Bundesliga-Thesen zum Spieltag Die Liga ist schon wieder langweilig

Dortmund ist das neue Bayern. Christian Streich ist der Robin Hood der Bundesliga. Und die Schiedsrichter werden zu selten beschimpft. Drei Thesen zum Bundesliga-Samstag.

BVB-Spieler jubeln
FRIEDEMANN VOGEL/EPA-EFE/REX

BVB-Spieler jubeln

Von und Tobias Escher


1. Die Liga langweilt uns schon wieder

Nach sechs Münchner Meistertiteln in Folge war die Freude bei vielen Fußballfans groß, als der FC Bayern zu Saisonbeginn strauchelte: Endlich ist wieder was los in der Bundesliga! Dabei unterscheidet sich diese Saison kaum von den vergangenen sechs. An der Spitze dreht ein Team einsam seine Runden, das taktisch, individuell und von der Kadertiefe dem Rest der Liga weit überlegen ist. Nur heißt es diesmal nicht Bayern München, sondern Borussia Dortmund.

Die Parallelen sind unverkennbar. Der BVB marschiert durch die Liga, ohne an die eigene Schmerzgrenze gehen zu müssen. Gegen Schalkegenügte es den Dortmundern, nach dem Ausgleich kurz einmal die Zügel anzuziehen, und schon gewannen sie die Partie. Selbst wenn spielerisch mal wenig zusammenläuft, können die Offensivstars jede Abwehr schwindlig dribbeln. Nur dass sie nicht Arjen Robben und Franck Ribéry heißen, sondern Jadon Sancho und Marco Reus.

Wenig spricht dafür, dass Dortmund einbricht. Und auch die Bayern-Krise scheint zunächst überwunden. Bundesliga, du langweilst uns schon wieder!

2. Mit Streichs Freiburgern ist immer zu rechnen

Der SC Freiburg mausert sich zum Favoritenschreck. Das verdiente 3:0 des vor dem Spieltag Tabellen-13. gegen den bisherigen Tabellendritten RB Leipzig war der vierte Erfolg gegen ein Team aus den Top Fünf der Liga in dieser Saison. Los ging es mit dem 3:1 in Wolfsburg, Dritter vor dem vierten Spieltag. Es folgten ein 3:1 gegen Mönchengladbach (Zweiter vor dem neunten Spieltag) und das 1:1 beim FC Bayern (Zweiter vor dem zehnten Spieltag). Dabei folgen die Spieler den Anweisungen von Trainer Christian Streich aufs Wort, setzen Matchpläne genau um.

Gegen Leipzigs Abwehr, mit zuvor 10 Gegentoren in 13 Partien die beste der Liga, traf der SC dreifach - und das bei einer Ballanteil-Quote von nur gut 40 Prozent. Streichs Team verteidigte konzentriert und fair, spielte entschlossen nach vorne, brachte neun von zwölf Abschlüssen aufs Tor (Leipzig: vier von 15) und lief gut sechs Kilometer mehr als der Gegner.

3. Mehr über den Schiedsrichter meckern, weniger über den Videorichter

Nach Eintracht Frankfurts 0:1-Niederlage bei Hertha BSC entlud sich der Frust der Anhänger an Videoassistentin Bibiana Steinhaus. Nach einem Foul an Luka Jovic hätte sie eingreifen und Schiedsrichter Daniel Schlager zu einem Elfmeterpfiff auffordern müssen, so der Tenor der Frankfurter von Sportvorstand Fredi Bobic bis zu Trainer Adi Hütter.

Es ist leicht, gegen den Videoassistenten zu wettern. Eine einzelne Entscheidung, zumal zehnfach in Super-Zeitlupe wiederholt, lässt sich leichter kritisieren als die grundsätzliche Linie eines Schiedsrichters. Wenn diese nicht stimmig ist, schadet das einem Fußballspiel stärker als jede vermeintliche Fehlentscheidung des Videoassistenten.

Schlager pfiff äußerst kleinlich, entschied insgesamt 32-mal auf Foulspiel. Zweikämpfe wie jenen gegen Jovic hatte er zuvor mehrfach abgepfiffen. Der Schiedsrichter hätte selbst auf Elfmeter entscheiden müssen, ohne Hilfe der Videoassistentin. Die Linie des Schiedsrichters ist für die Videoschiedsrichter nicht bindend. Nach den geltenden Regeln war ihr Nichteingriff begründbar, denn klar falsch war diese Szene nicht bewertet worden. Es mag altmodisch sein, doch: Wenn schon gemeckert werden muss, dann wieder öfter über den Schiedsrichter und nicht immer nur über den Videorichter.

insgesamt 26 Beiträge
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ayee 09.12.2018
1. Und das obwohl Dortmund sicherlich schonmal stärker war
Dortmund weiß doch selbst nicht, wie sie viele dieser Spiele gewinnen. Taktisch ist man sicherlich nicht haushoch überlegen. Individuell nicht besser besetzt, als in den Jahren davor. Das einzige, was sie von den letzten Jahren unterscheidet, ist ein anderer Teamgeist und eben der Lauf. Ich weiß auch nicht ganz, was der Autor erwartet. Dortmund ist nach den Bayern finanziell die klare Nummer 2 in Deutschland, dahinter gibt es erstmal eine große Lücke. Dass diese beiden Teams normalerweise die Tabellenspitze unter sich ausmachen, ist deshalb nur folgerichtig. Die Spannung einer Liga drückt sich allerdings nicht nur im Kampf um die Meisterschaft aus. Die Vergabe der weiteren internationalen Plätze ist ebenfalls spannend und da gibt es in der Bundesliga sicherlich keine Langeweile.
McTitus 09.12.2018
2. Einmal ist es spannend, dann wieder nich'...
Bei SPON ist für Alle was dabei. Sucht's Euch einfach aus...
retterdernation 09.12.2018
3. Natürlich ist es schon wieder langweilig
da hat sich die Rote Überlegenheit gegen eine Gelbe ausgetauscht. Das wollen die Dortmunder-Fans natürlich nicht hören, da man auf einer Welle der Euphorie schwimmt und es selbstverständlich aus Dortmunder Sicht, nicht genug Siege geben kann. Einen Einbruch der Gelben wird es diese Saison auch nicht geben, da der Kader groß ist und man ständig austauschen kann. Ohne Qualitätsverlust. Diese Komfortzone hat dieses Mal kein anderer Verein zu bieten. Das macht den Unterschied aus und führt leider auch zu Langeweile. Zumindest - was die Frage der Meisterschaft anbelangt.
argonaut-10 09.12.2018
4. Abwarten
Bayern sehe ich noch lange nicht wieder erholt und was Dortmund betrifft... nun ja... die haben die letzten Jahre viel Federn lassen müssen, auch gegen deutlich schwächere Vereine. Die Saison ist noch lang und so schön, wie eben jetzt, war es schon lange nicht mehr.
-volver- 09.12.2018
5. Immer
der Unsinn mit der Langeweile? Für wen ist es denn bitte langweilig? Wenn dann nur für die Fans des BVB. Die müssen aktuell nicht ins schwitzen kommen... und natürlich für den "neutralen" Zuschauer. Wer neutral ist, kann sich aber ohnehin irgendeine andere fussballliga aussuchen, die an der tabellenspitze "spannender" ist.
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