Nein zur Torlinientechnik Knausrigkeit und Traditionalismus

Das Thema Torlinientechnik ist in der Ersten und Zweiten Bundesliga vorerst vom Tisch. Die Mitglieder der DFL haben die Einführung mehrheitlich abgelehnt. Grund dafür sind offenbar die hohen Kosten - und der Konservatismus einiger Clubs.
DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig (r.): Torlinientechnik kommt nicht

DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig (r.): Torlinientechnik kommt nicht

Foto: Fredrik von Erichsen/ dpa

Reinhard Rauballs Worte klangen endgültig. "Bis auf weiteres ist dieses Thema aus unserer Sicht erledigt", sagte der Präsident der Deutschen Fußball Liga (DFL), die gerade beschlossen hatte, auch in Zukunft auf technische Hilfsmittel für Schiedsrichter zu verzichten.

Es war ein Augenblick, der viele Beobachter überraschte und der an das Frühjahr 2010 erinnerte. Damals saß Jérôme Valcke, der Generalsekretär der Fifa, ebenfalls auf einem Podium vor Journalisten und verkündete: Das Regelgremium des Weltverbandes habe soeben beschlossen, "der Technik die Tür endgültig zu verschließen".

Was danach folgte, ist hinlänglich bekannt. Bei der Weltmeisterschaft wenige Monate später flog der Schuss des Engländers Frank Lampard gegen die Latte des deutschen Tores, landete hinter der Linie und hüpfte wieder aus dem Tor heraus. Die ganze Welt hatte gesehen, dass ein regulärer Treffer gefallen war, nur die Schiedsrichter nicht. Wenige Wochen danach war die einstmals "endgültige" Entscheidung schon wieder revidiert. Ganz ähnlich könnte es auch in der Bundesliga kommen. "Ich glaube nicht, dass das ein 'Nein' für alle Zeiten ist", sagte Max Eberl, der Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach.

Offenbar ist die Bundesliga noch nicht dramatisch genug betroffen gewesen von einem vermeidbaren Schaden dieser Art. Stefan Kießlings Phantomtor für Bayer Leverkusen in Hoffenheim war zwar ärgerlich, aber es fiel weder in einem sehr wichtigen Spiel, noch betraf es einen ganz großen Club. Spätestens jedoch wenn eine Meisterschaft, ein Abstieg oder eine Champions-League-Teilnahme durch eine Fehlentscheidung entschieden wird, die mit einem der vier von der Fifa lizenzierten Systeme vermeidbar gewesen wäre, dürften auch die Bundesliga-Funktionäre umdenken.

"Die Kosten sind exorbitant"

Dass Hoffenheim und Leverkusen, die sich im Herbst wochenlang mit dem Phantomtor-Ärger herumschlagen mussten, zu den neun Bundesligisten gehörten, die für die Technik stimmten, ist kein Geheimnis. Wer hingegen selbst noch nie betroffen war, lässt sich von anderen Argumenten überzeugen. Jörg Schmadtke, der mit seinem 1. FC Köln am Wochenende noch Profiteur einer umstrittenen Torentscheidung war, sprach von einer "Kosten-Nutzen-Rechnung", die einfach nicht überzeugend sei. "Die Kosten sind so exorbitant, dass das nicht tragbar ist", erläuterte der Sportdirektor des FC.

Rund 170.000 Euro hätte jeder Club im Fall eines zustimmenden Votums pro Jahr aufwenden müssen, was vor allem für die Zweitligisten bedeutsam war. Die große Gruppe der Innovationsgegner aus der Bundesliga ließ sich aber offenbar auch von einem seltsamen Konservatismus leiten. Heribert Bruchhagen, Vorstandsvorsitzender von Eintracht Frankfurt, kramte das alte Argument von der Schlichtheit des Spiels hervor, "der Fußball soll überall unter den gleichen Bedingungen gespielt werden", sagte er.

In Frankfurt liefen die meisten Technik-Gegner kommentarlos an den wartenden Journalisten vorbei, sie ahnten offenbar, dass sie eher wenig Zustimmung zu erwarten hatten. Am Ende hat die Liga sich also durch eine Mischung aus Knausrigkeit und Traditionalismus um einen naheliegenden Fortschritt gebracht. Nicht einmal eine Diskussion habe es gegeben, erzählte Christian Seifert, der Geschäftsführer des Ligaverbandes.

Offenbar waren auf Managertagungen während der vergangenen Monate bereits alle Argumente ausgetauscht worden. Technikbefürworter wie die Vertreter aus München, Bremen, Leverkusen, Hoffenheim, Mainz oder Mönchengladbach haben damit keine gute Lobbyarbeit gemacht. Und dass die Schiedsrichter sich in Zeiten eines immer schneller werdenden Spiels dringend Hilfe wünschen, spielte gar keine Rolle.

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