BVB-Niederlage in Hoffenheim Das Spiel hat eben zwei Halbzeiten

Geführt, dominiert und am Ende doch verloren: Die Dortmunder Leistung in Hoffenheim war ein Spiegel der BVB-Hinrunde. Die Gastgeber dagegen können selbst nicht fassen, wie sie diese Partie gewonnen haben.
Ex-Hoffenheimer Nico Schulz mit einer typischen Handbewegung

Ex-Hoffenheimer Nico Schulz mit einer typischen Handbewegung

Foto: Tom Weller DPA

Szene des Spiels: In der 87. Minute hatte die TSG 1899 Hoffenheim als Gastgeberin im eigenen Stadion ihre überhaupt erst dritte Torchance im gesamten Spiel und macht damit ihr zweites und entscheidendes Tor. Endpunkt einer eigentlich absurden Partie, wenn man es bei Borussia Dortmund mittlerweile nicht schon fast gewohnt wäre.

Ergebnis des Spiels: 2:1 für 1899 Hoffenheim, und die Sinsheimer werden auf die Frage, warum sie dieses Spiel gewonnen haben, keine Antwort wissen. Sergis Adamjan (79.) und Andrej Kramaric (87.) drehten nach der frühen BVB-Führung durch Mario Götze (17.) noch das Spiel. Wie beim 3:3 gegen RB Leipzig am Dienstag konnte die Elf ihr Niveau nach dem Wechsel nicht mehr halten, diesmal fiel das Team von Lucien Favre auf geradezu unerklärliche Weise ab. Zum detaillierten Spielbericht geht es hier entlang.

Die erste Hälfte: Der BVB ohne seinen angeschlagenen Kapitän Marco Reus machte da weiter, wo er in den vergangenen Wochen aufgehört hatte: Die Mannschaft strahlte 45 Minuten lang pure Dominanz aus, die Führung durch Mario Götze lag 17 Minuten in der Luft, bevor sie dann auch fiel. Hoffenheim hatte in der ersten Halbzeit einen Freistoß zu verzeichnen, bei dem Robert Skov die Latte traf, sonst kam von 1899 nichts, aber auch gar nichts. Nur 0:1 zur Pause. Der BVB hatte sich entschlossen, seinen Gegner am Leben zu lassen. Mal wieder.

Die zweite Hälfte: Weiterhin vollständige Harm- und Konzeptionslosigkeit bei Hoffenheim. Zusammenspiel, Laufwege zum Gotterbarmen. Immerhin gelang es der Elf von Alfred Schreuder nach und nach erfolgreich, die Dortmunder auf ihr Niveau herabzuziehen. Wahrscheinlich taten die Sinsheimer auch so wenig, weil sie einfach wussten, dass ohnehin das passiert, was passieren würde: Einmal Gefahr vorm BVB-Tor, schon war er drin. Noch einmal Gefahr vorm BVB-Tor, noch einmal war er drin - und der Sieg perfekt. Den letzten verbliebene Funken Dortmunder Hoffnung zertrat Schiedsrichter Felix Zwayer, als er den Siegtreffer nach einer gefühlten Viertelstunde Konferenz mit dem Video-Referee anerkannte.

"Weißt du, wie wir das gewonnen haben?" "Nee, ich auch nicht"

"Weißt du, wie wir das gewonnen haben?" "Nee, ich auch nicht"

Foto: Uwe Anspach DPA

Spieler des Spiels: Man hätte so wunderschöne Mario-Götze-Geschichten schreiben können. Das Interesse vom Big City Club aus Berlin an ihm war im Vorfeld lanciert worden, im ZDF wurde bereits von seinem Abschiedsspiel in Dortmund gemunkelt, da erzielte er als Reus-Ersatz das Führungstor, das unter anderen Umständen auch das Siegtor hätte sein können. Aber in der zweiten Hälfte tauchte auch Götze im schwarz-gelben Flachland unter und wurde nach dem 1:1 ausgewechselt. Wie es mit ihm in der Winterpause weitergeht, wird immerhin dann doch noch für die eine oder andere Mario-Götze-Geschichte hin reichen.

Begleitumstände des Spiels: Im Vorfeld war viel von der Bewährung die Rede, unter der die Dortmunder Fans nach Hoffenheim angereist sind. Nach den Schmähungen des Hoffenheimer Investors Dietmar Hopp aus dem BVB-Fanblock hatte der DFB bei Wiederholung mit einer Blocksperre gedroht. In der ersten Halbzeit waren die BVB-Anhänger noch artig, in der zweiten Hälfte jedoch entrollten sie kurzzeitig ihre Banner, in denen Hopp auf bekannte Art unschön angegangen wurde. Von Banner zu Bann ist es nur ein kleiner Schritt. Angesichts der Leistung ihrer Elf kann man es den BVB-Fans aber auch nicht verdenken, dass sie künftig keine Lust mehr haben, noch nach Sinsheim zu fahren. Zumal sie sich am Ende von den Hoffenheim-Fans auch noch "BVB-Hurensöhne" anhören durften.

Zitat des Spiels: "Das ist wie Klavierschleppen." ZDF-Livereporter Béla Réthy fasste das Niveau dieser Partie über weite Strecken mit einem einzigen Satz dermaßen bündig zusammen, dass er danach eigentlich bis zu den späten Toren hätte schweigen können. Was er natürlich nicht tat.

Erkenntnis des Spiels: Jetzt hat man in Dortmund bis zum Rückrundenstart am 18. Januar einen Monat lang genügend Stoff für eine Debatte. Möglicherweise sollte der BVB einfach nicht mehr in Führung gehen.

TSG Hoffenheim - Borussia Dortmund 2:1 (0:1)
0:1 Götze (17.)
1:1 Adamjan (79.)
2:1 Kramaric (87.)
Hoffenheim: Baumann - Baumgartner, Nordtveit, Benjamin Hübner, Skov - Rudy, Grillitsch - Geiger (65. Locadia), Samassekou (46. Adamyan) - Bebou, Kramaric Dortmund: Bürki - Akanji, Hummels (46. Piszczek), Zagadou - Hakimi, Weigl, Brandt, Schulz - Mario Götze - Hazard (46. Bruun Larsen), Sancho
Schiedsrichter: Felix Zwayer (Berlin)
Gelbe Karten: - Akanji
Zuschauer: 28.000