Leverkusen gegen Dortmund Die große Flatter

So hohe Erwartungen vor dem Anpfiff - und dann kommt so ein enttäuschendes 0:0 heraus. Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund haben sich ein Fehlpass-Festival geliefert - mit einem Ende, das keinem weiterhilft. Alles Wichtige zum "Top-Spiel".
Bayer gegen BVB: Krampf, Fehlpässe, Verunsicherung

Bayer gegen BVB: Krampf, Fehlpässe, Verunsicherung

Foto: Roland Weihrauch/ dpa

Ausgangslage des Spiels: Dass dieses Spiel vorab in seiner Bedeutung für den BVB schon mit dem Champions-League-Finale 2013 verglichen wurde, zeigt eigentlich nur, wie dringend es war, dass es nach der Winterpause mit dem Fußballspielen wieder losging. Im Vorfeld der Partie wurden Philosophen, Psychologen, Sterndeuter, Finanzanalysten, Metaebenen-Experten und jeder, der Jürgen Klopp mal im Kindergarten kennengelernt hat, auf den BVB losgelassen. Irgendwann war es damit auch mal gut. Runter von der Couch, rauf auf den Rasen.

Ergebnis des Spiels: 0:0. Und das meint wirklich, was es bedeutet.

Die erste Halbzeit: In der Hinrunde hatten die Leverkusener bekanntlich nach neun Sekunden schon getroffen, das früheste Tor der Liga-Geschichte. Diesmal passierte nach neun Sekunden nichts, auch nicht nach neun Minuten, auch noch nicht nach 29 Minuten. Aber in der 38., da war es dann doch so weit: Die erste und einzige Torgelegenheit der Halbzeit. Aber Dortmunds Nationalspieler Mats Hummels wehrte einen Schuss von Gonzalo Castro mithilfe von Head and Shoulders auf der Torlinie ab.

Die zweite Halbzeit: Weil es die zweite Halbzeit war, gab es folgerichtig auch zwei Torchancen. Also eine Steigerung um 100 Prozent gegenüber Hälfte eins. Der eifrige und bemühte Ciro Immobile vergab zunächst gegen Bayer-Torwart Bernd Leno, später verzog wieder Castro relativ frei vor dem BVB-Tor. Dazwischen veröffentlichte der Datensammler Opta die Zahl von 45 Prozent angekommener Pässe beim BVB. Einen solchen Tiefstand hat man bei den Dortmundern seit 2004 nicht gemessen.

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Dortmunds 0:0 in Leverkusen: Hinten dicht

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Mann des Spiels: Sehr schwer zu sagen. Möglicherweise Sky-Experte Lothar Matthäus, der schon zur Pause urteilssicher erkannte, dass dies "kein Dopp-Spiel" sei.

Szene des Spiels: Irgendein beliebiger Fehlpass. Davon gab es zur Genüge. Dass die Dortmunder angesichts der für sie so ungewohnten Situation tendenziell nervös sein würden, hätte man ja ahnen können. Aber dass sich der Gastgeber, immerhin vor dem Spiel Tabellendritter, dem dermaßen anpasste, war dann doch überraschend. Die große Flatter von Leverkusen. Bei Twitter wurden zwischendurch schon Vergleiche zur Qualität der dritten schottischen Liga gezogen. Das ist aber dann doch zu gemein. Der Arbroath FC hat dort in 22 Spielen schließlich schon 49 Treffer erzielt.

9. Sekunde des Spiels: Ein Querpass von Bayer auf den Flügel. Und, zack, war sie auch schon verstrichen.

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BVB in der Einzelkritik: Borussische Pflichterfüllung

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Duell des Spiels: Nuri Sahin von 2015 gegen Nuri Sahin von 2011. Wer sich erinnert, wie dominant der junge Mann noch vor vier Jahren im Mittelfeld des BVB Regie geführt hat, wie selbstbewusst er damals Bayern München in Grund und Boden spielte, der muss leise weinen. Seitdem: Verletzungen, Verunsicherungen.

Zitat des Spiels: "Ein 0:0 der besseren Sorte." Wahrscheinlich sind es Aussagen wie dieses Halbzeit-Fazit von Sky-Kommentator Wolff Fuss, die den Medien den Ruf der Lügenpresse eingetragen haben.

Erkenntnis des Spiels: Borussia Dortmund ist nach dem 18. Spieltag der Saison 2014/2015 der Tabellenletzte der Fußballbundesliga. Das ist nach wie vor so unfassbar, dass man wahrscheinlich Philosophen, Psychologen, Sterndeuter und Finanzanalysten mal nach einer schlüssigen Erklärung fragen müsste.

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