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BVB-Sieg gegen Wolfsburg: Mit Kampf und Leidenschaft zum Erfolg

Foto: Lars Baron/ Bongarts/Getty Images

Dortmunder Sieg gegen Wolfsburg Rückbesinnung auf alte Tugenden

Mit Leidenschaft und Kampf hat Borussia Dortmund das Spiel gegen Wolfsburg gedreht und einen wichtigen Sieg im Kampf um Platz zwei gefeiert. Es ist eine Rückbesinnung auf alte Tugenden, die auch für das Spiel gegen Real Madrid Hoffnung macht.

Die Spieler standen längst unter der Dusche, da befanden die Menschen auf der Südtribüne sich immer noch in einem Zustand akuter Verzückung. Sie hüpften, sie sangen, sie feierten einen großartigen Fußballabend, und die Leute von den anderen Tribünen betrachteten die von Glücksgefühlen ergriffene schwarz-gelbe Masse ähnlich fasziniert, wie zuvor ein überaus unterhaltsames Fußballspiel. Am Ende des hochintensiven Duells hatte der BVB 2:1 (0:1) gegen den VfL Wolfsburg gewonnen, und Dieter Hecking, der Trainer der Niedersachsen sagte: "Dieser Abend weckt die Vorfreude auf das Pokalhalbfinale", in dem die beiden Teams in zehn Tagen erneut aufeinandertreffen werden.

Das war ein Satz, den jeder, der das Spiel gesehen hatte, nachvollziehen konnte. Aber erfreuter als die unterlegenen Gäste waren natürlich die Sieger aus Dortmund. Und die feierten nicht nur drei Punkte, sondern auch eine Art Rückbesinnung auf das Wesen dieses Fußballstandorts. Denn diese Mannschaft ist aufgrund der vielen Verletzten derzeit nicht in der Lage, die spielerische Kraft der vergangenen Jahre zu entwickeln, und dieses Gefühl des Rückschritts hatte die Gesamtstimmung zuletzt merklich eingetrübt.

Nun haben sie mit Leidenschaft, Engagement und Hingabe eine beeindruckende zweite Halbzeit hinbekommen. "Wer uns jubeln sah, kann sich vorstellen, wie wichtig das für uns war", sagte Trainer Jürgen Klopp, der nach dem Schlusspfiff am Spielfeldrand herumgesprungen war, als hätte seine Mannschaft gerade das 0:3 von Madrid aufgeholt.

Kollektive Spielintelligenz und Leidenschaft

Der Trainer freute sich über die drei Punkte, mit denen nun der "Champions-League-Platz abgesichert sei", wie Hecking mutmaßte. Wahrscheinlich war Klopp aber auch euphorisiert, weil die beiden Teams einfach hervorragenden Wettkampfsport geboten hatten. Und natürlich war er glücklich, dass seine Halbzeitmaßnahmen so wunderbar funktioniert hatten.

Denn in der ersten Hälfte war der VfL noch die klar bessere Mannschaft gewesen. Die Wolfsburger führten durch Ivica Olics Treffer völlig verdient mit 1:0 (34.), sie hatten ein Torschussverhältnis von 11:2 erspielt, "das war eine überragende Halbzeit von der ganzen Anlage her", fand Hecking. Klopp hingegen ärgerte sich über viele unnötige Fehler seines Teams. Alleine Olic hätte zwei weitere Tore erzielen müssen, doch erst bugsierte er den Ball aus drei Metern über das Tor (10.), dann schoss er innerhalb einer Sekunde zweimal hintereinander an die Unterkante der Latte (40.). "Wir haben dieses Spiel in der ersten Halbzeit verloren, da lassen wir unsere Chancen liegen", sagte Hecking.

In der Pause hatten Klopp und sein Trainerteam dann genau die richtigen Einfälle: Nuri Sahin und Pierre-Emerick Aubameyang blieben in der Kabine, und der BVB spielte nur noch mit einem Sechser (Sebastian Kehl). Kevin Großkreutz rückte auf Aubameyangs Außenstürmerposition, Milos Jojic verstärkte die Offensivzentrale und der eingewechselte Erik Durm spielte nun anstelle von Großkreutz als Linksverteidiger. Außerdem habe Klopp gefordert, sich "den Arsch aufzureißen", berichtete Durm, und diese neue Gesamtanordnung funktionierte prächtig.

Wiedergeburt eines Gefühls

Nun bekam das Publikum die Essenz des BVB-Fußballs zu sehen, nicht individuelle Weltklasse, sondern kollektive Spielintelligenz und maximale Leidenschaft prägten den Stil. Es war genau der Fußball, für den sie einst mittlerweile eingemottete Begriffe wie "Gier" und "Vollgas-Fußball" erfunden haben, und sogar ein bisschen Weltklasse war mit im Spiel. Denn Robert Lewandowski traf nicht nur zum 1:1, er veredelte das Angriffsspiel des BVB auch mit einer Portion jener spielerischen Klasse, an der es dem BVB derzeit grundsätzlich ein wenig mangelt.

"Er ist nicht nur einer der besten fünf Stürmer der Welt, er ist einer der drei besten", sagte Hummels über den Polen. Klopp ergänzte: "Es ist das reinste Vergnügen, ihm zuzuschauen". Und das nötige Glück hatten sie am Ende auch, als Wolfsburgs Torhüter Max Grün so unglücklich mit Robin Knoche zusammenprallte, dass der Ball Marco Reus vor die Füße fiel, und der Nationalspieler mühelos zum 2:1 traf (77.).

Am Ende freuten sich die Dortmunder also über die Wiedergeburt eines Gefühls, das in dieser Saison nur selten und in diesem Kalenderjahr noch gar nicht durchs Dortmunder Stadion wehte: Mit Leidenschaft, dem Publikum im Rücken und klugen strategischen Überlegungen wurde ein starker Gegner niedergerungen. Und diese Erfahrung beflügelt vielleicht sogar den zarten Glauben an ein Wunder für die Partie gegen Real Madrid am Mittwoch.

Borussia Dortmund - VfL Wolfsburg 2:1 (0:1)
0:1 Olic (34.)
1:1 Lewandowski (51.)
2:1 Reus (77.)
Dortmund: Langerak - Piszczek, Sokratis, Hummels, Großkreutz - Kehl, Sahin (46. Durm) - Aubameyang (46. Jojic), Mchitarjan (76. Kirch), Reus - Lewandowski
Wolfsburg: Grün - Träsch (69. Ochs), Naldo, Knoche, Rodriguez - Malanda (79. Daniel Caligiuri), Luiz Gustavo - Perisic, Arnold, De Bruyne - Olic
Schiedsrichter: Knut Kircher (Rottenburg)
Zuschauer: 80.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Sahin (4), Jojic - Träsch (2)
Schüsse: 10:19
Ecken: 7:2
Ballbesitz: 48:52 Prozent

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