Bundesliga Bielefeld stürzt Dortmund in den Abgrund

Auch das Comeback von Andreas Möller hat den freien Fall von Borussia Dortmund nicht gestoppt. Mit einem 1:3-Heimdebakel gegen Arminia Bielefeld setzten die Westfalen ihre rasante Talfahrt fort und bewegen sich unaufhaltsam dem Abstiegsstrudel entgegen.


Hoch das Bein: Bielefelds Dirk van der Ven (l.) im Pas de deux mit Carsten Baumann
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Hoch das Bein: Bielefelds Dirk van der Ven (l.) im Pas de deux mit Carsten Baumann

Dortmund - Ausgerechnet der eingefleischte BVB-Fan Dirk van der Ven hat die Krise beim ehemaligen Weltpokalsieger Borussia Dortmund weiter verschärft. Durch ein peinliches 1:3 (1:2) gegen Tabellenschlusslicht Arminia Bielefeld blieb der selbst ernannte Titelfavorit auch im neunten Pflichtspiel unter seinem neuen Trainer Bernd Krauss ohne Sieg und findet sich neun Spieltage vor Saisonschluss in der Nähe der Abstiegszone wieder. Van der Ven war auf Seiten des Aufsteigers, der seinen zweiten Auswärtssieg in dieser Saison feiern konnte, der Mann des Tages.

Zunächst egalisierte der Arminen-Stürmer in der 23. Minute mit seinem ersten Bundesligatreffer die Dortmunder Führung, als er von einem Stellungsfehler der BVB-Abwehrrecken Karsten Baumann und Jürgen Kohler profitierte. Die Gastgeber waren nach einer Viertelstunde durch einen verwandelten Hand-Elfmeter von Andreas Möller, der nach zweimonatiger Verletzungspause ein ordentliches Comeback feierte, in Führung gegangen. Der Holländer Thijs Waterink hatte zuvor im Strafraum den Ball mit der Hand gespielt.

Drei Minuten nach dem Ausgleich wurde van der Ven von Dortmunds Ersatztorwart Teddy de Beer, der den Rot-gesperrten Nationalkeepter Jens Lehmann vertrat, zu Fall gebracht. Den fälligen Strafstoß verwandelte Libero Thomas Stratos zur überraschenden 2:1-Pausenführung der Westfalen. Bielefelds Kapitän Bruno Labbadia machte mit seinem achten Saisontreffer, den er per Kopf im Anschluss an eine Ecke von Marcus Weissenberger erzielte, in der 64. Minute endgültig für die Gäste alles klar. "Ich bin genau so enttäuscht wie die Fans. Die Mannschaft ist total geknickt. Das Fleisch ist willig, aber der Kopf ist schwach", sagte der bedauernswerte BVB-Coach Krauss. "Wir haben sehr viele junge Spieler, die zu viel Verantwortung tragen müssen."

Vor 65.000 Zuschauern hatten die Gastgeber, die insgesamt neun Stammspieler ersetzen mussten, zunächst den besseren Start erwischt. Bereits in der neunten Minute verpassten sowohl Christian Wörns als auch Giuseppe Reina nach herrlicher Vorarbeit von Evanilson das mögliche 1:0. Nach der Führung in der 15. Minute verstanden es die Hausherren allerdings nicht, ihre spielerische Überlegenheit in weitere Treffer umzumünzen. Nach dem Seitenwechsel erhöhte der BVB, der insgesamt seit sieben Bundesliga-Runden auf einen Sieg wartet, den Druck und hatte kurz nach der Pause auch zwei hervorragende Ausgleichmöglichkeiten. Zunächst verfehlte Möller in der 50. Minute mit einer Direktabnahme knapp das Ziel. 120 Sekunden später hatte Reina Pech, als er mit einem präzisen Schuss aus 18 Metern nur den Innenpfosten traf, in der 90. Minute klatschte ein Reina-Schuss an die Latte.

Die Gäste, bei denen kurzfristig Silvio Meißner und Andre Hofschneider verletzungsbedingt ersetzt werden mussten, hätten in der zweiten Hälfte bei gefährlichen Konterchancen sogar noch den ein oder anderen Treffer mehr erzielen können. Labbadia und van der Ven waren im Abschluss aber oftmals zu unkonzentriert. Die BVB-Fans quittierten die schwache Leistung ihrer Lieblinge mit einem gellenden Pfeifkonzert und verließen schon lange vor dem Schlusspfiff fluchtartig das Westfalenstadion.

Beim insgesamt enttäuschenden BVB brachten lediglich Möller sowie Reina Normalform. Auf Seiten der Gäste, für die der vierte Saisonsieg aber nicht mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein ist, verdienten sich van der Ven und der agile Ronald Maul die Bestnoten.



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