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Borussia Dortmund Endlich Dusel

Borussia Dortmund spielte gegen Hoffenheim gut, wie schon so oft in dieser Saison. Doch diesmal wurde der BVB für seine Leistung belohnt. Auch, weil Schiedsrichter Zwayer kurz vor Schluss ein klares Foul übersah.

Dass Borussia Dortmund gegen 1899 Hoffenheim den so herbeigesehnten Sieg (1:0) feiern durfte und nicht die nächste Katastrophe im Abstiegskampf erlebte, lag zu einem nicht gerade kleinen Teil an Schiedsrichter Felix Zwayer und dessen Entscheidung in der 85. Minute.

Der auf den letzten Tabellenplatz abgestürzte BVB hatte wieder einmal prächtig gespielt - aber wieder einmal auch ein halbes Dutzend wunderbarer Chancen vergeudet. Trainer Jürgen Klopp sollte später die "sehr lebendige" Leistung loben und sich darüber freuen, dass sein Team "in der zweiten Halbzeit den Druck erhöht" habe, ohne Hoffenheimer Chancen zuzulassen. Außerdem waren die Dortmunder mal nicht 90 Minuten mit Überschwang angerannt, sondern hatten sich - taktisch geschickt - vor allem in der ersten Hälfte immer mal wieder in die Rolle des Außenseiters zurückgezogen, der dem Gegner die Spielgestaltung überlässt.

Allerdings führte der BVB in eben dieser 85. Minute nur 1:0, als Neven Subotic den Hoffenheimer Tarik Elyounoussi im Strafraum foulte. Ein klares Foul, das war für fast jeden der 80.000 Zuschauer deutlich erkennbar. Für einen Moment wehte eine grausame Angst vor der nächsten Demütigung durch das Stadion, aber Zweyers Pfeife blieb stumm.

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BVB-Sieg gegen Hoffenheim: Sie können es ja doch!

Foto: Alex Grimm/ Bongarts/Getty Images

Das sei ein "hundertprozentiger Elfmeter gewesen", echauffierte sich Hoffenheims Trainer Markus Gisdol später zurecht, und natürlich hätte es zur heiklen Situation des BVB gepasst, wenn Subotics Aussetzer ein eigentlich sehr gutes Fußballspiel des BVB zerstört hätte. Es war eine Fehlentscheidung für die Gerechtigkeit.

Denn Pierre-Emerick Aubameyang hatte zuvor ein eigentlich reguläres zweites Tor erzielt, das wegen einer vermeintlichen Abseitsstellung nicht zählte (52. Minute). Ein Elfmetergegentor in der Schlussphase wäre typisch für diese völlig verkorkste Saison gewesen. Nun wurde die Dortmunder Serie der skurrilen Selbstzerstörungsmaßnahmen vom Schiedsrichtergespann beendet.

Und so begaben sich am Ende abgekämpfte aber glückliche Männer auf eine lange Ehrenrunde und ließen sich feiern. "Wir als gesamter Verein haben eines unserer besten Gesichter gezeigt", sagte der starke Ilkay Gündogan, der offensiver spielte als sonst und das Tor des Tages geköpft hatte (17.).

Roman Weidenfeller saß den ganzen Abend mit regungsloser Miene und traurigen Augen in der hinteren Reihe der Auswechselbank. Der 34-Jährige, der nun über zehn Jahre der unangefochtene Dortmunder Stammtorhüter war, muss um seinen Status als Nummer Eins fürchten. Denn Jürgen Klopp hatte Ersatztorhüter Mitchell Langerak in die Startelf gestellt, ein "Bauchgefühl" habe ihn dazu bewegt, erklärte der Trainer. Er habe die "Unbekümmertheit und die Frische" des jungen Australiers auf dem Platz haben wollen.

Klopp teilte Weidenfeller die Entscheidung vor dem Team mit

Welche Konsequenzen das für den weiteren Saisonverlauf haben wird, wollte Klopp nicht verraten, aber Langerak spielte deutlich souveräner als Weidenfeller in den zurückliegenden Wochen. Klopp gab noch ein interessantes Detail zu dieser Personalie Preis: Er habe kein Gespräch über diese Entscheidung mit Weidenfeller geführt und ihm die Versetzung auf die Bank vor der ganzen Mannschaft mitgeteilt. "Wir sind in keiner Situation, in der ich Spielern sage, warum sie nicht spielen, oder warum sie nicht im Kader sind", sagte der Trainer.

Auch intern ist das Klima also rauer geworden. Und der Torwarttausch war gewiss ein Mosaikstein im Erfolgsbild dieses Abends.

Wie im Übrigen auch die Wiedergeburt der Viererkette, mit der Borussia Dortmund seine beiden Meisterschaften gewann und 2013 das Champions-League-Finale erreichte. Erstmals seit dem Endspiel gegen den FC Bayern vor 19 Monaten standen Marcel Schmelzer, Mats Hummels, Neven Subotic und Lukasz Piszczek gemeinsam in der Startelf. Hummels spielte überragend, mit dem von einer Bänderdehnung genesenen Nationalspieler habe die Dortmunder Defensive "eine unglaubliche Stabilität" entwickelt, sagte Gäste-Trainer Markus Gisdol. Und das habe auch dem zuletzt eher schwachen Subotic "Sicherheit gegeben".

1899 Hoffenheim hatte praktisch keine Torchance, es gab lediglich einen Fernschuss von Sven Schipplock, der aber am Tor vorbei flog (37.) und einen Freistoß von Sebastian Rudy, den Hummels im Zurücklaufen von der Linie köpfte (47.).

Und natürlich die Elfmeterszene in der Schlussphase, mit der die Dortmunder beinahe alles wieder zerstört hätten. Aber eben nur beinahe.

Borussia Dortmund - 1899 Hoffenheim 1:0 (1:0)
1:0 Gündogan (17.)
Dortmund: Langerak - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Sven Bender, Kehl - Aubameyang (90.+2 Immobile), Gündogan (90.+1 Ginter), Mchitarjan - Ramos (83. Großkreutz)
Hoffenheim: Baumann - Beck, Süle, Bicakcic, Kim - Schwegler (78. Salihovic), Polanski - Volland, Rudy (78. Elyounoussi) - Schipplock (46. Modeste), Firmino
Schiedsrichter: Zwayer (Berlin)
Zuschauer: 80.667 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Kehl, Ramos - Süle, Schwegler (2), Salihovic, Polanski (4)
Torschüsse: 19 / 6
Ballbesitz: 54 / 46 %

Foto: Andreas Gebert/ picture alliance / dpa
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