Dortmunds verschenkter Sieg in Frankfurt Mentalitätsscheiße

Nach dem spät kassierten Ausgleich in Frankfurt diskutieren sie beim BVB mal wieder die fehlende Mentalität. Das erzürnt Kapitän Marco Reus. Dabei ist der Begriff nur der Schweineeimer der Fußballberichterstattung.

Marco Reus ärgert sich gegen Frankfurt über eine vergebene Chance
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Marco Reus ärgert sich gegen Frankfurt über eine vergebene Chance

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Eigentor des Spiels: Die Partie von Borussia Dortmund bei Eintracht Frankfurt war fast beendet. Der BVB führte verdient mit 2:1, hatte aber auch wie zuletzt beim 0:0 gegen Barcelona in der Champions League einige Chancen vergeben. Dann flog eine Flanke durch den Dortmunder Fünfmeterraum. BVB-Mittelfeldspieler Thomas Delaney zog am zweiten Pfosten das Bein weg, um kein Eigentor zu riskieren. Frankfurts Daichi Kamada schoss, der Ball sprang Delaney ans Schienbein, 2:2-Ausgleich in der 88. Minute. Der BVB hatte den Sieg verschenkt, dafür aber eine Debatte über fehlende Mentalität gewonnen.

Das Ergebnis: 2:2 (1:1). Lesen Sie hier den Spielbericht.

Szene des Spiels: Die gab es diesmal nach den 90 Minuten. Marco Reus ist eigentlich ein Spieler, der selten aus der Rolle fällt. Aber nach Abpfiff wurde der BVB-Kapitän wütend: Der Sky-Reporter fragte Reus, ob der vergebene Sieg auf ein Problem mit der Mentalität zurückzuführen sei wie zuletzt beim 1:3 gegen Aufsteiger Union Berlin. Ein in der letzten Saison auch gern gewähltes Narrativ, um zu erklären, warum der BVB trotz zwischenzeitlich neun Punkten Vorsprung nicht Meister wurde. "Ihr geht mir so auf die Eier mit eurer Mentalitätsscheiße", antwortete Reus. Aber trifft das nicht genau den Punkt, entgegnete der Reporter. "Ist das euer Ernst? Wir ziehen es nicht bis zum Ende durch, aber kommt mir jetzt nicht mit eurer Mentalitätsscheiße", zürnte Reus.

Begriff des Spiels I: Die Frage ist ja, was das eigentlich bedeuten soll: Mentalität. Peter Bosz, der Leverkusener Trainer, sagte "11Freunde" neulich: "Mir kommt es manchmal vor, als würden Leute, die nicht allzu viel Ahnung von Fußball haben, den Begriff Mentalität nutzen, um sich zu erklären, warum ein schwächeres Team einen Favoriten besiegt. So brauchen sie nicht in die tiefere Analyse einzusteigen. Mentalität - fertig!" Und es drängt sich der Verdacht auf, dass bei der Erklärung des Dortmunder 2:2 in Frankfurt genau das passiert ist.

Begriff des Spiels II: Mentalität ist der Schweineeimer der Fußball-Berichterstattung unserer Zeit. Da wird alles reingeworfen, was so übrig geblieben ist von einem Spiel, dann schüttet man ihn über einem Team aus und der Zuschauer soll es fressen. Eigentlich bedeutet Mentalität im Sport: Zusammenhalt, Siegeswille und Konzentration. Es bedeutet auch, dass man mit Rückschlägen umgehen kann. All das kann der BVB in den allermeisten Partien, sonst wäre er nicht so erfolgreich. Was er offenbar nicht so gut kann, ist seine Chancen nutzen. Das aber ist ein Qualitätsproblem.

Begriff des Spiels III: Lucien Favre ist der Trainer in der Bundesliga, dem beim Stichwort Mentalität am meisten misstraut wird. Weil der Schweizer bisweilen verzettelt wirkt. Weil er zu früh Titel verloren gibt. Dabei beweist sich die Mentalität eines Trainers nicht vor den Mikrofonen, sondern in der Kabine: bei Ansprachen vor der Mannschaft, beim Ausarbeiten eines Matchplans. Zumindest bei letzterem Punkt gehört Favre zu den zwei besten Trainern der Liga (der andere heißt Julian Nagelsmann).

Analyse des Spiels: Reus war wahrscheinlich auch so sauer, weil er innerhalb von wenigen Tagen zweimal den Sieg selbst auf dem Fuß hatte. Gegen Barcelona vergab der 30-Jährige einen Elfmeter und zahlreiche weitere Gelegenheiten. Gegen Frankfurt hatte er in der 78. Minute das 3:1 auf dem Fuß, als Mario Götze ihn freispielte. Wieder scheiterte Reus. Dass Frankfurt jeweils kurz vor Ende einer Halbzeit ausglich - in der 43. und in der 88. Minute -, lag weniger am fehlenden Siegeswillen des BVB, als vielleicht mehr an einer gewissen Müdigkeit. Nach dem intensiven 0:0 am Dienstag hatte Favre seine Startelf auf keiner Position verändert. Ob das die richtige Entscheidung beim üppig besetzten BVB-Kader war, darf man sich fragen.

Serie des Spiels: Nach Frankfurt fährt der BVB irgendwie nicht so gern. Aber an der hessischen Mentalität liegt das bestimmt nicht.

Eintracht Frankfurt - Borussia Dortmund 2:2 (1:1)
0:1 Witsel (11.)
1:1 Silva (43.)
1:2 Sancho (66.)
2:2 Delaney (88. Eigentor)
Frankfurt: Trapp - Hasebe, Hinteregger, Toure (83. Chandler) - Fernandes - Durm, Sow, Kohr (67. Kamada), Kostic - Paciência (79. Dost), Silva
Dortmund: Bürki - Hakimi, Akanji, Hummels (63. Zagadou), Guerreiro - Witsel, Delaney - Sancho (72. Brandt), Reus, Hazard, Alcácer (76. Götze)
Gelbe Karten: Toure, Chandler - Hummels, Hakimi
Schiedsrichter: Markus Schmidt
Zuschauer: 51.000

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insgesamt 101 Beiträge
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Seite 1
dex81 22.09.2019
1. Ecki Heuser halt
Seine Fragen zielen immer darauf ab unangenehme Themen anzusprechen. Wäre ja nicht schlimm, wenn sie denn so clever verpackt worden wären und jemand sich dann verplappert. Ihm geht es dabei nur um Provokation. Einfach mal drauf achten.
hafnafjoerdur 22.09.2019
2. Die armen Dortmunder
Man möchte gar nicht wissen, wie die Berichterstattung bei den Bayern ausgefallen wäre bei so viel Steilvorlagen. Aber beim BVB mag man ja lieber nichts kritisieren. Die armen Dortmunder sind also noch erschöpft von Dienstag - dass die Frankfurter erst am Donnerstag gespielt haben, fällt da mal eben unter den Tisch. Und die Dortmunder machen also nur ihre Chancen nicht rein? Klar, hinten steht man zwar auch nicht gerade sicher und Spieler wie Reus und Alcacer sind eigentlich 90 Minuten nicht zu sehen, aber natürlich - ist nur die Chancenverwertung. Auf einmal darf man auch nicht mehr von Mentalität sprechen, weil die Dortmunder das doof finden. Gut, man kann es auch Konzentrationsmängel nennen, die gibt es allerdings auch bei den Bayern. Und an der mangelnden Qualität kann es eigentlich auch nicht liegen, wenn man für mehr als 100 Millionen neue Spieler geholt und sich dafür selbst ausgiebig gefeiert hat. Insgesamt fand ich Dortmund gar nicht so überlegen, vom Chancenverhältnis her war das Unentschieden absolut in Ordnung. Was aber natürlich auch nicht erwähnt wird, ist der ergaunerte Freistoß zum 2:1. Die Flanke wird geblockt, in der Mitte sinkt Alcacer zu Boden und obwohl wie erwähnt der Ball noch nicht mal in die Nähe gekommen ist, gibt es den Freistoß. Auch hier will ich mir nicht ausmalen, was gerade hier im Spiegel los wäre - mindestens drei Artikel zum Thema Bayern-Bonus. Aber das bekommt der BVB ganz gut hin - die vielen hilfreichen Schirientscheidungen in den letzten Jahren werden nicht halb so lautstark diskutiert, wie jede noch so klare Entscheidung pro Bayern. Da gab es doch allen Ernstes schon wieder Diskussionen, ob der Elfmeter gestern berechtigt war ...
aggro_aggro 22.09.2019
3. Endlich
Endlich haut Mal ein Fussballer den "Sportjournalisten" ihre bescheuerten Fragen um die Ohren. "Wie bitter ist der späte Ausgleich?" - Was soll man da auch antworten? "mittel"? Lasst die Interviews im Kabinengang sein und ladet die Spieler in eine Talkshow ein, wo man sich mal länger als 20 Sekunden über ein Spiel unterhält.
spon1899 22.09.2019
4.
Heuser fragt nie was wegen Taktik, Wechseln, Spielverlauf und solche Sachen, sondern will immer nur provozieren. Das geht seit sehr vielen Jahren so. Reus hat darauf richtig geantwortet und ich kann Kommentar Nr. 1 nur vollkommen zustimmen.
spon1899 22.09.2019
5.
@2: hafnarfjoerdur: Ja, gebe Ihnen Recht. Da wird in der Tat unterschiedlich darüber berichtet. Das gefällt mir auch nicht.
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