Dortmunder Sieg in Köln Zweites Spiel, zweiter Sieg, Tabellenführung - und sonst?

Der Kader von Borussia Dortmund ist meisterlich, womöglich der beste der Liga. Er könnte ein Trumpf werden im Kampf um die Schale. Auch in Köln drehten zwei Joker das Spiel.

High Five: Dortmunds Torschütze Paco Alcácer (l.) und Marco Reus
Wolfgang Rattay / REUTERS

High Five: Dortmunds Torschütze Paco Alcácer (l.) und Marco Reus

Aus Köln berichtet


Lucien Favre liebt den Fußball. Aber der Fußball macht es ihm nicht immer leicht. Das zeigte sich auch am Freitag in Köln. Einem Abend, den der Trainer von Borussia Dortmund später wie folgt zusammenfassen sollte: "Es war schwer, einfach schwer."

Tatsächlich gibt es für den akribisch arbeitenden Favre noch einiges zu verbessern. Sein Team hat zwar 3:1 (0:1) in Köln gewonnen, doch überzeugend war der Auftritt nur in der letzten halben Stunde des Spiels gewesen.

Lange hatten sich die Dortmunder schwergetan mit dem Pressing der Kölner, sie hatten viele einfache Fehler gemacht, etwa als Torhüter Roman Bürki der Ball unter dem Fuß zur Ecke durchrutschte oder als Manuel Akanji einen leichtsinnigen Rückpass spielte. Später waren sie dann gar einem Rückstand hinterhergerannt, ehe Jadon Sancho (70.), Achraf Hakimi (86.) und Paco Alcácer (90.+4) trafen.

Zweites Spiel, zweiter Sieg, Tabellenführung. Aber sonst? Wie aussagekräftig sind zwei Erfolge - zum Auftakt gegen Augsburg hatte der BVB 5:1 gewonnen - gegen zwei Teams, die vermutlich in dieser Saison gegen den Abstieg spielen werden? Und was sagt es über den Kader aus, dass Dortmund beide Spiele nur dank einer deutlichen Leistungssteigerung in der zweiten Hälfte gewann?

Um die Dominanz der Bayern zu brechen

Es ist ja ganz wesentlicher Bestandteil der Geschichte dieser Dortmunder Mannschaft, dass sie im Sommer für sehr viele Millionen Euro verstärkt wurde, um die Dominanz der Bayern zu durchbrechen.

Man habe in der vergangenen Saison an 21 Spieltagen die Tabelle angeführt und sei trotzdem nicht Meister geworden, hat der Sportliche Leiter Michael Zorc vor wenigen Wochen gesagt; die Schlussfolgerung dieser Erkenntnis hatte er dann auch gleich mitgeteilt: "Deshalb haben wir gesagt, dass wir wieder um den Titel mitspielen wollen."

Also kehrte Mats Hummels aus München zurück, außerdem verpflichtete der BVB Julian Brandt, Thorgan Hazard und Nico Schulz. Mehr Routine für die Innenverteidigung (Hummels), Deutschlands derzeit bester Spezialist für die Problemposition Linksverteidiger (Schulz) und zwei so vielseitige wie talentierte offensive Mittelfeldspieler (Hazard, vor allem aber Brandt).

Und eigentlich, darin scheinen sich in Dortmund gerade mit Blick auf diesen Kader sehr viele Leute einig, ist der von Zorc formulierte Anspruch, um den Titel mitzuspielen, gar nicht genug. Warum, bitte schön, sollte der BVB denn mit diesem Team nicht auch Meister werden?

Julian Brandt (l.) im Duell mit Kölns Kingsley Schindler
SASCHA STEINBACH/EPA-EFE/REX

Julian Brandt (l.) im Duell mit Kölns Kingsley Schindler

Der Kader ist jedenfalls nicht mehr nur gut, er ist nun sehr gut, womöglich gar besser besetzt als der des FC Bayern. Man sah das auch gegen Köln wieder: Mario Götze kam überhaupt nicht zum Einsatz, schon im ersten Spiel gegen Augsburg hatte ihn Favre nur wenige Minuten spielen lassen. Diesmal wechselte Favre stattdessen nach einer Stunde Julian Brandt und Achraf Hakimi ein, es waren genau die richtigen Veränderungen.

"Die Auswechslungen haben uns sehr viel gebracht, man hat das sofort gesehen", sagte Favre, der zugleich das System korrigierte. Aus einem 4-2-3-1 wurde ein 4-3-3, Nuancen nur, doch das zeigte Wirkung. "Wir haben dann mit mehr Tempo gespielt, die Bewegungen waren besser."

Auch Brandt gelang natürlich nicht alles, er spielte einige Konter unsauber aus, war aber auch an der Entstehung von zwei Treffern beteiligt; Hakimi sorgte als Linksverteidiger für offensive Impulse und erzielte das vorentscheidende 2:1 selbst per Kopf.

"Es war ja die Absicht, dass wir von der Bank noch Qualität bringen können. Das haben wir gebraucht, jetzt haben wir sie", sagte Bürki nach dem Sieg. Man könnte auch sagen: In Dortmund wissen sie gerade offensichtlich sehr genau, was sie tun.

1. FC Köln - Borussia Dortmund 1:3 (1:0)
1:0 Drexler (29.)
1:1 Sancho (70.)
1:2 Hakimi (86.)
1:3 Alcácer (90.+4)
Köln: Horn - Ehizibue, Bornauw, Czichos, Hector - Verstraete - Schindler (73. Kainz), Skhiri, Drexler - Modeste (81. Höger), Córdoba (55. Terodde)
Dortmund: Bürki - Piszczek, Akanji, Hummels, Schulz (62. Hakimi) - Weigl (62. Brandt), Witsel - Sancho, Reus, Hazard (85. Bruun Larsen) - Alcácer
Zuschauer: 50.000 (ausverkauft)
Schiedsrichter:
Christian Dingert
Gelbe Karten: Verstraete, Ehizibue / Piszczek



insgesamt 45 Beiträge
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Seite 1
rambazamba1968 24.08.2019
1. Lobhudeleien
Ich kann es nicht mehr lesen. Bei so einem Kader hätte meine Oma mehr aus der Dortmunder Mannschaft geholt. Favre ist ein sehr schlechter Trainer. Er spielt mit dem Kader eine kontertaktik. Das ist lächerlich
jottwede22 24.08.2019
2. Erfrischender Kader
Es ist viel zu früh die Reife und Charakter der Manschaft jetzt schon abschließend beurteiln zu wollen, am Ende sind es die vermeintlich leichten Gegner, die Dortmund wieder straucheln lassen. Sollte der Kader aber in dieser Qualität auch kommende Saison zu halten sein, wäre die Meisterschaft auf jeden Fall eine realistische Option.
ptb29 24.08.2019
3. Nun, abgerechnet wird zum Schluss
Die Verstärkungen, die Dortmund zum Titel helfen sollen, wurden früher als Schwachkaufen der Gegner bezeichnet. Es wird wie im vorigen Jahr nur über Dortmunds nächsten Titel geredet, ich denke, andere Mannschaften sind auch für eine Überraschung gut.
forky 24.08.2019
4. Spielglück
Als Fan ist der Fußball von Favre schwer zu ertragen. Beim Aufsteiger mit 2 Sechsern ohne wirkliches Mittelfeld zu starten, ist schwach. Seitdem der Trainer da ist, findet kein Mittelfeldspiel statt. Die Abwehr spielt stets lange Bälle und man hofft dann, dass die individuelle Klasse der Angreifer es schon richten wird. Aber Hazard ist nicht Pulisic, und Brun-Larsen schon lange nicht. Die können mit Alcacer noch 100 Jahre Fußball spielen, aber werden nie den Durchbruch schaffen. So spielt der BVB mit der zentralen Figur einen selbstverliebten Fußball, der der Selbstverliebtheit des Trainers entspricht. Die PK vor dem Spiel war eine Ohrfeige für jeden Fan. Sorry, aber mit so einem Kader würden Nagelsmann, Tuchel, Hasenhüttl oder Kovac Meister. Favre wird es wieder nicht schaffen. Wenn wir Glück haben, schmeißt er wie in Gladbach und Berlin hin.
K:F 24.08.2019
5. BVB tat sich schwer
und der FC war dem 2:0 näher als der BVB dem Ausgleich. Bis Brandt kam und Favre umgestellt hatte. Glück für den BVB. Schade für den FC.
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