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21. Oktober 2018, 08:40 Uhr

Bundesliga-Analyse

Bis zur Winterpause wird es zwei Trainerwechsel geben

Von und

Für Domenico Tedesco und Heiko Herrlich wird es eng, weil sie alten Fußball spielen lassen. Bei Borussia Dortmund läuft es, weil Mannschaft und Trainer harmonieren. Drei Thesen zur Bundesliga.

1. Tedescos Zeit auf Schalke ist bald zu Ende

Domenico Tedescos Arbeiterfußball stößt in dieser Saison an seine Grenzen. Nach den fünf verlorenen Spielen zu Saisonbeginn schien sich Schalke 04 gefangen zu haben. Wettbewerbsübergreifend gewannen die Knappen zuletzt sogar drei Spiele in Folge. Und das mit dem altbekannten Spiel der vergangenen Saison: Tief stehen, viel malochen und vorne auf ein bisschen Spielglück hoffen. Dass diese Taktik aber nicht reicht, wenn das Glück ausbleibt, musste Tedesco bei der 0:2-Niederlage gegen Werder Bremen erkennen.

Die Bremer spielen unter Trainer Florian Kohfeldt beeindruckenden Offensivfußball und überbrücken das Mittelfeld oft mit kurzen, direkten Pässen. Schalke will sich zwar auch nicht lange im Mittelfeld aufhalten, löst das Problem aber mit dem genau gegenteiligen Ansatz: Lang schlagen und auf den zweiten Ball hoffen. Wobei die Betonung auf "hoffen" liegt.

Diese Art des Fußballs hat ihren Zenit überschritten. Um mit Schalke den Anschluss an die oberen Tabellenregionen herzustellen, müsste sich Tedesco neu erfinden. Werder hat gezeigt, wie es funktionieren kann. Gelingt es Tedesco nicht, seiner Mannschaft ein neues Gesicht fernab der Malocheridentität zu verpassen, wird er die Winterpause als Schalke-Trainer nicht erleben. Dass er es grundsätzlich anders kann, hat der 33-Jährige mit Erzgebirge Aue in der zweiten Liga bewiesen. Doch in Gelsenkirchen hat er im Moment nicht den richtigen Kader für eleganten Kombinationsfußball. Das könnte ihn den Job kosten.

2. In Leverkusen könnte bald nichts mehr Herrlich sein

Am Ende durfte und musste Heiko Herrlich ganz tief durchatmen. Karim Bellarabi rettete Bayer Leverkusen mit seinem Tor in der Nachspielzeit einen Punkt gegen Hannover 96 und dem Trainer vielleicht schon den Job. Acht Zähler aus acht Spielen, mit 15 Gegentoren die viertschlechteste Defensive der Liga und zuletzt zwei Unentschieden gegen vermeintliche Abstiegskandidaten: Das kann den traditionell hohen Bayer-Ansprüchen nicht genügen.

"Uns fehlt im Moment die Leichtigkeit, das Selbstvertrauen und auch das Spielglück", sagte Herrlich im Anschluss an die Partie. Nun darf man kurz nach Abpfiff keine umfassende Fehleranalyse erwarten, aber ein bisschen mehr Selbstkritik wäre schon angebracht gewesen. Vor allem in der ersten Hälfte zeigte Bayer 04 ein schwaches Heimspiel.

Nur zwei Schüsse brachte die Werkself aufs gegnerische Tor: den gehaltenen Elfmeter von Wendell und den Ausgleichstreffer durch Lars Bender. Nach der Pause wurde Leverkusen zwar besser, geriet nach einer Standardsituation aber wieder in Rückstand. Anschließend spielte Bayer nach dem Platzverweis gegen Felipe mehr als eine halbe Stunde in Überzahl und musste trotzdem bis zum letzten Moment zittern.

Dem Trainer, der in der vergangenen Saison noch für seinen erfrischenden Angriffsfußball gelobt wurde, wird mittlerweile vorgeworfen, dass seine bedingungslose Offensive zu anfällig für Gegentore sei. Er habe keinen "Plan B", heißt es. Zumindest kann dieser Plan nicht immer "B wie Bellarabi" heißen. Sonst muss Herrlich Leverkusen schon bald verlassen.

3. Die Variabilität und Favre machen Dortmund so stark

Borussia Dortmund bleibt nach der 4:0-Gala beim VfB Stuttgart souveräner Tabellenführer der Bundesliga. Damit nicht genug: 27 Tore nach acht Spieltagen bedeuten Vereinsrekord und geben einen Hinweis darauf, warum es beim BVB gerade so gut läuft. Die Borussia hat nicht nur mit Paco Alcácer den aktuell wohl formstärksten Stürmer Europas, sie ist zudem offensiv extrem variabel.

13 verschiedene Torschützen kann der BVB schon nach acht Spieltagen vorweisen. Zur Einordnung: Nur acht Bundesligisten haben bislang überhaupt mehr als 13 Treffer erzielt. Auch in Stuttgart trafen wieder vier verschiedene Dortmunder: Jaydon Sancho, Marco Reus, Alcácer und der eingewechselte Maximilian Philipp.

Man konnte es schon vor der Saison ahnen: Die Borussia und Lucien Favre - das scheint zu passen. Der Schweizer mag schnellen Umschaltfußball und hat in Dortmund dafür genau das richtige Personal. Zudem will er dafür sorgen, dass seine Spieler in möglichst gute Abschlusspositionen kommen. Weil sie seine Vorgaben umsetzen, gelingt es den Dortmundern, aus relativ wenigen Chancen möglichst viele Tore zu erzielen.

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