Bundesliga Calmund soll intern von Manipulationen gesprochen haben

Ein Schriftstück von Bayer Leverkusen bringt Reiner Calmund in die Bredouille. Nach Informationen des SPIEGEL schrieb ein Anwalt des Vereins der Staatsanwaltschaft am 9. März einen brisanten Brief. Darin erwähnt er Andeutungen Calmunds, die die Bundesliga erschüttern könnten.


Hamburg - Demnach habe Calmund am 26. Mai 2004 angedeutet, im Bundesligaspiel der Leverkusener gegen den TSV 1860 München am 33. Spieltag der Bundesligasaison 2002/2003 sei "etwas gelaufen". Die Bayer-Elf stand zu diesem Zeitpunkt auf einem Abstiegsplatz und benötigte dringend Siege aus den verbleibenden zwei Spielen, um die Klasse zu halten. Aber was war gelaufen?

Calmund, damals Manager des abstiegsbedrohten Werksclubs, wurde im Mai durch Bayer-Verwantwortliche wegen des Verbleibs von drei Schecks in Höhe von 580.000 Euro befragt. Dabei habe der gewichtige Bundesliga-Impresario ausgesagt, vor der entscheidenden Begegnung gegen die Münchner von Spielerberater Volker Graul angesprochen worden zu sein - so geht es aus der zwölfseitigen Stellungnahme von Bayer-Anwalt Walther Graf vom 9. März an die Kölner Staatsanwaltschaft hervor.

Ex-Profi Graul habe laut Calmund angeboten, für Leverkusen "etwas machen zu können", heißt es in dem Schreiben. Graul, der eine Anfrage des SPIEGEL unbeantwortet ließ, habe für die Hilfe eben jene 580.000 Euro verlangt, von denen er 500.000 an drei Spieler von 1860 München auszahlen und den Rest habe behalten wollen. Nach dem mit 3:0 gewonnenen Match will Calmund die Auszahlung des Betrages an Graul veranlasst haben, so Bayer-Anwalt Graf in der Stellungnahme.

Calmunds Anwalt erklärte, sein Mandant habe "zu keinem Zeitpunkt Spielmanipulationen veranlasst", der ehemalige Manager besteht seit Bekanntwerden der Affäre darauf, das Geld in Vorkaufsrechte für Spieler investiert zu haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt seit Anfang März jedoch gegen Calmund wegen des Verdachts der Untreue und gegen Graul wegen des Verdachts der Beihilfe zur Untreue.

Wie der SPIEGEL weiter berichtet, habe Calmund bereits vor dem Mai 2004 gegenüber dem Bayer-Konzern zweimal vage Andeutungen über Spielmanipulationen gemacht. Der Eindruck der Bayer-Verantwortlichen sei damals aber gewesen, Calmund habe immer dann von Manipulationen gesprochen, wenn er sich wegen seiner dubiosen Finanzgeschäfte in die Ecke gedrängt gefühlt habe.

Als der Manager im November 2003 vor dem Gesellschafterausschuss des Vereins erstmals davon sprach, das Ergebnis des Spiels gegen 1860 München sei "nicht durch einen sportlichen Wettkampf, sondern durch Zuwendungen an Sportler bestimmt worden", nannte er laut der Bayer-Stellungnahme sogar Namen von Spielern. Diese sind dem SPIEGEL bekannt. Bei den Münchnern weiß man nichts von einer Manipulation, Geschäftsführer Detlef Romeiko erklärte jedoch, man gehe "davon aus, dass unsere Spieler nicht manipuliert und auch kein Geld erhalten haben. Sollten sich jedoch Verdachtsmomente ergeben, werden wir dazu beitragen, alles rückhaltlos aufzuklären."

Calmunds Anwalt erklärte indes, dass sein Mandant die offenen Fragen beantworten werde. "Unter Benennung von Zeugen und Unterlagen" will Calmund belegen, dass die 580.000 Euro für Spieleroptionen ausgegeben wurden und damit den Vorwurf der Untreue beseitigen. Doch neuer Ärger ist programmiert: Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet heute, dass die Staatsanwaltschaft Köln Hinweise "mit Substanz" prüfe, in der Saison 2002/2003 könnten möglicherweise auch das Leverkusener Heimspiel gegen Arminia Bielefeld (3:1) und die Auswärtspartie in Nürnberg (1:0) manipuliert worden sein.  



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