BVB-Trainer Favre nach Sieg gegen Gladbach "Einen schönen Abend noch"

Mit guter Laune verabschiedet sich Lucien Favre nach der Partie gegen Mönchengladbach von den Journalisten. Nach zuvor drei sieglosen Bundesligaspielen hatte er mal wieder Anlass dazu.

Von , Dortmund


Spielersatztraining wird die Einheit genannt, die für Fußballprofis am Tag nach einem Spiel ansteht, allerdings nur für die, die nicht gespielt haben. Die Bilder des lockeren Trabens zu Beginn werden gern für Berichte über das Spiel am Vortag genommen, denn aus irgendeiner Einstellung wird schon das Gefühl herauszulesen sein, das das Ergebnis hervorrief.

Nach dem 1:0 (0:0)-Sieg von Borussia Dortmund gegen die andere Borussia aus Mönchengladbach wären die Objektive gewiss auf den Mann gerichtet gewesen, der das Spielersatztraining koordiniert. Doch der Eingang zum Trainingsgelände blieb verschlossen. Trainer Lucien Favre wollte das Spiel abgeschottet von der Öffentlichkeit aufarbeiten. Erst einmal Ruhe, erst einmal durchatmen. Die nächsten Wochen werden hart genug für den BVB: In der Champions League bei Inter Mailand, bei Schalke 04, im Pokal wieder gegen Gladbach, gegen die noch ungeschlagenen Wolfsburger, das Rückspiel gegen Inter, dann beim FC Bayern.

Wer als angezählter Trainer nach einer Länderspielpause in solche Wochen geht, sollte mit einem Sieg starten. Lucien Favre gelang das, zwar durchaus holprig, aber es gelang. Das Bild der Erleichterung, das am Sonntag verwehrt blieb, bot sich am Ende der Pressekonferenz. "Einen schönen Abend noch", wünschte der Fußballtrainer in einem für ihn fast flötenden Ton.

Fotostrecke

9  Bilder
BVB-Sieg gegen Gladbach: Borussia schlägt Borussia

Inoffizielle Diskussionen vorerst ausgesetzt

Der erste Sieg in der Bundesliga nach zuvor drei Unentschieden verschaffte ihm die Luft dafür. Erstmals seit dem Sommer 2018 schoss seine Mannschaft in einem Bundesligaheimspiel weniger als zwei Tore. Es reichte trotzdem für die maximale Punktzahl. Zum Gefallen des Trainers: "Das gefällt mir total, mit 1:0 zu gewinnen", sagte Favre am Abend eines Tages, an dem heftiger denn je an ihm gerüttelt worden war.

Angesichts des kommenden Programms hatte die beim BVB gut informierte "Süddeutsche Zeitung" bereits drei Nachfolgekandidaten präsentiert: Ralf Rangnick, Massimiliano Allegri und José Mourinho. Durch den Erfolg gegen Gladbach ist diese inoffizielle Diskussion nun zumindest bis zum Derby gegen Schalke am Samstag (15.30 Uhr; TV: Sky; Liveticker SPIEGEL) ausgesetzt.

Mit einigem Glück.

Favres Entscheidung, Manuel Akanji von der Innenverteidigung ans rechte Ende der Viererkette zu rücken, war zumindest fragwürdig. Der Schweizer erwies sich als fehlerhaft und brachte seinen Landsmann Roman Bürki unter anderem mit einem zu kurzen Rückpass in arge Bedrängnis. "Ich war komplett überfordert mit der Aktion", sagte Bürki, der wegen einer Knieverletzung ausgewechselt werden musste. "Ich wusste nicht, ob ich vor oder zurück soll. Ich bin froh, dass ich den Ball wegspitzeln konnte."

Gleicher Fehler und doch verschont

Auch Mats Hummels versuchte in einer Szene gegen Patrick Hermann, den Ball wegzuspitzeln. Noch einmal hatte der BVB Glück, dass das Foul keinen Elfmeter nach sich zog.

Die Dortmunder blieben diesmal von einem Ausgleich in der Schlussphase verschont, obwohl sie den Fehler der vergangenen Wochen wiederholten. "Wir haben uns wieder tief hinten reindrücken lassen", sagte Marco Reus, der das einzige Tor der Partie erzielte, trotz eines grippalen Infekts. "Solch einen Sieg brauchst du, um wieder in die Spur zu kommen", sagte Reus.

Und solch einen Sieg brauchst du, um unliebsame Diskussionen um den Trainer zu beruhigen. Der Erfolg stufte auch die Suspendierung Jadon Sanchos von einem Aufregen zu einer Randbemerkung herab. Der englische Nationalspieler war aus dem Kader gestrichen worden, weil er wiederholt zu spät gekommen war.

"Ich kommentiere das nicht. Es ist eine disziplinarische Sache und bleibt intern", sagte Favre. "Morgen ist ein anderer Tag." Für Sancho bedeutete das: Spielersatztraining.



insgesamt 13 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
kohle+reibach 20.10.2019
1. Gute Laune??
Gute Laune nach diesem mühevollen Arbeitssieg im heimischen Stadion ist ja wohl fehl am Platze. Wenn ich die Punkte addiere, die der BvB schon liegen gelassen hat, dann habe ich keine gute Laune mehr. Das sollte auch der Trainer nicht haben. Kaum schwächeln die Bayern, schwächelt auch der BvB. Wie im letzten Jahr....... So wirst Du weder Meister, noch Pokalsieger und von der CL sprechen wir besser nicht (ok, das ist aber auch eine Hammer Gruppe). Ich bleibe dabei, Favre ist nicht der Trainer für den BvB und seinen Ansprüchen.
Abel Frühstück 20.10.2019
2.
Rangnick beim BVB? Ich kenne das nur als Witz auf Twitter, hat das von dort den Weg zur SZ gefunden? Jedenfalls glücklich gewonnen, aber die Reihe schwerer Gegner ist noch lang. Akanji ist meiner Meinung nach echt noch nicht soweit, der zeigt sich seit Monaten überfordert. Ich bin auf die Tabelle zur Winterpause sehr gespannt.
andromeda793624 20.10.2019
3.
Zitat von kohle+reibachGute Laune nach diesem mühevollen Arbeitssieg im heimischen Stadion ist ja wohl fehl am Platze. Wenn ich die Punkte addiere, die der BvB schon liegen gelassen hat, dann habe ich keine gute Laune mehr. Das sollte auch der Trainer nicht haben. Kaum schwächeln die Bayern, schwächelt auch der BvB. Wie im letzten Jahr....... So wirst Du weder Meister, noch Pokalsieger und von der CL sprechen wir besser nicht (ok, das ist aber auch eine Hammer Gruppe). Ich bleibe dabei, Favre ist nicht der Trainer für den BvB und seinen Ansprüchen.
Was heißt denn hier mühevoller Arbeitssieg? Der BVB hat in einem Spitzenspiel den Tabellenführer geschlagen und ist auf einen Punkt zur Spitze rangekommen. Alle Top-Klubs der Buli lassen unnötig Punkte liegen, Warum soll da der BVB eine Ausnahme sein?
okto11ber 20.10.2019
4. Nicht so schlimm
Auf gehts gladbacher nicht die Köpfe hängen lassen. Wichtig ist die Lederhodenseppl zu schlagen. Dann ist das Saisonziel erreicht.
Papazaca 20.10.2019
5. Fans mit ausgeprägtem Anspruchsdenken
Zitat von kohle+reibachGute Laune nach diesem mühevollen Arbeitssieg im heimischen Stadion ist ja wohl fehl am Platze. Wenn ich die Punkte addiere, die der BvB schon liegen gelassen hat, dann habe ich keine gute Laune mehr. Das sollte auch der Trainer nicht haben. Kaum schwächeln die Bayern, schwächelt auch der BvB. Wie im letzten Jahr....... So wirst Du weder Meister, noch Pokalsieger und von der CL sprechen wir besser nicht (ok, das ist aber auch eine Hammer Gruppe). Ich bleibe dabei, Favre ist nicht der Trainer für den BvB und seinen Ansprüchen.
Ich weiß ja nicht, wann Sie gute Laune haben. Wenn Sie aber die Länderspiele gesehen haben: Da spielten Reus und Brandt auch nicht überzeugend. Und Alcacer ist verletzt. Und der Schuldige ist Favre? Und dann melden sich bei jedem Pubs Fans wie Sie, die dem BVB zu Trainern wie Mourinho oder Rangnick verhelfen wollen. Na toll. Wenn es nach Ihnen gehen würde, hätten wahrscheinlich viele Trainer in der BL nicht mehr Ihren Job. Was ist mit Kovac, Nagelsmann uva.? Ich bleibe dabei, Erfolgsfans wie Sie braucht kein Verein, schon gar nicht der BVB. Favre ist ein guter Trainer, das ist unbestritten und wir haben den 8. Spieltag. Hoffentlich sind Sie sich selbst gegenüber toleranter, man gönnt ja niemandem was schlechtes. Also, Piano Piano .......
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.