Borussia Dortmund im Titelfinale Das Gegenteil von meisterlich

Wer hat Angst vor zehn Düsseldorfern? Zum Beispiel Borussia Dortmund. Erneut flatterten dem Team in der zweiten Hälfte die Nerven. Dennoch könnte der BVB diese Saison mit der Meisterschaft beenden. Fußball, nicht wahr?

Axel Witsel von Borussia Dortmund weiß auch nicht, was das Problem ist
Lars Baron/Getty Images

Axel Witsel von Borussia Dortmund weiß auch nicht, was das Problem ist

Aus Dortmund berichtet


Wenn man verstehen möchte, was das Gegenteil des Begriffs "meisterlich" ist, dann könnte man schlechtere Dinge tun, als die Nachspielzeit des Bundesligaspiels Borussia Dortmund gegen Fortuna Düsseldorf anzusehen. Der BVB führte gegen den Aufsteiger im eigenen Stadion nach Mario Götzes Tor 3:1. Die Fortuna, die seit der 82. Minute nach einer Roten Karte gegen Adam Bodzek in Unterzahl spielte, kam trotzdem zum 2:3 und hatte anschließend noch zwei gute Chancen zum Ausgleich, der Dortmunds Aus im Meisterschaftskampf bedeutet hätte.

Am Ende blieb es aber nach viel Zittern beim 3:2-Heimsieg. Borussia Dortmund kann am letzten Spieltag der Bundesligasaison (18. Mai, 15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE, TV Sky) Deutscher Meister werden - obwohl das Team seit Monaten einen deutlich instabileren Eindruck macht als Konkurrent und Tabellenführer Bayern München.

Denn Phasen wie gegen Düsseldorf, in denen die Dortmunder die Kontrolle über ein Spiel verlieren, das sie zumindest vom Ergebnis her beherrschen, sind in der Rückrunde häufig vorgekommen. "Wir müssen das besser beherrschen, wenn wir unter Druck sind. Wir müssen ruhiger bleiben", sagte Trainer Lucien Favre.

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Titelkampf in der Bundesliga: Entscheidung vertagt

Ein Rezept, wie er seine Mannschaft in einer Woche in diesem Bereich verbessern kann, fehlt dem Trainer: "Das braucht seine Zeit und vielleicht auch ein bisschen Erfahrung." Das habe er schon zu Beginn der Saison gesagt, dass alles nicht so schnell gehen werde. Damals, als niemand von der Meisterschaft redete, sondern nur vom Umbruch. "Wir haben jetzt schon 18 Punkte mehr als in der vergangenen Saison nach dem letzten Spieltag", sagte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke.

So kommt es eben zur Titelchance am letzten Wochenende - ein Saisonfinale, wie es die Bundesliga seit 2010 nicht mehr erlebt hat. Selbst Fortuna-Trainer Friedhelm Funkel freute sich auf ein "Herzschlag-Finale". Zu dumm nur, dass er zeitgleich seiner Mannschaft im Schaulaufen gegen Hannover 96 zusehen muss.

Dafür, dass es seit dem 1:0 von Christian Pulisic für den BVB in der 41. Minute auf den Showdown hinauslief, war die Stimmung im Dortmunder Stadion merkwürdig zurückhaltend. Von Euphorie waren die Fans des BVB so weit entfernt wie die Mannschaft von einem souveränen Sieg nach 3:1-Führung in Überzahl. Es sei "zeitweise chaotisch" gewesen, gab Thomas Delaney zu, der die Titelchance als gering einschätzte, "weil es nicht mehr in unserer Hand liegt".

Und weil der Gegner am letzten Spieltag nicht Fortuna Düsseldorf (Tabellenelfter) heißt, sondern Borussia Mönchengladbach (Tabellenvierter). Und das Spiel nicht in Dortmund stattfindet, sondern auswärts. Damit es unter diesen Umständen mit dem Titel klappt, müsste vermutlich eine meisterliche Leistung her. Und ein Wunder in München.



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herr_unmut 12.05.2019
1.
Da ist die Bundesliga mal wieder spannend, wird auch wieder gemeckert.
marcuhlig 12.05.2019
2. Überschrift
ein bekannter Forist wird uns sicher gleich erklären, dass die junge Dortmunder Rasselbande schon jetzt viel mehr erreicht hat, als man hätte erwarten können und nur die Bayern mit ihrem lächerlichen 2 Punkte Vorsprung obwohl sehr viel höherem Budget total versagt haben. dabei wird natürlich bewusst ausgeblendet wieviel Geld beim BVB in die Mannschaft investiert wurde und man zwischenzeitlich einen eigentlich unaufholbaren 9 Punkte Vorsprung hatte. vielleicht verkackt es Bayern nächste Woche, ich könnte gut damit Leben, mir wird das 5:0 in der Allianz Arena in Erinnerung bleiben. und nö, ich rede mir das nicht jetzt schon schön, ich weiß, dass man in München viele Fehler gemacht hat und befürchte der Titel würden diese vergessen lassen.
LuPy2 12.05.2019
3. Als schwarz/gelber
sehe ich es auch so: meisterlich und souverän geht anders. Selten war der Dauermeister 1.FCB so labil und unstet, als dass man es in diesem Jahr in Dortmund mit der Meisterschaft hätte sicher durchziehen müssen. Auch das System Favre scheint schnell entzaubert zu sein. Es nährt meine Hoffnungen für die nächste Saison: Favre stabilisiert die Mannschaft, auch hinsichtlich der CL, und der 1.FCB benötigt viel Zeit und Mühen, den Umbruch durchzuführen. Sollte der BVB am Samstag dennoch deutscher Fussballmeister werden, liegt der Dusel diesmal bei ihnen.
Nonvaio01 12.05.2019
4. Umbruch?
Zitat von LuPy2sehe ich es auch so: meisterlich und souverän geht anders. Selten war der Dauermeister 1.FCB so labil und unstet, als dass man es in diesem Jahr in Dortmund mit der Meisterschaft hätte sicher durchziehen müssen. Auch das System Favre scheint schnell entzaubert zu sein. Es nährt meine Hoffnungen für die nächste Saison: Favre stabilisiert die Mannschaft, auch hinsichtlich der CL, und der 1.FCB benötigt viel Zeit und Mühen, den Umbruch durchzuführen. Sollte der BVB am Samstag dennoch deutscher Fussballmeister werden, liegt der Dusel diesmal bei ihnen.
der war diese saison, in der naechsten saision hat man die abwehr weiter stabilisiert mit den bekannten neuzugaengen. Die aussen sind auch wieder gut besetzt, evtl noch 1 stuermer, aber mehr braucht es nicht.
Turbo 12.05.2019
5. Historischer Titelkampf im Video Raum
Der BVB ist seit Wochen nicht mehr meisterlich. Der Trainer hatte die Meisterschaft bereits aufgegeben. Der FC Bayern fährt wenig überzeugend aber zumindest noch ein Mindestprogramm ab. Steht sich aber einmalig selbst im Wege. Es müssen nun in irgendwelchen Kellern irgendwelchen Tasten solange gedrückt werden damit die Szenen passen und der Verfolger bis zum letzten Spieltag dran bleibt. Schwups schon haben wir unsere spannende und objektive Meisterschaft. Einmalig historisch. Egal wer am Ende oben steht: ob sich der Fußball Fan dauerhaft für solche externen Einflussnahmen begeistern kann, wie sie heuer im Exzess stattfanden, wage ich zu bezweifeln. Zumal ich darauf tippe dass die Schale nächstes Wochenende erneut durch ein Replay zugelost wird. Das wird für viel (verzögerten) Jubel sorgen.
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