Fußball-Bundesliga DFL wollte Profis das Fasten untersagen

Die DFL wollte Bundesligaprofis verbieten, an Ramadan zu fasten. Das zeigt ein Mustervertrag, der dem SPIEGEL vorliegt. Nun wird darauf verzichtet - "nach einer internen Überarbeitungsrunde".

Algerische Nationalelf: Sogar während der WM 2014 wurde gefastet
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Algerische Nationalelf: Sogar während der WM 2014 wurde gefastet

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Hamburg - Die Deutsche Fußball Liga (DFL) plante ein Fastenverbot für Bundesligaprofis. Dies geht aus dem 29 Seiten umfassenden Entwurf eines Mustervertrags hervor, den die DFL im April 2014 formuliert hat und der dem SPIEGEL vorliegt. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

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Heft 6/2015
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Unter der Überschrift "Gesundheit und Krankheit" heißt es, dass ein Spieler einen "Konflikt zwischen der Befolgung religiöser oder hiermit vergleichbarer Regeln [...] (zum Beispiel durch eine Fastenzeitregel)" und seiner Fitness "zugunsten der Sicherung der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit auflösen" werde. Der Passus zielte vor allem auf muslimische Profis, die den Ramadan befolgen und während dieses heiligen Monats zwischen Sonnenaufgang und -untergang nichts essen.

Nach Protesten vieler Klubs und der Vereinigung der Vertragsfußballspieler (VDV) hat die DFL die Passage Ende vergangenen Jahres aus dem Vertragsentwurf gestrichen. Nach Ansicht des VDV-Geschäftsführers Ulf Baranowsky sei eine solche Klausel "nicht mit der verfassungsmäßig geschützten Religionsfreiheit vereinbar und würde auch im Hinblick auf die internationale Vermarktung der Bundesliga ein ungünstiges Signal setzen".

Die DFL teilte mit, dass sie in dem Mustervertrag "nach einer weiteren internen Überarbeitungsrunde" auf die umstrittene Klausel verzichten werde. 2009 hatte Zweitligist FSV Frankfurt drei muslimische Profis abgemahnt, weil sie die Regeln des Ramadan befolgten. Man einigte sich außergerichtlich.

(Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

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insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
hbblum 30.01.2015
1. Das ist doch....
..ein alter Hut. Ich frage mich, warum die DFL sich eine solche Blöse gibt.
Sibylle1969 30.01.2015
2. Die Diskussion gab es schon bei der Fussball-wm
Für einen Sportprofi, der seinen Job ernst nimmt, kommt Fasten doch nicht wirklich in Frage. Ob man das im Vertrag festschreiben muss, ist eine andere Frage, aber als Trainer würde ich jedem Spieler klarmachen, dass er nicht aufgestellt wird und es Minuspunkte bei einer evtl Vertragsverlängerung gibt.
OskarVernon 30.01.2015
3.
Zitat von Sibylle1969Für einen Sportprofi, der seinen Job ernst nimmt, kommt Fasten doch nicht wirklich in Frage. Ob man das im Vertrag festschreiben muss, ist eine andere Frage, aber als Trainer würde ich jedem Spieler klarmachen, dass er nicht aufgestellt wird und es Minuspunkte bei einer evtl Vertragsverlängerung gibt.
Eigentlich nicht: Die Karriere eines Profisportlers steht und fällt naturgemäß mit seiner Fitness. Ist die eingeschränkt, hat in allererster Linie er selber ein Problem - wer denn sonst...?
Seraphan 30.01.2015
4.
Interessant, dass ein Verband, der viel Geld für Werbung zum Thema Toleranz ausgibt, offensichtlich die eigene Toleranz abschaltet, wenn es um die eigenen Interessen geht. Überhaupt auf den Gedanken zu kommen, einem Gläubigen sein Recht auf Ausübung der Religion nehmen zu wollen, ist unglaublich.
OskarVernon 30.01.2015
5.
Zitat von SeraphanInteressant, dass ein Verband, der viel Geld für Werbung zum Thema Toleranz ausgibt, offensichtlich die eigene Toleranz abschaltet, wenn es um die eigenen Interessen geht. Überhaupt auf den Gedanken zu kommen, einem Gläubigen sein Recht auf Ausübung der Religion nehmen zu wollen, ist unglaublich.
Darum geht es überhaupt nicht: Religion ist Privatsache. Wo religiöse und berufliche Pflichten zu kollidieren drohen muss also der Gläubige (und zwar jeder, egal welchen Glaubens!) für sich selber Prioritäten setzen. Dass das berufliche Nachteile mit sich bringen kann, liegt in der Natur der Sache, ist aber weder auf Muslime noch auf Profisportler beschränkt.
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