BVB vor neuer Bundesliga-Saison Sie wollen Meister werden. Echt jetzt.

Sieben Mal in Folge war der FC Bayern zuletzt Deutscher Meister. Diese Serie will Borussia Dortmund beenden - und formuliert das auch so klar. Das Selbstvertrauen kommt aus dem Kader.


Es ist in Mode gekommen, während des Sommertrainingslagers zwei Spiele für den selben Tag abzuschließen. Für Lucien Favre ist es nahezu ein Muss. "Es ist sehr wichtig, dass die Spieler auch mal 90 Minuten in den Beinen haben", sagte der Trainer von Borussia Dortmund, nachdem seine Mannschaft mit 6:0 gegen den FC Zürich gewonnen hatte. Stunden später folgte ein 4:1-Sieg gegen den FC St. Gallen.

Bei den Tests gegen die Schweizer Erstligisten tauschte Favre die Startaufstellungen fast komplett durch. Unter den 21 Spielern (Torhüter Marwin Hitz bestritt beide Partien) fanden sich vielleicht drei, die dem halbwegs interessierten Bundesligazuschauer kaum etwas sagen dürften. Darunter ist allerdings auch schon Leonardo Balerdi. Für den argentinischen Innenverteidiger zahlte der BVB im Januar 16 Millionen Euro.

Unter den mäßig bis sehr prominenten Namen fehlten sogar noch die der angeschlagenen Julian Brandt und Thorgan Hazard, zwei Neuzugänge des Sommers, die mitverantwortlich waren für einen Paradigmenwechsel bei der Borussia. In der vergangenen Saison hatte der BVB eine zwischenzeitlich komfortable Tabellenführung verspielt, am Ende fehlten zwei Punkte. Auch "das Bewusstsein, dass wir transfertechnisch einiges zu bieten haben", so Hans-Joachim Watzke, habe dazu geführt, dass der BVB nun ausgibt: Wir wollen Meister werden!

Weitere Abgänge nötig

Blickt man auf den Kader, wäre ein vorsichtiger formuliertes Ziel auch albern gewesen. Das Team wurde verstärkt, hat dadurch aber eine neue Schwachstelle: Das größte Problem der Dortmunder ist zur Zeit, zu viele Spieler unter Vertrag zu haben, die zwar gut, aber für die großen Ziele nicht gut genug sind.

Nach der Leihe von André Schürrle an Spartak Moskau muss der Klub noch Spieler wie Maximilian Philipp und Shinji Kagawa loswerden, um Unzufriedenheit im Team vorzubeugen. Der FC Bayern hätte derzeit hingegen nicht mal die theoretische Möglichkeit, zwei Mannschaften mit prominenten Namen zu besetzen.

Verpflichtungen wie die von Thorgan Hazard schüren beim BVB die Zuversicht
Joe Robbins / AFP

Verpflichtungen wie die von Thorgan Hazard schüren beim BVB die Zuversicht

Deshalb stellt sich die Frage, ob der BVB sogar als Favorit auf den Titel gelten muss, der in den vergangenen sieben Jahren an die Münchner ging. "Nein, nein, nein", sagte Watzke bei der Frage, "wenn ich mir die Aufstellung der Bayern ansehe, die ist top, und da wird sicher noch ein bisschen dazukommen."

Das sehen die Quotenmacher genau so. Wie nahezu jeder Profifußballverein werben auch der FC Bayern und der BVB jeweils für einen Wettanbieter. Beide unterstreichen Watzkes These: Eine Dortmunder Meisterschaft würde etwa ein Fünffaches des Einsatzes bringen. Setzt man zehn Euro auf Bayern, bekommt man lediglich zwölf Euro raus. Dabei spricht vieles dafür, dass der BVB besser wird als in der vergangenen Saison.

Verbessert in allen Mannschaftsteilen

In fast allen Bereichen wurde das Team verstärkt. Etwa mit Nico Schulz von der TSG Hoffenheim, einem weiteren Zugang, der die Position des linken Verteidigers spielen wird, Tempo und Offensivdrang mitbringt. Mit Achraf Hakimi ist ein Außenverteidiger mit ähnlichen Fähigkeiten wieder gesund.

Axel Witsel dürfte im zentralen Mittelfeld Erholungspausen bekommen können, die ihm in der Rückrunde fehlten. Der Verlust von Christian Pulisic dürfte durch Brandt und Hazard, die beide auch eine Option für die Position des zentralen Stürmers bilden, kompensiert sein.

Favre geht in sein zweites Jahr als Trainer beim BVB. Ihm sind die Wünsche auf dem Transfermarkt erfüllt worden. Und er dürfte aus Fehlern gelernt haben. Dass er nach der Derbyniederlage gegen Schalke die Meisterschaft als verloren ausgab ("Der Titel ist weg. Das ist klar.") nahmen ihm Verantwortliche und Fans übel. "Der Trainer ist sehr optimistisch und hat sich unserem Ziel komplett verschrieben", sagte Watzke mit Genugtuung.

Hummels kommt als Stabilisator

Dann ist da auch noch einer, der den Kader der Bayern verkleinerte und den des BVB vergrößerte: Mats Hummels ist zurück in Dortmund. Einer, der die enorme Defensivschwäche bei Flanken, Eck- und Freistößen des Gegners zumindest mildern kann, der scharfe Pässe präzise nach vorn spielt, der auch im Alter von 30 Jahren noch mit die besten Zweikampfwerte der Bundesligaspieler aufweist. Außerdem hat er, was vielen Dortmundern in der vergangenen Saison fehlte: viel Erfahrung in Phasen hoher psychischer Belastung.

"Wenn unser Ziel ist, Meister zu werden, dann brauchen wir gute Spieler, und die haben wir unter anderem in Mats gefunden", sagte Marco Reus. Der Kapitän trat in den vergangenen Wochen häufig vor die Mikrofone, zeigte sich bei diesen Auftritten viel offener und selbstbewusster als in den Jahren zuvor.

Mats Hummels, der vom Selbstbewusstsein eher eine Portion zu viel bekam, schweigt hingegen seit seiner Rückkehr gegenüber den Medien. Dass er Meister werden will, ist nach den vergangenen Jahren in München ohnehin klar. Auch beim BVB ist er damit unter Gleichgesinnten.

insgesamt 74 Beiträge
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Seite 1
gnarze 02.08.2019
1. Gut so
Das Herumgeeiere der letzten Saison war wohl auch zum Schluss im Finale kontraproduktiv. Ich freue mich auf einen spannenden Kampf um die Krone.
Papazaca 02.08.2019
2. Der Verführung widerstehen
Das fast jeder BVB-Fan diesmal Meister werden will, ist nach der letzten "zwei-Punkte -zu-wenig-Saison" klar. Trotzdem, ohne meinen Anwalt sage ich NIX.
achimriess 02.08.2019
3. Richtige Einstellung!!!
Das ist die richtige Einstellung. Ein Verein wie Borussia Dortmund muss immer Meister werden wollen. Und das auch sagen. Die Leisetreterei der Vergangenheit hat mich genervt. Der diesjährige Kader ist stark. Die Bayern sollten sich warm anziehen.
at.engel 02.08.2019
4.
"Eine Dortmunder Meisterschaft würde etwa ein Fünffaches des Einsatzes bringen. Setzt man zehn Euro auf Bayern, bekommt man lediglich zwölf Euro raus." Na ja, wie das bei Wetten eben ist: Setze ich auf Paderborn, könnte ich 2500mal den Einsatz bekommen, nur bekomme ich das natürlich nie! Zwischen 2001 und 2011 waren die Bayern sechsmal Meister, seit 2011 schon siebenmal... vielleicht sollte man diese Saison auf Dortmund setzen - irgendwie so rein statistisch gesehen. Aber selbst, falls Dortmund gewinnen sollte, rettet das die Bundesliga auch nicht!
kohle+reibach 02.08.2019
5. Kader ungleich Mannschaft!
Zitat von achimriessDas ist die richtige Einstellung. Ein Verein wie Borussia Dortmund muss immer Meister werden wollen. Und das auch sagen. Die Leisetreterei der Vergangenheit hat mich genervt. Der diesjährige Kader ist stark. Die Bayern sollten sich warm anziehen.
Ja, der Kader ist stark. Aber wird auch eine Mannschaft daraus? Kann Favre das Potenzial überhaupt nutzen? Ich halte nach wie vor nix von dem Trainer und das war schon vor der letzten Saison so.
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