die anderen heute und morgen spielen. Leverkusen jedenfalls ist schon mal geschlagen. Alles gut. Als die Münchner die ersten Spiele immer überragend alles aus dem Stadion fegend gewonnen haben, haben alle geunkt, dass sie das nicht durchhalten werden. Einfach mal abwarten. Und die anderen bitte mit den gleichen Ansprüchen messen. Also - 3:1 ist nicht gut, ganz und gar nicht gut, knapp an der Krise vorbei :-)
ortibumbum 19.08.2017
2.
Zitat von Pela1961Erstes Spiel der Saison, deutlicher Sieg, drei Punkte. Keine berauschende Leistung, aber lasst doch erst mal die anderen heute und morgen spielen. Leverkusen jedenfalls ist schon mal geschlagen. Alles gut. Als die Münchner die ersten Spiele immer überragend alles aus dem Stadion fegend gewonnen haben, haben alle geunkt, dass sie das nicht durchhalten werden. Einfach mal abwarten. Und die anderen bitte mit den gleichen Ansprüchen messen. Also - 3:1 ist nicht gut, ganz und gar nicht gut, knapp an der Krise vorbei :-)
....andere mit den gleichen Ansprüchen messen, ist ein gutes Stichwort. Wieviel Geld haben denn Mönchengladbach, Bremen, Freiburg und andere zur Verfügung. Wenn sie schon vergleichen wollen, dann steht Bayern mit den zig Millionen am Ende Tabelle. Das hat mit Neid im übrigen nichts zu tun. Das ist kein Wettbewerb, sondern pure Arroganz. Wenn ich dann höre, wenigstens eine deutsche Mannschaft die CL spielt; wer ist denn da deutsch, geschweige denn Bayern?
stagedoor 19.08.2017
3. #1 bayerische Maßstäbe
Dieser Vergleich hinkt etwas. Die Bayern, übrigens nicht nur die Fußballer, klopfen sich ja öfters mal auf die Brust und propagieren, sie seien die Besten. Was natürlich nicht stimmen kann. Schon gar nicht permanent und auf allen Ebenen. Auf diese Weise muss man immer wieder an eigenen Ansprüchen scheitern. Das darf die Außenwelt aber auf keinen Fall bemerken (#Minderwertigkeitsgefühle). Brazzo wirkte etwas unsicher, machte sich aber selbst Mut. Nach Sammer hat man sich jemanden geholt, der weniger den Verein kritisiert, sondern die Spieler. Das ist dann auch für demütige Menschen wie Hoeneß besser zu ertragen.
Watchtower 19.08.2017
4. 2. Halbzeit für Leverkusen ...
Anknüpfend an die 2. Halbzeit wird Leverkusen seinen Weg machen...
ohlala! 19.08.2017
5. Ich frage mich, wie die Pläne der Bayern
Zitat von Pela1961Erstes Spiel der Saison, deutlicher Sieg, drei Punkte. Keine berauschende Leistung, aber lasst doch erst mal die anderen heute und morgen spielen. Leverkusen jedenfalls ist schon mal geschlagen. Alles gut. Als die Münchner die ersten Spiele immer überragend alles aus dem Stadion fegend gewonnen haben, haben alle geunkt, dass sie das nicht durchhalten werden. Einfach mal abwarten. Und die anderen bitte mit den gleichen Ansprüchen messen. Also - 3:1 ist nicht gut, ganz und gar nicht gut, knapp an der Krise vorbei :-)
...für die Meisterfeier in dieser Saison aussehen. Natürlich sollte man abwarten, wie die anderen Vereine den Saisonauftakt meistern. Aber da meiner Meinung nach zu über 90% schon jetzt klar ist, dass die Bayern mal wieder Meister werden, darf man ruhig auch die nicht so perfekte Gesamtleistung analysieren. (Zumal es die Spieler ja selbst auch schon tun...) Überraschungen in dieser Saison? Kaum! Aber schon wir mal...
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